Was Sie über den neuen Pflege-TÜV wissen müssen

  • Seit Jahren wird beklagt, dass die bisherigen Pflegenoten zur Einschätzung der Qualität von Pflegeheimen nicht die tatsächliche Situation widerspiegeln.
  • Nun werden sie durch ein neues System abgelöst.
  • Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur runderneuerten Qualitätsprüfung.
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Berlin. Spätestens Ende 2020 werden für die rund 13.000 Pflegeheime in Deutschland neue Qualitätsberichte vorliegen. Sie sollen Pflegebedürftigen und deren Angehörigen helfen, eine geeignete Einrichtung zu finden.

Warum waren die bisherigen Pflegenoten ungeeignet?

Bisher konnten Pflegeeinrichtungen auch dann eine gute Gesamtnote bekommen, wenn sie in Kernbereichen der Pflege schlechte Qualität boten, etwa bei der Versorgung der Pflegebedürftigen mit Flüssigkeit und Nahrung oder bei der Verhinderung des Wundliegens. Das war möglich, weil die schlechten Einzelnoten durch gute Bewertungen in weniger wichtigen Bereichen („Gibt es im Pflegeheim jahreszeitliche Feste?“) ausgeglichen werden konnten. Während der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) regelmäßig Missstände in der Pflege anprangerte, zeigten die Pflegenoten eine heile Welt. Der bundesweite Durchschnitt pendelte sich bei einem unrealistisch guten Wert von 1,2 ein.

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Wie funktioniert das neue Prüfsystem?

Die Pflegenoten werden abgeschafft. An ihre Stelle tritt ein umfassender Prüfbericht, der aus mehr als 30 Qualitätskriterien besteht. Zusätzlich können die Pflegeheime freiwillige Angaben machen, etwa zur Höhe des Eigenanteils, zur Personalausstattung oder zur Größe der Zimmer.

Welche Qualitätskriterien gibt es?

Hier gibt es zwei Bereiche: Eine reine Datenerfassung und eigene Kontrollen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK): Künftig müssen die Pflegeheime halbjährlich zu 15 Kriterien die Daten von allen Bewohnern melden. Dabei wird zum Beispiel erfasst, wie viele Heimbewohner sich wund gelegen haben, gestürzt sind oder unbeabsichtigt stark an Gewicht verloren haben. Diese Werte werden durch eine zentrale Datenstelle auf Plausibilität geprüft und anschließend mit allen anderen Einrichtungen verglichen. Dieser Vergleich wird für alle Kriterien in Form einer Skala mit maximal fünf Punkten (von „weit über dem Durchschnitt“ über „nahe beim Durchschnitt“ bis „weit unter Durchschnitt“) veröffentlicht.

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Was kontrolliert der MDK?

Der MDK überprüft zusätzlich vor Ort mit einer Stichprobe bei neun Bewohnern je Heim, wie die Versorgung im Einzelfall ist. Erfasst werden 16 Kriterien. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie die Heimbewohner beim Essen, Trinken, Waschen oder dem Toilettengang unterstützt werden. Gibt es eine systematische Schmerzerfassung? Hilft die Einrichtung bei der Gestaltung des Alltagslebens? Zudem führen die Kontrolleure Gespräche mit den Pflegekräften. Diese Informationen werden für jedes Kriterium auf einer vierstufigen Skala dargestellt, die von „keine oder geringe Qualitätsdefizite“ bis „schwerwiegende Qualitätsdefizite“ reicht. Die Kontrollen werden zwar einen Tag vorher angemeldet, die Heime wissen aber nicht, welche Bewohner der MDK auswählt.

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Welche Vor- und Nachteile hat das neue Verfahren?

Wer herausfinden will, wie gut ein Heim ist, muss sich künftig durch mehr als ein Dutzend Seiten kämpfen. Die Menge an Informationen geht zulasten der Übersichtlichkeit. Das ist die Konsequenz aus der Erkenntnis, dass eine einzelne Note für ein derart komplexes Thema wie die Pflegequalität ungeeignet ist. Patientenschützer beklagen allerdings, dass es bei den Kriterien keinerlei Gewichtung gibt. Sie fordern, dass insbesondere Qualitätsdefizite bei Schmerztherapie, Wundversorgung, dem Umgang mit Fixierungen oder der Medikamentengabe auf den ersten Blick erkennbar sein müssen. Wer als Nutzer weiß, dass diese Kriterien besonders relevant sind, findet die Informationen im neuen System aber leichter als bei den alten Pflegenoten.

Wann startet das neue System?

Die Datenerhebung beginnt in diesen Tagen und wird Mitte 2020 komplett für alle Heime vorliegen. Die MDK-Prüfungen nach dem neuen Verfahren starten im November. Bis Ende 2020 muss jedes Heim einmal geprüft worden sein. Die Informationen werden dann schrittweise auf den Pflegeheimportalen der Krankenkassen veröffentlicht.

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