Scholz in Kiel, von der Leyen unter Eichen

  • Langsam sollte der Bundestags­wahlkampf wirklich in Schwung kommen.
  • Die Zeichen dafür stehen gerade gar nicht schlecht.
  • Heute Abend steht für das RND ein besonderer Termin an.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Gummistiefel, „Plagiate“, Lacher im falschen Moment – wir erleben einen eigenartigen Wahlkampf. Aber vielleicht ist jetzt endlich die Zeit für sachliche Auseinander­setzungen gekommen, zumindest hätte ich drei Anzeichen dafür im Angebot:

Zeichen 1: Am Montag bekam Armin Laschet die Wut mancher Bürgerinnen und Bürger zu spüren: Als er die Katastrophen­gebiete in NRW besuchte, beschimpften ihn Anwohnerinnen und Anwohner. Gestern nun schaute Laschet ein weiteres Mal vorbei, aber nicht allein: an seiner Seite SPD-Mann und Finanzminister Olaf Scholz. Ein Zeichen dafür, dass es nun um schnelle, gemeinsame Hilfe gehen soll, nicht darum, im Schlamm des Hochwassers nach Stimmen zu fischen. Man wird die beiden beim Wort nehmen können.

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Zeichen 2: Für die Grünen müsste diese Wahl eigentlich ein Selbstläufer sein. Nie zuvor waren die Folgen des Klimawandels so sichtbar wie jetzt – in Deutschland, in Südeuropa und an vielen anderen Orten. Und die Grünen haben dieses Thema als einzige nennenswerte Partei immer ernst genommen. Trotzdem ruckelt der Wahlkampf, das zumindest tollpatschige Verhalten der Spitzenkandidatin Annalena Baerbock ist ein Grund dafür.

Gestern nun hat sie versucht, in die inhaltliche Offensive zu kommen. Gemeinsam mit Robert Habeck präsentierte sie ein „Klima-Sofortprogramm“ für die Zeit nach der Wahl. Ein Kernpunkt ist ein Klimaschutz­ministerium mit Vetorecht. Baerbock bezeichnete die geplanten Investitionen als „größtes Klimaschutz­programm, das dieses Land bisher gesehen“ habe. Manches Ziel ist ambitioniert, symbolträchtige Themen wie ein Verbot von Inlandsflügen sind in dem Plan aber nicht enthalten.

Insgesamt scheint die Präsentation des Programms aber vor allem für eines zu stehen: den Start der nächsten Wahlkampf­runde. „Der Auftritt von Annalena Baerbock und Robert Habeck, wirkt wie ein Neustart. (…) Es ist die Versicherung: Uns gibt es noch“, kommentiert mein Kollege Thoralf Cleven in seinem Leitartikel.

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Zeichen 3: Heute Abend – so viel Eigenwerbung sei erlaubt – beginnt auch für uns die heiße Phase des Wahlkampfs. In Kiel starten wir das Talkformat „RND vor Ort“. In der Reihe interviewen wir an Standorten unserer Partnerzeitungen die wichtigen Protagonisten des Wahlkampfs. Den Anfang macht Olaf Scholz.

Er ist gerade der Mann der Stunde – nicht, weil er besonders viel richtig macht, sondern weil er weniger falsch macht als Laschet und Baerbock. Wie er sich im Gespräch mit uns und unseren Leserinnen und Lesern schlägt, können Sie heute Abend von 18.30 Uhr an im Livestream verfolgen.

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Video
Die Kanzlerkandidaten zu Gast beim RND
0:28 min
Bei „RND vor Ort“ kommen die Kanzlerkandidaten der größten Parteien ins Gespräch mit Kristina Dunz und Eva Quadbeck.  © RND

Auf welcher Seite des Wahlkampfes Ursula von der Leyen steht, ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Als Laschets Parteifreundin dürfte sie dem Unions­kandidaten den Daumen drücken. Als Präsidentin der EU-Kommission ist sie einerseits überparteilich, anderseits wirkt ihr Programm wie das einer Grünen.

