Was kommt nach dem guten Sommer?

  • In Deutschland herrscht Impfeuphorie, denn die Zahl der Geschützten steigt täglich an.
  • Doch ein Blick in die USA zeigt: Impfverweigerer könnten noch zu einem Problem werden.
  • Leider haben die Verantwortlichen das Vorausschauende in der Pandemie zu häufig vermissen lassen.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

monatelang haben wir neidisch auf die USA geblickt: Corona-Impfungen im Supermarkt, ein Piks im Drive-in – davon schienen wir Lichtjahre entfernt zu sein. Jetzt herrscht auch in Deutschland Impfeuphorie, die Zahl der Geschützten steigt rasant. Ja, jeder Experte ist sich inzwischen sicher: Es könnte ein richtig guter Sommer werden. Und doch lohnt noch immer ein Blick in die USA. Dort wachsen die Impfkurven längst nicht mehr so steil, die Kampagne von Präsident Joe Biden stößt langsam an Grenzen. Es gibt offenbar mehr Impfskeptiker als gedacht: Trump-Anhänger, Afroamerikaner, die dem Gesundheitswesen misstrauen, und Menschen, die einfach nur Angst vor Nebenwirkungen haben.

Niemand weiß, wie groß die Zahl der Impfskeptiker oder Impfverweigerer in Deutschland ist. Aber es ist an der Zeit, die Frage zu stellen, was eigentlich auf den Supersommer folgen wird. Was geschieht, wenn es nicht genug Geimpfte gibt, um die viel beschworene Herdenimmunität zu erreichen? Was ist, wenn das Virus im Herbst noch einmal einen neuen großen Angriff startet? Viele Menschen, so scheint es, haben vielleicht gar nicht so große ideologische Bedenken gegen das Impfen. Aber sie haben es verlernt, Risiken vernünftig abzuschätzen.

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Die Politik müsste jetzt dringend die Zeit nach dem Sommer planen, doch das Vorausschauende haben die Verantwortlichen in der ganzen Corona-Zeit schmerzlich vermissen lassen. Doppelt Geimpfte bekommen gerade ihre Rechte zurück – doch niemand hat daran gedacht, wie sie ihren Impfschutz nachweisen können. Die weißen Aufkleber im gelben Impfpass können wohl kaum die Lösung sein, Fälschungen sind in großem Stil im Umlauf. Wieder sind wir auf einen Moment nicht gut vorbereitet, der seit Monaten absehbar war.

Vorsicht vor Fälschungen: der Impfpass. © Quelle: Sophia Kembowski/dpa

Ein ganz großer Schritt in der Krise wird an jenem Tag gemacht sein, an dem sich wirklich jeder Deutsche zum Impfen anmelden kann – wenn also jeder das Impfangebot der Bundesregierung annehmen kann. Wann aber wird es so weit sein? Noch herrscht Knappheit bei den Vakzinen, noch ist nicht klar, ob alle Lieferungen kommen.

RND-Hauptstadt­korrespondent Tim Szent-Ivanyi hat die Listen durchgesehen und beschreibt das Szenario für die nächsten Wochen. Vor allem auf die verlässlichen Zusagen von Biontech/Pfizer kommt es jetzt an. Mit diesem Vakzin könnten vom Sommer an auch Kinder ab zwölf Jahren geimpft werden – vorausgesetzt, die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) erteilt die Zulassung. Heute wird die EMA erste Hinweise auf die mögliche Genehmigung geben und die Impfkampagne insgesamt bewerten. Man darf gespannt sein, ob sie auch einen Ausblick auf die Zeit nach dem Sommer geben wird.

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Zitat des Tages

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Wir sollten stets so streiten, dass man sich auch danach noch in die Augen sehen kann.

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Wütende Bürger, wenig Schlaf, einbrechende Finanzen – und immer neue Vorgaben von Bund und Ländern. Für Bürgermeisterinnen und Bürgermeister ist die Corona-Pandemie eine besondere Belastungsprobe. Fünf Amtsträger berichten RND-Redakteurin Heike Manssen über ihre Erfahrungen in der Pandemie.

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Zahlreiche Jugendliche und deren Eltern werfen dem 1. FC Union Berlin vor, minderjährige Spieler schlecht zu behandeln und vor allem Kinder mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund zu benachteiligen. Das zeigen monatelange Recherchen der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ aus unserem Netzwerk.

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Termine des Tages

Besuch in Rom: Außenminister Heiko Maas besucht Rom. Im Vatikan stehen politische Gespräche inklusive einer Audienz bei Papst Franziskus auf seinem Programm. Außerdem trifft Maas den italienischen Außenminister Luigi Di Maio.

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Klimaschutz im Kabinett: Das neue Klimaschutzgesetz soll heute vom Bundeskabinett verabschiedet werden, noch in dieser Woche soll der Bundesrat darüber beraten. Zu dem Rekordtempo hatte das Bundesverfassungs­gericht in Karlsruhe den Gesetzgeber gedrängt.

Wer heute wichtig wird

Liz Cheney, prominente Kritikerin von Donald Trump in den Reihen der Republikaner, könnte heute ihr Amt in der Fraktionsführung im Repräsentantenhaus verlieren. Ex-Präsident Trump betreibt seit Monaten die Ablösung Cheneys von ihrem Posten als Nummer drei der Fraktionsführung. Er unterstützt die ihm gegenüber loyale Abgeordnete Elise Stefanik als Nachfolgerin. Mit Cheneys Ablösung wird fest gerechnet. Trump würde damit seine anhaltende Macht über die Partei demonstrieren. © Quelle: J. Scott Applewhite/AP/dpa
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