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Was Wohnen wirklich wert ist

Wenn in Deutschland gebaut wird, entstehen meist hochpreisige Wohnungen. Der soziale Wohnungsbau kommt zu kurz.

Wenn in Deutschland gebaut wird, entstehen meist hochpreisige Wohnungen. Der soziale Wohnungsbau kommt zu kurz.

Was Wohnen wert ist, hat sich im Corona-Jahr besonders bewiesen. Wer das Glück eines großzügigen Heims hat, wer zwischen Homeoffice und Homeschooling den anderen Familienmitgliedern aus dem Weg gehen kann, wer sich an einem Garten erfreut, gehört noch stärker als zu früheren Zeiten zu den Glücklichen.

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Die Bundesregierung lobt sich für 1,5 Millionen neue Wohnungen, auch wenn 300.000 davon bisher nur auf dem Papier oder im Rohbau existieren. Die Bundeskanzlerin lobt die Mietpreisbremse, die ihre Partei, die Union, lange bekämpfte. Die Mietpreisdynamik flache ab, gibt Merkel als Erfolgsmeldung aus.

Völlig ungebremst steigen unterdessen die Preise für Wohneigentum. Die Regierung feiert sich für das Baukindergeld (310.000 Familien hätten es in Anspruch genommen, mit einem Durchschnittsjahreseinkommen von 45.000 Euro bei Weitem nicht nur gut verdienende), doch die staatlichen Zuschüsse heizen den Markt weiter an und verpuffen dann.

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Noch schlimmer ist es bei den Sozialwohnungen: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) feiern sich für die Milliardensummen, die der Bund in die Hand nimmt. Doch diese Rekordsummen stehen in direktem Zusammenhang mit Rekordmieten. Und die Zahl der Sozialwohnungen sinkt stetig, weil Wohnungen aus der Förderung fallen.

Das einzig Positive an der Bilanz der Wohnraumoffensive ist das Eingeständnis der Regierungsspitze, noch längst nicht fertig zu sein. Es muss weiter und mehr gebaut, weiter und mehr gefördert – und die Mieten müssen weiter und stärker gebremst werden.

Doch die Offensive ist zugleich ein Armutszeugnis, weil sie sich mit Symptomen beschäftigt, nicht mit den Ursachen der Preisexplosion. Immer noch können Konzerne steuerfrei per Share Deal Wohnungspakete kaufen und verkaufen. Immer noch veröden historische Zentren von Kleinstädten, während in den Metropolen der Markt irre und das Umland zersiedelt wird. Immer noch lohnt sich Spekulation mit Boden und Leerstand zu sehr. Immer noch weichen Eigenheimsucher notgedrungen in den entfernten Speckgürtel aus, obwohl sie lieber in der Stadt blieben.

Gegen alles gibt es Rezepte. Eine Förderung von Genossenschaften gäbe Wohnungssuchenden Sicherheit bei geringem Kapitaleinsatz. Eine Bodenwertsteuer würde Landspekulation weniger attraktiv machen – doch in der Grundsteuerreform ist sie bisher nicht vorgesehen. Ein Handel mit Flächenzertifikaten würde die Interessen wachsender und schrumpfender Kommunen ausgleichen – und einen Anreiz zur innerstädtischen Nachverdichtung geben.

Baugebote, Vorkaufsrechte und als letzter Schritt Enteignungen von spekulativ leer stehenden Gebäuden würden Schandflecken beseitigen und für Wohnraum sorgen. Dass nicht etwa ein Grüner, sondern Vizekanzler Scholz auf dem Wohngipfel Baugebote und Vorkaufsrechte lobend erwähnte, ist ein zartes Pflänzchen der Hoffnung.

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Denn Wohnen ist zu viel wert, um es politisch weiter zu vernachlässigen.

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