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Was will AfD-Frau Weidel beim Vordenker der Neuen Rechten?

  • Zum ersten Mal ist AfD-Fraktionschefin Alice Weidel bei einer Sommerakademie von Götz Kubitschek in Schnellroda zu Gast.
  • Der Ort gilt als „Oase” des radikalen AfD-„Flügels“.
  • Mit ihrem Schulterschluss zu Kubitschek will Weidel ihren Einfluss erhöhen.
Alexander Schierholz
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Schnellroda. Alice Weidel fühlt sich sichtlich wohl im Zentrum der Neuen Rechten in Schnellroda (Sachsen-Anhalt). „Es ist ein schönes Gefühl, hier zu sein“, sagt sie in einem Youtube-Video von Götz Kubitscheks Institut für Staatspolitik. „Die Leute sind aktiv, die sind wissbegierig. Man hat so eine gewisse Dynamik, das gefällt mir recht gut.“

Am Freitagabend referierte Weidel auf der Sommerakademie des Instituts über „Politik in Berlin“. Ihr Vorredner war der sächsische AfD-Europaabgeordnete Maximilian Krah. Journalisten waren zu der Veranstaltung nicht zugelassen. In dem Video ist Weidel im angeregten Gespräch mit dem Vordenker der Neuen Rechten, Götz Kubitschek, zu sehen. Den Institutsleiter Erik Lehnert duzt sie.

Weidel zu Gast im Machtzentrum des AfD-„Flügels“

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Schnellroda und Götz Kubitschek – das ist das Machtzentrum des radikal rechten „Flügels“ der AfD. Schon mehrere AfD-Politiker waren in Schnellroda zu Gast, die entweder dem „Flügel“ angehören oder nahestehen. Etwa Weidels Co-Fraktionschef im Bundestag, Alexander Gauland, Thüringens Landeschef Björn Höcke, Brandenburgs AfD-Führer Andreas Kalbitz. Nun also Weidel. Kubitschek sei „eine sehr wichtige Figur für das rechtskonservative Spektrum unserer Partei – auch wenn er nicht Mitglied der AfD ist“, hatte sie im August gesagt. Eine Anfrage zu ihrem aktuellen Besuch lässt sie unbeantwortet. Auch Kubitschek will sich nicht äußern.

Ausgerechnet Weidel. Die den Kubitschek-Vertrauten und Partei-Rechtsaußen Höcke noch im Februar 2017 aus der Partei werfen lassen wollte. Sie hatte damals ein Ausschlussverfahren des Bundesvorstandes gegen den Thüringer unterstützt. In diesem Sommer dann soll Weidel mit Höcke, vermittelt durch Kubitschek, eine Art Nichtangriffspakt geschlossen haben, was sie allerdings dementiert.

Seit einem Jahr sucht Weidel die Nähe zu Kubitschek

„Der ,Flügel’ ist im Osten das Machtzentrum der Partei“, sagt Szenebeobachter David Begrich. Wer bei seinen Anhängern punkten wolle, müsse Schnellroda als Bühne nutzen. Weidel wisse das. Dass Kubitschek ihr sogar dabei helfen könnte, den „Flügel“ in Schach zu halten, hat sie bereits vor einem Jahr gesehen. Da hatten Höcke, Kalbitz und andere einen „Trauermarsch“ in Chemnitz organisiert, Seite an Seite mit Pegida-Vertretern und Rechtsextremen. Kubitschek kritisierte das scharf. Die AfD solle nicht selbst auf die Straße gehen. Das war genau Weidels Linie.

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Götz Kubitschek, Verleger, Publizist und politischer Aktivist der Neuen Rechten, soll Weidel und Höcke zusammengebracht haben.

Das Institut für Staatspolitik gilt als eine Art Ideologie- und Taktiktankstelle für den rechten „Flügel“ der AfD, sein Mitbegründer Götz Kubitschek als Vordenker der rechtsintellektuellen neurechten Szene. Die Verbindungen sind eng: Höcke hat mal gesagt, er sei mit Kubitschek befreundet, Schnellroda hat er eine „Oase der geistigen Regeneration“ genannt.

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Die Neue Rechte sucht eine Partei als „Transmissionsriemen“

Die AfD und die Neue Rechte – nach den Erfolgen der Partei bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg demonstrieren sie den Schulterschluss. In Teilen der neurechten Szene habe lange Zeit Skepsis gegenüber Parteien geherrscht, sagt Szenebeobachter David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus in Magdeburg.

Mittlerweile werde die Partei aber mit kritischem Wohlwollen begleitet. Das Milieu suche nach einem politischen Akteur, der zum „Transmissionsriemen“ seiner Inhalte werden könne, sagt Begrich. Kubitschek sieht in seinem Blog angesichts der jüngsten Wahlerfolge der AfD sogar schon eine „politische Wende in Deutschland“ heraufziehen.

Das „patriotische Zentrum“ in Halle gilt als gescheitert

Und er streckt seine Fühler weit aus: Die Onlineplattform „Ein Prozent“, die einen neurechten Blog betreibt, hat er mitbegründet. Das Institut für Staatspolitik hat zeitweise ein Büro im Haus der rechtsextremen Identitären Bewegung in Halle unterhalten. Ob die Außenstelle noch existiert, ist unklar; Einladungen zu Veranstaltungen des Instituts in Halle sind schon länger nicht bekannt geworden.

Ohnehin ist es in der Öffentlichkeit still geworden um das, so die Eigenwerbung, „patriotische Zentrum“. Schon im April hatte einer der maßgeblichen Akteure aus der Anfangsphase des Hausprojekts, der heutige hessische AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Lichert, eingeräumt, außerhalb der eigenen Klientel erreiche man kaum Publikum. Der Magdeburger Rechtsextremismusexperte David Begrich sieht die Identitären als „jugendkulturelles Projekt“ gescheitert. „Aber als Durchlauferhitzer für die Rekrutierung von Nachwuchskadern sind sie erfolgreich“, sagt Begrich.

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Die neuen großen Landtagsfraktionen brauchen jede Menge Mitarbeiter

Das könnte nun, nach den Wahlen in Sachsen und Brandenburg, von Belang werden. Für ihre neuen großen Landtagsfraktionen braucht die AfD in Dresden und Potsdam reihenweise Mitarbeiter, darauf weist auch Kubitschek in seinem Blog hin. Er schreibt dort, zum Glück werde es keine Koalitionsverhandlungen geben. Das bedeute weitere geschenkte Jahre. Er meint wohl: So könne die Partei sich in Ruhe aufs Regieren nach den nächsten Wahlen vorbereiten.

Weidel tut gerade alles dafür, dann sehr weit vorn in der Parteihierarchie zu stehen. Am Dienstag wählt zunächst die Bundestagsfraktion einen neuen Vorstand. Das Führungsduo Gauland/Weidel tritt erneut an. Gegenkandidaten gibt es nicht.

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