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Waffenruhe im Gaza-Konflikt in Kraft - sie hält zunächst

Palästinenser feiern in den Straßen von Gaza nach einem von Ägypten vermittelten Waffenstillstand.

Palästinenser feiern in den Straßen von Gaza nach einem von Ägypten vermittelten Waffenstillstand.

Tel Aviv/Gaza. Die Waffenruhe im Gaza-Konflikt zur Beendigung eines elftägigen brutalen Schlagabtausches zwischen militanten Palästinensern und Israel ist am frühen Freitagmorgen zunächst eingehalten worden. Auch zwei Stunden nach dem Beginn der Feuerpause um 2 Uhr (1 Uhr MESZ) wurden keine neuen Raketenangriffe auf Israel aus dem Küstenstreifen gemeldet.

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Auch die israelische Armee stellte ihre Angriffe ein. Beide Seiten warnten, sollte sich die Gegenseite nicht an die von Ägypten eingefädelte Vereinbarung halten, sei sie hinfällig.

Im Gazastreifen gingen Tausende Menschen erstmals seit Beginn der Kämpfe wieder ohne größere Angst auf die Straßen. Kämpfer feuerten aus ihren automatischen Waffen in die Luft und viele riefen „Allahu Akbar“ (Gott ist groß). Dieser Ruf schallte auch aus den Lautsprechern der Minarette der Moscheen in dem dichtbesiedelten und weitgehend abgeschotteten Gebiet.

Nach Waffenruhe mit Israel: Tausende Menschen feiern in Gaza

Nach dem brutalen Schlagabtausch zwischen militanten Palästinensern und Israel schweigen die Waffen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Bundesregierung haben die Waffenruhe im Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern begrüßt. „Das ist eine gute Nachricht. Jetzt muss es darum gehen, dass diese Waffenruhe auch respektiert wird, dass sie Bestand hat“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. „Wichtig ist jetzt auch, dass die humanitäre Hilfe für die Bevölkerung im Gaza-Streifen nun rasch weitergehen kann.“

Zudem solle weiter an einem substanziellen politischen Dialog gearbeitet werden, forderte die Bundesregierung nach den Worten von Seibert. Nur eine politische Zwei-Staaten-Lösung könne die Ursachen der Auseinandersetzung beheben. Dieses Ziel sollten alle Seiten weiter im Auge behalten.

Biden: Waffenruhe ist eine Chance für Fortschritte im Nahen Osten

Die Waffenruhe bietet nach Ansicht von US-Präsident Joe Biden eine „wirkliche Chance“, im Nahen Osten Fortschritte hin zu einem dauerhaften Frieden zu machen. Die USA stünden zusammen mit den Vereinten Nationen und anderen Partnern bereit, der Palästinensischen Autonomiebehörde mit humanitärer Hilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau zu helfen, sagte Biden am Donnerstag (Ortszeit) im Weißen Haus.

Biden zollte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu Respekt dafür, die Kampfhandlungen nun einzustellen. Zudem dankte er Ägypten für seinen Einsatz bei der Vermittlung der Waffenruhe. Es gebe nun eine wirklich Chance, in der Region Fortschritte zu erzielen, sagte Biden. „Ich bin der Meinung, dass Palästinenser und Israelis es gleichermaßen verdienen, sicher und geschützt zu leben und sich gleichermaßen an Freiheit, Wohlstand und Demokratie zu erfreuen.“

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Biden betonte, die US-Regierung habe sich in Dutzenden Gesprächen ebenfalls für eine Deeskalation eingesetzt. Er habe in den vergangenen elf Tagen allein sechs Mal mit Netanjahu gesprochen, zuletzt am Donnerstag nach der Bekanntgabe der Waffenruhe, sagte Biden.

