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Wahlkampf in den USA: Wie Demokraten und Republikaner in der Corona-Krise vorgehen

  • Wenige Wochen vor den US-Wahlen bemühen sich Demokraten und Republikaner inmitten der Corona-Krise, die Bürger von ihrem Programm zu überzeugen.
  • Wie Präsident Trump verzichten viele republikanische Kandidaten auf die Einhaltung von Infektionsschutzmaßnahmen.
  • Ob die Rechnung aufgeht, zeigt sich im November.
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Washington. Für die Republikaner hat US-Präsident Donald Trump die Haltung im Wahlkampf klar vorgegeben: Großveranstaltungen sind kein Problem und können auch in Hallen stattfinden, Masken müssen nicht zwingend getragen werden. Die Demokraten, angeführt von ihrem Kandidaten Joe Biden, setzen dagegen auf kleinere Zusammenkünfte und hoffen, dass ihre Umsicht in Zeiten einer weltweiten Pandemie vom Wähler honoriert wird. Diese unterschiedlichen Vorgehensweisen spiegeln sich in Städten und Dörfern im ganzen Land wider, denn es geht im November nicht nur um das Weiße Haus, sondern auch um die Kontrolle über den Senat und das Repräsentantenhaus.

US-Wahlkampf: Corona wirbelt Spielregeln durcheinander

In den Vororten von Philadelphia möchte die demokratische Abgeordnete Madeleine Dean gern auf die Wähler zugehen, die sie in normalen Zeiten häufig umarmt. Darauf verzichtet sie zurzeit und trifft die Bürger meist online, um sich und andere vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Sie ist überzeugt, auch so erneut ins Repräsentantenhaus gewählt zu werden.

In Iowa wählt die republikanische Senatorin Joni Ernst den entgegengesetzten Weg. Sie hat gerade ihre jährliche Reise durch 99 Kreise in ihrem Staat beendet. Dabei trug sie meistens, aber nicht immer, eine Mund-Nasen-Maske und sprach nur vor Gruppen von mittlerer Größe. Einmal kamen sich die Teilnehmer für ein Foto jedoch deutlich näher als von Gesundheitsexperten empfohlen.

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Die Wähler werden im November entscheiden, welche Partei den richtigen Ansatz für den Wahlkampf gewählt hat. Das Coronavirus hat die Spielregeln für alle gleichermaßen durcheinandergebracht. “Es ist eine andere Welt”, beschreibt es die Abgeordnete Dean in einem Onlinegespräch mit Reportern. “Ich kann es nicht abwarten, wieder an Türen zu klopfen und auf Bahnhöfen direkt mit Menschen zu sprechen. Aber wir machen das Beste daraus.” Unterstützung bekommt sie von der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, die erklärt, die Entscheidungen der Wahlkampfteams seien “eine Frage von Leben und Tod”.

Video
Videoblog zur US-Wahl: Staaten in Flammen
4:54 min
Die Waldbrände im Westen der USA heizen den Wahlkampf an. Wie Trump und Biden damit umgehen, analysiert RND-Korrespondent Karl Doemens in seinem Videoblog.  © RND
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USA: Demokraten halten sich an Expertenempfehlungen

Dabei verändern sich auch die Einstellungen der Wähler. Im Juli ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur AP mit dem Umfrageinstitut NORC, dass 85 Prozent der Amerikaner größere Menschenansammlungen lieber meiden. Das erklärten 95 Prozent der demokratisch eingestellten und 75 Prozent der eher republikanisch wählenden Befragten. Im August gaben drei Viertel an, sie seien zumindest besorgt, dass sie oder ein Angehöriger sich infizieren könnte. Experten für öffentliche Gesundheit warnen, dass das Verhalten der Menschen darüber entscheide, ob die Zahl der Infizierten im Herbst deutlich ansteige oder nicht.

Die Wahlkampfleitung der Demokraten im Repräsentantenhaus (DCCC) fordert die Kandidaten auf, ein Vorbild für die Bürger zu sein. Die Wahlkampfteams seien Führungspersönlichkeiten in den Gemeinden, heißt es in einem Memo, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt. “Die Vorkehrungen für Sicherheit und Gesundheit sollten das widerspiegeln.” So ersetzen nun virtuelle Zusammenkünfte, Textbotschaften und Videokonferenzen die traditionellen Wahlkampfmethoden und den direkten Kontakt mit den Bürgern, der bisher als entscheidend galt, um die Wahlberechtigten an die Urnen zu bringen.

Das muss nicht einmal ein Nachteil sein. In Georgia erreicht Jon Ossoff, der sich für die Demokraten um einen Sitz im Senat bewirbt, mit seinen Onlineforen Tausende Menschen – mehr als er nach Aussagen seiner Berater mit traditionellen Methoden auf sich aufmerksam machen könnte.

Republikaner setzen auf direkten Wählerkontakt

Die Republikaner wollen dennoch nicht auf die klassische Wahlwerbung verzichten und sind eher geneigt, auf den Straßen direkt mit den Wählern zu kommunizieren. Zu ihnen gehört der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell. Er besuchte in seiner Heimat Kentucky im August rund 20 Gemeinden. Dabei trat er meist mit Maske auf. McConnell tritt im November gegen die ehemalige Kampfpilotin Amy McGrath von den Demokraten an.

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Im Senat wollen die Republikaner eine knappe Mehrheit von drei Sitzen verteidigen, während die demokratischen Kandidaten in einigen Staaten an Boden gewinnen. Dazu gehören Iowa, Colorado, Maine und North Carolina.

“Auch in diesen schwierigen Zeiten ist es meine Aufgabe, da zu sein und direkt mit den Menschen in Iowa zu sprechen”, erklärt Ernst nach ihrer Tour. Manche Bürger scheinen darauf nur gewartet zu haben. “Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft die Leute gesagt haben: ‘Sie sind meine erste menschliche Interaktion seit Monaten’”, berichtet Tim Phillips. Er leitet eine Spendenorganisation, die Geld für die Republikaner sammelt, und war auch selbst in einigen Staaten an den Haustüren aktiv. Etwa 18 Prozent der Eigentümer öffneten, das seien etwa so viele wie in Zeiten ohne Pandemie, sagt er.

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Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Pelosi, räumt ein, dass der direkte Kontakt mit den Bürgern in manchen Regionen sicher sei. Im Staat Maine, wo die Infektionszahlen niedrig sind, sind beide Parteien auf den Straßen aktiv. Die Abgeordnete Dean würde es in Philadelphia gern genauso machen, weil nichts den persönlichen Kontakt ersetzen könne. “Es ist sehr viel Energie da”, erklärt sie. “Unglücklicherweise ist sie vermischt mit Angst.”

RND/dpa

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