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Geopolitische Neuausrichtung

Präsidentschaftswahlen in Südkorea: nur das kleinere Übel

Stimmzettel werden am Mittwoch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ausgezählt.

Stimmzettel werden am Mittwoch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ausgezählt.

Peking. Es ist das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen geworden: Bisher lagen die zwei führenden südkoreanischen Präsidentschaftskandidaten nahezu gleichauf. Nur mit einem hauchdünnen Vorsprung führte der linksgerichtete Lee Jae-myeong von der regierenden „Demokratischen Partei“.

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Ihm gegenüber steht der stramm konservative Yoon Suk-yeol, ein politischer Quereinsteiger. Doch wenn man sich dieser Tage unter Südkoreanern umhört, dann hatte man ohnehin lediglich die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Trotz Korruption und Anschuldigungen: 77 Prozent gehen zur Wahlurne

Tatsächlich war der Wahlkampf der letzten Tage der polarisierendste und schmutzigste seit der Demokratisierung des Landes 1987. Die Kampagnen von Lee und Yoon waren von Korruptionsskandalen überschüttet, zudem teilten beide mit Anschuldigungen unterhalb der Gürtellinie aus. Inhaltlich hingegen konnte keiner der zwei Kandidaten glänzen.

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Von daher ist es umso erfreulicher, dass die Wahl trotz allem 77 Prozent aller Wahlberechtigten zum Urnengang motivieren konnte. Laut der nationalen Wahlkommission haben über 34 Millionen Koreanerinnen und Koreaner ihre Stimme abgegeben.

Und das, obwohl die Omikron-Infektionen derzeit auf Rekordniveau liegen. Über 340.000 Ansteckungen wurden zuletzt pro Tag gezählt. Damit liegt die vielleicht größte Leistung des scheidenden Präsidenten Moon Jae-in der vergangenen zwei Jahre in Scherben: Schließlich hat der 69-Jährige sein Land zuvor kompetent durch die Pandemie geführt. Die Sterberaten lagen deutlich unter denen europäischer Länder, dabei hatte Südkorea nie einen flächendeckenden Lockdown verhängt.

Die Wahl dürfte richtungsweisend sein – vor allem für die Außenpolitik

Doch das Land steht auch abseits der Pandemie vor schwerwiegenden Herausforderungen: Die Alterung der Gesellschaft schreitet rapide voran, die Geburtenrate sinkt von einem Rekordtief zum nächsten, und auch die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Vor allem aber machen der urbanen Jugend die immensen Immobilienpreise zu schaffen – ein Problem, das der amtierende Präsident Moon trotz staatlicher Regulierungen eher nur verschärft hat.

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Der Ausgang der südkoreanischen Präsidentschaftswahl wird auch über die eigenen Landesgrenzen hinaus Auswirkungen haben. Die geopolitischen Machtverhältnisse in Ostasien werden sich nachhaltig verändern. Der konservative Yoon möchte die Sicherheitsallianz mit Washington stärken und den Ton gegenüber dem nordkoreanischen Regime verschärfen. Gleichzeitig spricht sich der ehemalige Staatsanwalt für eine Wiederbelebung der Beziehungen zu Japan aus.

Lee hingegen steht für einen Annäherungskurs gegenüber Kim Jong Un, ja, er möchte dessen Regime gar mit zaghaften Wirtschaftskonzessionen für einen schrittweisen Abbau des Atomprogramms motivieren. Und auch in Bezug auf China will er polarisierenden „Antagonismus“ vermeiden. Die USA dürften dies mit Argusaugen beobachten.

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