Wahl in Argentinien: Strahlender Sieger mit großer Fallhöhe

  • Alberto Fernandez hat die Wahlen in Argentinien klar gewonnen.
  • Nun muss der linksgerichtete Politiker, der als Heilsbringer gefeiert wird, liefern.
  • Die Herausforderungen sind riesig.
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Buenos Aires. Kurz vor Mitternacht strömten die Menschen zum Obelisken: „Wir haben uns unser Land zurückgeholt“, sagt Fernando Rodriguez und stürzt sich in den Freudentaumel. Es sind ein paar Tausend Menschen gekommen, um den Sieg des linken Oppositionskandidaten Alberto Fernandez zu feiern. Es wird getrommelt, getanzt, gefeiert. Mit rund 48 Prozent hat sich Fernandez gegen den konservativen Amtsinhaber Mauricio Macri (40 Prozent) durchgesetzt. Ein klarer, aber kein vernichtender Sieg wie noch nach den Vorwahlen vor ein paar Wochen zu erwarten war, als die beiden Spitzenkandidaten satte 15 Prozent trennten.

Als das Wahlergebnis noch gar nicht feststand, kämpfte sich Alberto Fernandez im Auto von seiner Luxuswohnung im Nobelviertel Puerto Madero in Richtung Lager seiner Anhänger. Dutzende Reporter drückten die Kameras und Mikrofone durch das Seitenfenster. „Passt auf, Passt auf“, rief Fernandez angesichts des schier erdrückenden Chaos erschrocken. Es war ein Vorgeschmack auf das, was auf ihn nun zukommt. Ganz Argentinien und auch der Rest Lateinamerikas schaut in diesem Moment auf den neuen starken Mann im „Casa Rosada“, dem Regierungssitz in Buenos Aires.

Als Heilsbringer verehrt - doch die Herausforderungen sind riesig

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Fernandez wird von seinen Wählern als Heilsbringer verehrt. Er hat ihnen im Wahlkampf ein anderes, ein neues Land versprochen und zugleich auch eine Rückkehr zu alten Verhältnissen in Aussicht gestellt. “Vor vier Jahren haben wir gehört, dass sie gesagt haben, sie kommen nie wieder, aber wir sind über Nacht zurückgekehrt und wir werden besser sein“, rief Fernandez am Abend zu. Doch ab sofort werden keine populistischen Schlachtrufe mehr reichen, Fernandez muss Entscheidungen treffen.

Die Herausforderungen sind riesig: Es droht wieder einmal eine Hyperinflation, die argentinische Wirtschaft lahmt, er muss sich gegenüber der Linksdiktatur Venezuela und sich zu den umstrittenen Wahlen in Bolivien positionieren. Von nun an ist Fernandez nicht mehr Angreifer, sondern selbst angreifbar. Und er hat mit der unter Korruptionsverdacht stehenden Vize-Präsidentin Cristina Kirchner ein machtbewusstes Alphatier im Rücken, die auch ihre Ansprüche stellen wird. Diejenigen, die Fernandez nicht gewählt haben, werden genau hinsehen wie die nun vom Duo Fernandez/Kirchner personell bestückte Justiz mit den Korruptionsvorwürfen umgeht.

Was im allgemeinen Siegestaumel untergeht

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Fernandez hat die Messlatte hochgelegt und wird sich daran messen lassen müssen. Er will die Armut und den Hunger spürbar reduzieren. Rund 40 Prozent der Argentinier leben in Armut, diese Menschen erwarten dringend Hilfe. Die Armutsbekämpfung hatte der glücklose Macri auch schon versprochen. Dessen Wirtschaftspolitik ist gescheitert, er hat es nicht verstanden, die Bevölkerung für einen schmerzhaften Sparkurs zu gewinnen. Vor allem aber hat er nie einen Draht zu den armen Bevölkerungsschichten knüpfen können. Er hatte ihnen nichts anzubieten.

Im allgemeinen Siegestaumel gehen zwei Dinge fast unter: In der Hauptstadt Buenos Aires feierte der konservative Bürgermeister Horacio Rodriguez Larreta einen historischen Wahlsieg. Ihm wird nun eine wichtige Rolle als Oppositionsvertreter zufallen. Und mit den 40 Prozent ist der Sockel für eine gesunde Oppositionsarbeit gelegt, die magische 50 Prozent-Grenze hat Fernandez nicht überspringen können. Die Mehrheit der Argentinier hat Fernandez nicht gewählt.

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Wie antwortet Argentinien auf die langjährige Krise?

Argentinien braucht nun schnelle Antworten auf eine Krise, die bereits weit vor Macris Amtszeit begann. Noch am Abend meldete sich die Zentralbank zu Wort und versucht mit ersten Maßnahmen die Lage zu beruhigen. Das Land braucht das Geld ausländischer Investoren, das Kapital des Internationalen Währungsfonds, aber genau das betrachtet das Fernandez-Lager als Teufelswerk. Sie geben dem Neoliberalismus und dem Kapitalismus die Schuld.

Bleibt ein anderer Investor, der sich in Lateinamerika schon überall eingekauft hat: China. Peking stellt zum Beispiel keine Fragen, wenn es um die Förderung von klimafeindlichem Erdöl und Gas geht, oder den umweltfeindlichen Bergbau. Auch darauf will Fernandez weiter setzen. Er hat trotz Klimawandelaus aus wirtschaftlichen Gründen gar keine andere Wahl.