Warum RND.de heute im Zeichen des Regenbogens steht

  • Wenn Deutschland heute auf Ungarn trifft, darf das Stadion nicht die Farben des Regenbogens tragen.
  • Der Streit darüber zeigt, wie wichtig Symbole sein können.
  • Das Redaktions­Netzwerk Deutschland setzt ein Zeichen.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wir geben gern zu: Journalistinnen und Journalisten sind manchmal schnell dabei, dies oder das oder jenes als „Symbolpolitik“ abzutun. Wie wichtig Symbole jedoch sein können, zeigt sich dieser Tage besonders eindrucksvoll und verstörend zugleich. Die heftigen Reaktionen auf die Münchner Idee, die EM-Arena heute Abend beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in den Farben des Regenbogens leuchten zu lassen, das scharf kritisierte Verbot durch die Uefa und die widerliche Kritik aus Ungarn, dessen Ministerpräsident Viktor Orbán die Rechte und den Schutz von homosexuellen und transsexuellen Jugendlichen einschränken will, zeigen: Zeichen emotionalisieren und können Kraft entwickeln.

Der europäische Fußballverband begründet sein Verbot, das Stadion bunt leuchten zu lassen, mit seinen Statuten, die vorsehen, dass die Uefa „politisch und religiös neutral“ ist. Dies ist eine vertane Chance, denn was bitte sollte „politisch und religiös“ daran sein, ein Zeichen der Toleranz und der Vielfalt in die Welt zu senden? Die Gleichberechtigung ist kein politisches Statement, sie ist ein Menschenrecht.

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Das Verbot der Uefa gilt zum Glück nur für die Außenhaut des Stadions, nicht für das restliche Land. Direkt neben der Arena werden die Farben des Regenbogens erleuchten, landauf, landab haben Städte und Vereine angekündigt, ihre Solidarität mit der LGBTQI+-Community zu zeigen.

Auch das RedaktionsNetzwerk Deutschland macht mit.

Heute trägt unser Logo auf RND.de und unseren Profilen in den sozialen Medien die Farben des Regenbogens. Natürlich sind auch wir als Medium „politisch und religiös“ neutral – jedoch nicht, wenn es um Freiheit, Vielfalt und Gleichberechtigung geht. Dann möchten wir nicht neutral sein, sondern ganz klar auf der Seite derjenigen, die dafür sind, alle Menschen gleich zu behandeln und ihnen dieselben Rechte zu geben.

Genau dafür steht die Regenbogenfahne. Sie soll heute besonders deutlich auf dieses Ziel hinweisen.

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Zugleich sehen wir, dass auch im Regenbogen-Musterland nicht alles fein ist. Die Transfrau Julia Monro kämpft seit vielen Jahren um die Anerkennung ihres Geschlechts – und muss sich doch vor Gericht als Mann betiteln lassen. Kristina Dunz, stellvertretende RND-Hauptstadtbüroleiterin, hat sich mit ihr getroffen und beschreibt ihren Weg durch die Instanzen. Ihre Geschichte zeigt: Bis alles gut wird, braucht es leider noch mehr als ein paar Regenbogen-Tage.

Mein Kollege Andreas Niesmann kann die Entscheidung der Uefa übrigens nachvollziehen. Seine Argumentation: Die Lokalpolitiker in München hatten das bunte Symbol ausdrücklich als Missbilligung der als homophob empfundenen Reformen in Ungarn genannt – und damit sei es politisch geworden. Auch Niesmanns Meinungsbeitrag haben wir auf RND.de veröffentlicht; gedruckt ist er in unseren Netzwerktiteln „Leipziger Volkszeitung“ und „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ erschienen. Gelebte und selbstverständliche Meinungsvielfalt im RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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Wir wünschen Ihnen einen toleranten und weltoffenen Tag,

Ihr Marco Fenske

Chefredakteur RedaktionsNetzwerk Deutschland

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Zitat des Tages

Haben wir keine Insel, die wir besitzen? Was ist mit Guantánamo?

