Warum musste Brexit-Gegnerin Cox sterben?

Dieser Mord hat ganz Großbritannien geschockt: Die Brexit-Gegnerin Jo Cox ist durch die Hand des arbeitslosen Gärtners Thomas M. gestorben. War es die Tat eines Verwirrten oder trieben fremdenfeindliche Motive den 53-Jährigen an?

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London. Vor dem Londoner Strafgericht Old Baileys hat der Prozess wegen der Ermordung der britischen Abgeordnete und Brexit-Gegnerin Jo Cox begonnen. Angeklagt ist der 53-jährige arbeitslose Gärtner Thomas M. Der Mord geschah am 16. Juni – genau eine Woche vor dem historischen EU-Referendum. Die Staatsanwaltschaft geht von einem politisch motivierten Verbrechen aus. Die 41 Jahre alte Cox hatte sich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU stark gemacht.

Zum Prozessauftakt sagte der Staatsanwalt, der Angeklagte habe Cox in einer „feigen Attacke“ mit einer Schusswaffe und einem Messer ermordet. Ein 77-Jähriger Mann, der Cox zu Hilfe kommen wollte, wurde schwer verletzt.

Angriff während einer Bürger-Sprechstunde

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Die Bluttat hatte Großbritannien schockiert. Cox war während einer Bürger-Sprechstunde in ihrem Wahlkreis in der Nähe von Leeds attackiert worden. Der Angreifer soll „Britain first“ (Großbritannien zuerst) gerufen haben, er habe mehrere Schüsse abgegeben und auf sein Opfer eingestochen.

Die Mutter von Jo Cox erreicht den Gerichtssaal.

Bei einer ersten gerichtlichen Vernehmung sagte der Angeklagte auf die Frage, wie er heiße: „Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien.“ Die Untersuchungsrichterin hatte bereits vorher geraten, einen Psychologen hinzuzuziehen.

Die Polizei ging eigenen Angaben zufolge Hinweisen nach, dass der Angeklagte früher Kontakte zu einer Nazigruppe in den USA sowie zu einer Rassistenorganisation in Südafrika hatte. Andere Hinweise deuteten dagegen darauf hin, dass es sich bei ihm um einen Einzelgänger und eine verwirrte Person handeln dürfte.

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Brexit-Wahlkampf setzt aus

Der Brexit-Wahlkampf war nach dem Mord an Cox vorübergehend ausgesetzt worden. Es gab Vorwürfe, die aufgeheizte Stimmung habe die Tat begünstigt. Führende Politiker riefen zur Mäßigung auf; es dürfe keinen Hass und keine Ausgrenzung in der politischen Debatte geben.

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Cox hatte sich vor allem auch für die Rechte von Flüchtlingen eingesetzt – Einwanderung war eines der Hauptthemen im Brexit-Wahlkampf. Bei dem historischen Referendum Ende Juni votierten die Briten mit fast 52 Prozent dafür, aus der Europäischen Union auszutreten.

Von RND/dpa