Warum die Spiele weitergehen müssen

  • Heute Mittag werden die Olympischen Spiele in Japan feierlich eröffnet – in einem Stadion ohne Fans.
  • Bei vielen Menschen tendiert die Vorfreude in Richtung null.
  • Doch aus diversen Gründen gilt auch in diesen seltsamen neuen Zeiten das alte Motto: „The games must go on.“
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ach ja, Olympia.

Viele nehmen es fast widerstrebend zur Kenntnis. Aber es ist wahr: Die Sommerspiele in Japan – oft schon so zerredet, als hätten sie keine Chance mehr – beginnen heute. Ab 13 Uhr können Sie die feierliche Eröffnung verfolgen, die geprägt sein wird von einer Premiere ganz besonderer Art: einem Stadion ohne Fans.

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Drei Faktoren drücken diesmal die Vorfreude in Richtung Nullpunkt:

  1. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte auf sinkende Corona-Zahlen gehofft – doch sie ziehen gerade wieder an. Gestern stieg in Tokio die Zahl der Neuinfektionen sogar auf den höchsten Wert seit Januar.
  2. Auch auf eine wachsende gesellschaftliche Akzeptanz in Japan war gesetzt worden – stattdessen aber lehnt eine solide Mehrheit der diesjährigen Gastgeberinnen und Gastgeber die Spiele nach wie vor ab. In jüngsten Umfragen stieg der Anteil der Japanerinnen und Japaner, die die Spiele noch rasch absagen wollen, auf frappierende 78 Prozent.
  3. Die Kette von Skandalen rund ums IOC reißt nicht ab. Nur einen Tag vor der Eröffnungsfeier feuerten die Organisatoren den Kreativdirektor der Show, Kentaro Kobayashi. Zuvor war ein Video aus dem Jahr 1998 aufgetaucht, in dem der frühere Komiker Witze über den Holocaust macht.

Geht alles noch schlimmer? Eigentlich nicht.

Stellen wir uns an die Seite der Sportler

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Doch was soll’s? Wird irgendetwas besser dadurch, dass man diese große, die ganze Welt verbindende Veranstaltung abbläst?

Die alte Formel „The games must go on“ mag etwas knöchern klingen, sie hat aber in Wirklichkeit viel für sich. Auch und gerade in schwierigen Zeiten ist es ein gutes Signal, wenn Sportlerinnen und Sportler aus mehr als 200 Nationen der Erde zu einem friedlichen Wettstreit zusammenfinden.

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Gold-Volleyballerin im Jahr 2016, RND-Olympia­kolumnistin im Jahr 2021: Kira Walkenhorst.

Stellen wir uns doch an die Seite dieser jungen Leute und nehmen wir ihre Perspektive ein. Genau dies empfiehlt auch unser RND-Olympia­experte Fabian Hambüchen, der Reck-Olympiasieger von 2016. Er beschreibt in seiner heutigen Kolumne, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ticken. Das politische Drumherum ist für sie nicht so wichtig.

Im Mittelpunkt steht der Gedanke, dass es nun trotz allem endlich losgeht und man sich mit den anderen messen kann: „Gott sei Dank, dass die ganze Arbeit, das harte Training und der mentale Stress der vergangenen Jahre nicht umsonst waren.“ Als RND-Kolumnist wird sich Hambüchen bei uns mit Kira Walkenhorst ablösen, die vor fünf Jahren im Beachvolleyball Gold für Deutschland holte.

+++ Alle Infos zu den Olympischen Spielen finden Sie in unserem Liveblog. +++

Als RND-Reporter in Tokio ist Jens Kürbis, der bereits seine vierten Olympischen Spiele als Berichterstatter erlebt. Auch Kürbis weiß genau, wie Leistungssportlerinnen und ‑sportler ticken – er war selbst einer. Als Handballtorwart machte er insgesamt 39 Länderspiele (21 für die DDR, 18 für die Bundesrepublik) und nahm an zwei Weltmeisterschaften teil. Nach seiner aktiven Karriere wurde er Sportredakteur. Er arbeitet normalerweise für die „Lübecker Nachrichten“, einen der Partner im Redaktions­Netzwerk Deutschland.

Die leisen Retter aus den USA

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Nervös wurden die Olympiamanager auf den letzten Metern noch einmal, als der japanische Sponsor Toyota sich zurückzog. Als wesentlich verlässlicher erweisen sich jetzt diverse Konzerne aus den USA, die längst ihre Multi-Milionen-Dollar-Deals gemacht haben – und nun keine hässlichen Debatten mehr wollen, sondern schöne Bilder aus Tokio.