Donald Trump, damaliger US-Präsident, soll sich so im Februar 2020 im Weißen Haus geäußert haben. Trump soll zu Beginn der Corona-Pandemie erwogen haben, infizierte Landsleute nach der Rückkehr aus dem Urlaub zur Quarantäne nach Guantánamo zu schicken. Das berichtete die „Washington Post“.
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Empfehlungen

Bedrohlich: Mit der Ausbreitung der Delta-Variante hat sich das Infektionsgeschehen in Russland und vor allem in Moskau explosionsartig verschlechtert. Die Behörden kündigen neue Schutzmaßnahmen an, zuletzt bis hin zur Impfpflicht – der stehen die Russen besonders skeptisch gegenüber, berichtet unser Russland-Korrespondent Paul Katzenberger. Von einem Lockdown ist bislang aber nirgendwo die Rede.

Komisch: Wer Otto Waalkes vor sich hat, weiß nie so recht, wo die Grenze zwischen Künstler und Kunstfigur verläuft. Im Interview mit RND-Kinoredakteur Stefan Stosch sagt er dann auch: „Ich werde einfach nicht ernst genommen.“ Schlimm scheint der 72-Jährige das nicht zu finden, wie im Gespräch deutlich wird – darin geht’s auch um seinen neuen Film „Catweazle“, den Zauber der Bühne und Udo Lindenbergs Wasserbett.

Informativ: In der dritten Folge des RND-EM-Studios blicken wir auf alles, was Sie vor dem letzten Gruppenspiel der Deutschen noch wissen müssen.

Video
EM-Studio, Folge drei mit Rummenigge und Rafati: Deutsche Euphorie und Regenbogen-Eklat
13:46 min
In der dritten Folge des EM-Studios geht der Blick auf das letzte deutsche Gruppenspiel gegen Ungarn. Auch die Diskussion um den Regenbogen-Protest ist Thema.  © RND

Aus unserem Netzwerk: Impftermine abgesagt

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Immer mehr Menschen sagen offenbar die Termine für ihre Zweitimpfungen ab. In Niedersachsen sind zwischen April und Juni knapp 45.000 Personen nicht in den Impfzentren erschienen, in Mecklenburg-Vorpommern schwankt die Zahl der Absagen täglich zwischen 15 und 40 Prozent. Für das Phänomen könnte es jedoch mehrere Erklärungen geben, berichtet die „Neue Presse“.

Termine des Tages

Wie steht es um die Landwirtschaft? In Berlin beginnt der digitale Deutsche Bauerntag 2021. Bauernpräsident Joachim Rukwied spricht zu Beginn der Veranstaltung um 14 Uhr über die Sorgen und Forderungen der Landwirte. Kanzlerin Angela Merkel hält um 15.30 Uhr eine Rede. An einer anschließenden Podiumsdiskussion nimmt auch Unionskanzlerkandidiat Armin Laschet teil.

Wie teuer wird die Corona-Krise für den Staat? Bundesfinanzminister Olaf Scholz stellt in Berlin den Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2022 und den Finanzplan bis 2025 vor.

Was darf die internationale Sicherheit kosten? Der Haushaltsausschuss des Bundestages befasst sich mit dem milliardenschweren geplanten Luftkampfsystem FCAS. An dem Rüstungsprojekt gemeinsam mit Frankreich hatte es zuletzt viel Kritik gegeben.

EM-Spielplan

18 Uhr, Gruppe E: Schweden – Polen und Slowakei – Spanien

21 Uhr, Gruppe F: Ungarn – Deutschland und Portugal – Frankreich

Wer heute wichtig wird

Antony Blinken, Außenminister der USA, wird heute in Berlin erwartet. Neben einem Treffen mit seinem Amtskollegen Heiko Maas steht auch ein Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel auf dem Programm. Nach dem Neustart mit US-Präsident Joe Biden in der vergangenen Woche geht es nun darum, die deutsch-amerikanischen Beziehungen im Detail mit neuem Leben zu füllen. © Quelle: Saul Loeb/Pool AFP/dpa

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