USA

Warum Biden viele Schwarze hoffen lässt

  • Der Bürgerrechtler Jesse Jackson spricht von „phänomenalen“ Neuerungen in den USA.
  • Schon bei der Wahl ließ Kritik an Polizeigewalt besonders junge Weiße und Schwarze zusammenrücken.
  • Auch Bidens künftige Gesundheitspolitik zielt auf mehr Solidarität mit den Schwarzen.
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„Wie geht es Frau Merkel?“, fragt Jesse Jackson den Anrufer aus Deutschland gleich nach der Begrüßung. Man spürt sofort: Der Blick des 79-jährigen Bürgerrechtsveteranen und Baptistenpredigers reicht weit über den amerikanischen Horizont hinaus.

Jackson ist einer von zwei noch lebenden Augenzeugen des Attentats auf Martin Luther King am 4. Juli 1968 in Memphis. Er stand auf dem Parkplatz des Lorraine Motels, als die Ikone des gewaltlosen Protests auf dem Balkon erschossen wurde. Die beiden waren mit anderen Mitstreitern zum Abendessen verabredet und wollten demnächst los.

„Ja“, sagt Jackson, bis heute erinnere er sich an den Klang des Schusses: „Lincoln wurde umgebracht, King wurde umgebracht. Wer sich dem Frieden verpflichtet, der lebt riskant.“ Der Gedanke, dass ein Mann der Liebe, jemand, der sich um andere kümmerte, durch Hass getötet wurde, verfolgt ihn bis heute. Jedes Mal, wenn er daran denke, komme es ihm so vor, als ziehe man Schorf von einer Wunde.

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Jackson wollte der erste schwarze Präsident werden

Jackson versuchte 1984 und 1988, zwei Jahrzehnte vor Barack Obama, der erste schwarze US-Präsident zu werden. Beide Male scheiterte er im Vorwahlkampf der Demokratischen Partei. Bis heute ist er ein leidenschaftlicher Aktivist. Mit seiner Organisation Rainbow/Push kämpft er gegen die Unterdrückung von Minderheiten und ermutigt Benachteiligte zu politischem Widerstand. In seiner Kolumne in der Zeitung „Chicago Sun Time“ bietet er Nochpräsident Donald Trump regelmäßig Paroli. Er ist auch mit 79 noch immer eine wichtige Stimme im Kampf für Gerechtigkeit, den heute die Black-Lives-Matter-Bewegung anführt.

Wie damals erheben sich Bürger gegen die „kriminelle Ungerechtigkeit in Amerika“, sagt Jackson. Doch heute, anders als in den Sechzigern, sei die Bewegung vielfältiger, so bunt und gut vernetzt, dass sie nicht zu kontrollieren sei. Der Tod des Afroamerikaners George Floyd sei im Fernsehen und in den sozialen Medien in Echtzeit zu sehen gewesen. Sein Ersticken, diese Unmenschlichkeit, habe die Menschen weltweit erschüttert und mobilisiert.

„Einmal mehr wird die Hoffnung wiedergeboren“

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Was kann Black Lives Matter bewirken? Die Empörung über die unaufhörliche Polizeigewalt gegen Afroamerikaner habe viele, auch viele junge Leute, dazu gebracht, sich für die Präsidentschaftswahl registrieren zu lassen und schließlich für den Demokraten Joe Biden zu stimmen – und gegen Trump, sagt Jackson. Sogar in manchen Städten, in denen nur Weiße lebten: „Das ist phänomenal.“

Gleich nachdem sein Wahlsieg verkündet war, hat Biden eine neue Taskforce eingerichtet, um die chaotische Corona-Politik der Trump-Regierung zu beenden, unter der besonders die ärmeren Afroamerikaner leiden. „Eine neue Stimmung. Ein neuer Aktionsplan. Einmal mehr wird die Hoffnung wiedergeboren“, schrieb Jackson daraufhin in seiner Kolumne. Sein Fazit zum Vorgänger, der durch sein Verhalten die Ausbreitung des Virus noch verstärkt habe: „Trump hat nichts für Afroamerikaner getan, er hat ihnen Dinge angetan.“ Auf eines kann sich auch Hoffnungsträger Biden auf jeden Fall einstellen: „Wir marschieren weiter“, sagt Jackson, „als multikulturelle Bewegung.“

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