Werbemillionen sollen ein Bier sportlich erscheinen lassen: Goldsprinter Usain Bolt wurde von der US-Brauerei Anheuser-Busch unter Vertrag genommen. © Quelle: Anheuser Busch

Coca-Cola etwa ließ diesmal ein Lied komponieren, das das Miteinander von Menschen aus verschiedenen Erdteilen zelebriert. United Airlines will, anders als bisher geplant, zwar keine Reisen nach Tokio propagieren, aber doch mit hohem Aufwand generell „für die Rückkehr des Gedankens des Fliegens werben“, wie die „New York Times“ berichtet. Und die Megabrauerei Anheuser-Bush aus St. Louis, Missouri, will mit Goldsprinter Usain Bolt ihrem neuen Light-Beer Michelob Ultra ein cooles, sportliches Image verpassen.

Der US-Sender NBC zahlte dem Internationalen Olympischen Komitee angeblich 7,75 Milliarden Dollar für die Übertragungsrechte bis 2032. Für die Olympia­ausstrahlungen allein in diesem Jahr kassiert der Sender seinerseits bei rund 140 Werbekunden ab – und zwar so, dass für ihn selbst noch einiges übrig bleibt.

Auch in dieser munteren Szene sind sich alle Beteiligten einig: „The games must go on.“

Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".
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Zitat des Tages

Der Gedanke, dass das Virus aus einem chinesischen Labor entwichen sein könnte, widerspricht dem gesunden Menschen­verstand. Deshalb werden wir solche Untersuchungen nicht zulassen.

Zeng Yixin, stellvertretender Gesundheits­minister von China, zum Antrag der Weltgesundheits­organisation (WHO), Labors in China für eine internationale wissenschaftliche Untersuchung zu öffnen.

Leseempfehlungen

Nach der Flut steht vielen Betroffenen erst die eigentliche Nervenprobe bevor. Manchen hat das Wasser sowohl den Job als auch das Haus weggerissen. Wie lebt man jetzt weiter? „Das ist unsere Stunde null“, sagt ein Winzer aus Mayschoß in Rheinland-Pfalz – der jetzt in seinem Ort zum Krisenmanager wurde. RND-Chefreporter Thorsten Fuchs hat sich an der Ahr umgesehen und beschreibt Menschen, die leidgeprüft sind, aber auch stark.

Angela Merkel gab gestern ihre traditionelle große Sommer­presse­konferenz vor den Ferien. Es war die letzte Veranstaltung dieser Art mit ihr – nicht nur in dieser Legislaturperiode, sondern in ihrer gesamten Zeit als Kanzlerin. Merkel indessen ließ sich, da ist sie sich treu, nichts anmerken. „Sie hat ihre Gefühle im Griff“, schreibt unsere stellvertretende Berliner Büroleiterin Kristina Dunz in unserem heutigen Leitartikel. „Und so langweilig das vielen erscheinen mag, so sehr werden das noch viele vermissen: diese nach außen bewahrte Ruhe im Amt.“

Aus unserem Netzwerk: Jackpot für Brandenburg

Wochenlang wurde gerätselt: Wer hat den Lottojackpot geknackt und ist 48 Million Euro reicher? Jetzt hat sich die Rekordgewinnerin gemeldet, es ist eine zweifache Mutter aus Brandenburg. Erst mal will sie verreisen, berichtet die „Märkische Allgemeine Zeitung“. Und was will sie dann mit dem Geld machen? „Irgendwas wird mir schon einfallen“, sagt sie.

Termine des Tages

Die Europäische Arzneimittel­agentur gibt heute voraussichtlich grünes Licht für die Verwendung des Moderna-Impfstoffs für Zwölf- bis 17-Jährige.

In Erfurt stimmt der Thüringer Landtag über das von der AfD beantragte Misstrauensvotum gegen den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) ab.

In mehreren Städten, darunter Hamburg und München, demonstriert das Bündnis Fridays for Future für mehr Klimaschutz nach der Hochwasser­katastrophe.

Wer heute wichtig wird

Eine Weile hat er bundespolitisch den Ball flach gehalten, heute um 14 Uhr aber meldet er sich zurück: CSU-Chef Markus Söder will nach einer Klausur seines Parteivorstands bei einer Pressekonferenz in München erläutern, in welchen Punkten die CSU beim Bundestags­wahlprogramm andere Akzente setzen will als die CDU. © Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Podcast des Tages: „Eine Halbzeit mit …“

So viel Tradition, so viele prominente Gäste gab es im deutschen Unterhaus noch nie – Grund genug für eine Spezialausgabe der Spezialisten, Kommentator Wolff-Christoph Fuss und RND-Sportchef Heiko Ostendorp. Rhythmische Sportgymnastik, romantische Erinnerungen und einen Stargast gibt’s inklusive.

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Matthias Koch

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