Wahlen in Mexiko und Peru: Tödliche Wahl, extreme Wahl

  • Vor der Wahl in Mexiko wurden fast 100 Kandidatinnen und Kandidaten ermordet.
  • Peru erwartet einen Urnengang der politischen Extreme, die eigentlich gar keiner will.
  • Lateinamerika steht vor einem spannenden Wahltag.
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Lima. Kurz vor Toresschluss präsentierte die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung in der peruanischen Hauptstadt Lima den venezolanischen Oppositionspolitiker Leopoldo Lopez aus seinem spanischen Exil. Dort warnte Lopez vor einem Szenario wie in Venezuela. Das marxistische Modell für das Linkskandidat Pedro Castillo stehe, sei eines von Hunger, Zerstörung der Wirtschaft und Arbeitslosigkeit. Lopez schaffte es damit sogar in die internationalen Agenturen und in die peruanischen Medien.

Die NGO Infostelle Peru verurteilte das als unmittelbare Einmischung in den Wahlkampf. Lopez war offiziell bei einem Forum, dass sich um die Bedrohungen von Demokratien drehte.

In Peru geht es am Sonntag um das Präsidentenamt

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Am Sonntag geht es um das Präsidentenamt in Peru. Zur Wahl stehen der Abtreibungsgegner und homophobe Marxist Pedro Castillo und Keiko Fujiomori, die rechte Tochter von Ex-Diktator Alberto Fujiomori, der wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen in Haft sitzt. Eines seiner schlimmsten Verbrechen: die heimliche Zwangssterilisierung von indigenen Frauen – offiziell zur Armutsbekämpfung.

Für zusätzliche Brisanz sorgte ein blutiges Attentat der linksgerichteten Guerilla-Organisation Leuchtender Pfad, die ähnlich wie Polizei und Armee für Tausende Tote in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts steht. Mindestens 16 Tote erschütterten das Land. Nun ist die Angst groß, dass egal welche der radikalen Kräfte gewinnt, die dunklen Kämpfe der Vergangenheit zurückkehren.

Beide Kandidaten gelten als extrem unbeliebt

Doch Peru-Experten warnen vor allzu vielen politischen Horrorszenarien. Denn eigentlich sind beide Kandidaten extrem unbeliebt. „In den Umfragen sagen weit mehr der Befragten, wen sie nicht wählen werden, als dass sie einen der beiden Kandidaten wählen wollen“, sagt Michael Huhn, Länderreferent für Peru beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.

Pedro Castillo, Kandidat der Partei Perú Libre, konnte sich im ersten Durchgang mit gerade mal 19,09 Prozent der Stimmen als stärkste politische Kraft für die Stichwahl qualifizieren. Rivalin Keiko Fujimori von der Partei Fuerza Popular reichten sogar 13,35 Prozent.

„Die wichtigere der beiden Wahlen, die des Parlamentes, ist aber bereits erfolgt, übrigens bei weit weniger Aufmerksamkeit im Ausland als bei der anstehenden Stichwahl des Präsidenten, da eine personalisierte Wahl medial wirksamer ist. Wer auch immer gewählt werden wird: Sie oder er wird sich mit dem Kongress, der mächtiger ist als der Präsident, arrangieren müssen“, sagt Peru-Experte Huhn. Perus Hinwendung zum Populismus ist vor allem durch die unsägliche Korruption gespeist, in die die letzten Präsidenten allesamt verwickelt waren.

In Mexiko steht der Superwahlsonntag an

In Mexiko stehen am Superwahlsonntag rund 20.000 Ämter im ganzen Land auf dem Spiel.

„In den letzten Jahren haben sich die großen Kartelle, die zuvor die Kriminalität im Land organisiert haben, aufgeteilt und sind in kleinere Gruppen zerfallen“, heißt es in einer Analyse des Thinktanks Crisis Group zu Mexiko.

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Für Mexikos Präsident Andres Manuel Lopez Obrador ist es zur Halbzeit seiner Amtszeit ein wichtiger Stimmungstest. Sein Versprechen, die Kriminalität und Gewalt im Land zu bekämpfen, ging bislang nicht auf. Zudem leidet das Land unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie.

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