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Wahlkreis 84 Berlin-Treptow/Köpenick: Gysi will es noch einmal wissen

  • Mit 73 Jahren denkt Linken-Urgestein Gregor Gysi nicht ans Aufhören.
  • Sein Wahlkreis im Berliner Südosten ist ihm trotz prominenter Konkurrenz sicher.
  • Für die Linke könnte das noch lebens­wichtig werden.
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Berlin. Claudia Pech­stein hat zwei Ziele. Deutsch­lands erfolgreichste Winter­sportlerin will im Februar 2022, kurz vor ihrem 50. Geburts­tag, noch einmal an Olympischen Spielen teilnehmen. Die Eis­schnell­läuferin kämpft um die Qualifikation für die Winter­spiele in Peking.

Parallel dazu kämpft sie für die CDU um den Einzug in den Bundes­tag. Die Union hatte Pech­stein 2004 für die Bundes­versamm­lung nominiert, damals wählte sie Horst Köhler zum Staats­ober­haupt. Politisch trat sie danach nicht mehr in Erscheinung – bis die Berliner CDU in diesem Früh­jahr wegen der CDU-Masken­­affäre ein Problem bekam.

Direkt­kandidat Niels Korte war an einem Immobilien­unter­nehmen beteiligt, das im Frühjahr 2020 Schutz­masken für 90 Millionen Euro ans Gesund­heits­ministerium verkauft hatte. Korte gab seine Kandidatur auf. Die Situation schien hoff­nungs­­los. Mit Pech­stein fand die CDU in Treptow-Köpenick eine Prominente, geboren in Ostberlin, seit elf Jahren im Bezirk ansässig, die das Desaster vergessen machen könnte.

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Claudia Pechstein bei den Olympischen Spielen in Süd­korea: Solche Bilder kennt man von der Eis­schnell­läuferin. Bei der Bundes­tags­wahl 2021 kandidiert sie als Direkt­kandidatin der CDU.

Gysi gewinnt seit Jahren

Doch in der nicht olympischen Disziplin Wahl­kampf liegt in Treptow-Köpenick ein anderer ganz vorne: Linken-Urgestein Gregor Gysi holt den Wahlkreis seit 2005, immer unangefochten mit um die 40 Prozent der Erststimmen und 20 Prozent Abstand zum nächst­platzierten Kandidaten, der stets von der CDU kam. Was das in Metern auf der Eis­lauf­bahn bedeutet, hat sich Claudia Pech­stein bestimmt schon ausgerechnet.

Gysi ist inzwischen 73 Jahre alt, alle seine führenden Posten in Partei und Fraktion hat er abgegeben. Die Position als außen­politischer Sprecher der Links­fraktion im Bundes­tag hätte er aber schon gern wieder.

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Parteiencheck vor der Bundestagswahl: Die Linke
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Die Bundestagswahl steht an: Wir geben einen Überblick über das Parteiprogramm der Linkspartei für die kommende Wahl am 26. September.  © RND

Auch die Frequenz seiner Talk­show­auftritte nahm in den vergangenen Jahren ab, aber Gysi kann nicht ohne Publikum, und ein paar Lese- und Diskussions­touren reichen da nicht. Gysi braucht Wahl­kampf.

Und die Linke könnte Gysi und sein Direkt­mandat vielleicht noch dringender brauchen, als sie es jetzt wahr­haben will. In den Umfragen taumelt die Partei der Fünf-Prozent-Schwelle entgegen. Drei Direkt­mandate aber würden selbst bei deren Unter­schreiten für den Wieder­einzug reichen.

Dann gilt die „Grund­mandats­klausel“, von der die Vorläufer­partei PDS schon 1994 profitierte. Damals holte man bundes­weit nur 4,4 Prozent, aber im Ost­teil Berlins vier Direkt­mandate.

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30 Abgeordnete zogen in den Bundestag ein, da damit auch das Zweit­stimmen­ergebnis zählte. Gregor Gysi holte schon damals ein Direkt­mandat und saß der „Bundes­tags­gruppe der PDS“ vor.

Auch 2021 sieht es nicht nur in Treptow-Köpenick, sondern auch in den anderen Hoch­burgen Marzahn-Hellersdorf und Lichten­berg gut aus für die Linke. Die Geschichte könnte sich also wieder­holen.

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