Matthias Koch und Damir Fras haben sie zu einem Sommerinterview getroffen, unter den alten Eichen von von der Leyens Elternhaus in Niedersachsen. Erlebt haben sie eine Frau, die derzeit nicht nur in Europa, sondern auch im Verhältnis zu den USA und China die einflussreichste Treiberin in Richtung Klimaschutz ist.

Das könnte auch mit ihrer ersten Enkeltochter zu tun haben, von der sie in dem Gespräch gleich als Erstes erzählt.

Gespräch im Grünen: Ursula von der Leyen mit RND-Chefautor Matthias Koch und Brüssel-Korrespondent Damir Fras. © Quelle: Michael Thomas

Zitat des Tages

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Ich habe einfach die Augen zugemacht, weil ich nicht zusehen konnte, wie es ausgeht. Das war ein schlimmer Moment.

Malaika Mihambo, Weitspringerin, hat Olympiagold gewonnen – musste vorher aber hoffen und bangen.

Leseempfehlungen

Vor einem Jahr kommt es im Hafen von Beirut zu einer schweren Detonation. Mehr als 190 Menschen sterben, der Hafen und die umliegenden Wohngebiete werden teilweise zerstört. Doch die Lage im Land hat sich laut der Hilfsorganisation Medair seither nicht gebessert – im Gegenteil. Wie es aktuell aussieht, hat RND-Autorin Alisha Mendgen aufgeschrieben.

­Noch immer hat die Ständige Impfkommission keine allgemeine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ausgesprochen. Dennoch wollen die Gesundheits­ministerinnen und ‑minister von Bund und Ländern die Impfangebote ausweiten. Dieses Vorgehen sorgt bei Eltern für Verunsicherung. Im Gespräch mit RND-Redakteurin Laura Beigel haben sie ihrem Ärger über das Vorgehen und die Diskreditierung der Stiko Luft gemacht.

Aus unserem Netzwerk: Panzersammler vor Gericht

Ein Waffensammler aus Schleswig-Holstein hat ein Geständnis abgelegt und darf auf Bewährung hoffen. Dem 84-Jährigen wurden Verstöße gegen das Kriegswaffen­recht vorgeworfen, wie die „Kieler Nachrichten” berichten. Außer diversen Waffen besaß er auch einen Panzer und eine Flugabwehrkanone aus dem Zweiten Weltkrieg.

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Termine des Tages

9.30 Uhr: Das Bundeskabinett kommt unter der Leitung von Olaf Scholz zusammen. Ein Thema ist die Aussetzung der Insolvenz­antrags­pflicht für Firmen, die an den Folgen der Hochwasser­katastrophe leiden.

10 Uhr: Auf einer Pressekonferenz veröffentlichen die Klima-Allianz Deutschland, German Zero und der Nabu einen Check zur klimafreundlichen Wahlentscheidung.

11 Uhr: SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil präsentiert die Wahlkampf­kampagne seiner Partei zur Bundestagswahl.

Der Tag in Tokio

10.45 Uhr: Bahnrad – Mannschafts­verfolgung der Männer

12.55 Uhr: Ringen – griechisch-römisch, Leichtgewicht der Männer

13 Uhr: 3000 Meter Hindernis der Frauen

14 Uhr: Finale im Springreiten

14.55 Uhr: Finale im 200-Meter-Sprint der Männer

23.30 Uhr: Freiwasserschwimmen über zehn Kilometer

+++ Alle Infos zu den Olympischen Spielen finden Sie in unserem Liveblog. +++

Wer heute wichtig wird

Kaum jemand gibt es zu, aber die TV-Quoten sprechen eine deutliche Sprache: Polit-Talkshows sind weiterhin sehr beliebt. Heute Abend kommt Sandra Maischberger mit ihrer Sendung aus der Sommerpause. © Quelle: ARD Das Erste/WDR/Markus Tedeski

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Christian Palm

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