UN-Chef begrüßt Waffenruhe im Gaza-Konflikt

UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte die Waffenruhe begrüßt. Er rufe alle Seiten auf, sich an die Vereinbarung zu halten, sagte Guterres am Donnerstag in New York. Nun müsse es um einen raschen Wiederaufbau und eine Wiederaufnahme von ernsthaften Gesprächen gehen, sagte der UN-Chef weiter. Die Vereinten Nationen würden Israel und die Palästinenser dabei unterstützen.

Die Europäische Union (EU) bot bereits am Freitag ihre Unterstützung bei der Suche nach einer dauerhaften Friedenslösung an. „Die Wiederherstellung eines politischen Horizonts für eine Zwei-Staaten-Lösung bleibt von größter Bedeutung“, erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Die EU wolle dafür auch ihr Engagement innerhalb des wiederbelebten Nahost-Quartetts ausbauen. Dieses besteht aus den USA, Russland, der EU und den Vereinten Nationen (UN). US-Außenminister Antony Blinken will in Kürze in die Region reisen, wie in Israel verlautete.

Hamas bezeichnet Waffenruhe als Sieg über Israel

Die Hamas bezeichnete die gerade erst ausgerufene Waffenruhe als Sieg über Israel . Der ranghohe Hamas-Funktionär Chalil Hajja sagte am Donnerstag in einer Rede vor Demonstranten in Gaza, Israel sei es nicht gelungen, die militärische Infrastruktur der Hamas zu zerstören. Die Kämpfer der Organisation schritten noch immer stolz durch die Tunnel unterhalb.

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Das israelische Militär hob indes die Sicherheitsbestimmungen für die Bevölkerung im Süden des Landes wieder auf. Die Menschen im Gebiet an der Grenze zum Gazastreifen waren vom Raketenbeschuss der islamistischen Hamas und ihrer Verbündeten besonders hart betroffen.

Allein am Donnerstag harrten sie die meiste Zeit des Tages in Luftschutzräumen aus. Grundsätzlich mussten sie sich auf Weisung der Armee gut elf Tage hindurch in der Nähe der Schutz bietenden Einrichtungen aufhalten.

Die Waffenruhe war am Vorabend vom israelischen Kabinett und von der Führung der Hamas in Gaza gebilligt worden. Beide Seiten warnten jedoch, dass sie hinfällig würde, sollte sich die Gegenseite nicht an die zugrundeliegende Vereinbarung halten. „Die Entscheidung, den Raketenbeschuss Israels wieder aufzunehmen, bleibt eine Option“, erklärte ein Sprecher der Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas, im islamistischen Fernsehsender Al-Aksa.

Im Gazastreifen strömten unmittelbar nach Inkrafttreten der Waffenruhe Tausende Menschen auf die Straßen. Inmitten von Ruinen machten sie ihrer Erleichterung über das Ende des Schreckens Luft. Sie zündeten Feuerwerkskörper, gaben Schüssen in die Luft ab und riefen „Allahu akbar!“ (Gott ist groß!).

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Maas zu Gast bei Netanjahu und Abbas

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte Israel seine Unterstützung zu, drang zudem auf einen baldigen Waffenstillstand.

In den Stunden vor der Verkündung der Waffenruhe hatte Bundesaußenminister Heiko Maas die Region besucht. Dabei stellte er sich erneut mit aller Deutlichkeit an die Seite des jüdischen Staats. „Für uns ist die Sicherheit Israels, genauso die Sicherheit aller Jüdinnen und Juden in Deutschland, nicht verhandelbar“, betonte er.

Maas schlugen von seinen israelischen Gastgebern Sympathie und Wohlwollen entgegen. Sein Kollege Gabi Aschkenasi sagte: „Ich danke ihm, dass er uns besucht in dieser Zeit, in einer Zeit, wo Raketen fallen.“

Die Visite des deutschen Politikers war aber eher Begleitmusik zu den hinter den Kulissen verlaufenen Bemühungen zur Herstellung der Waffenruhe. Entscheidend war der Beitrag der USA, des wichtigsten Verbündeten Israels.

Verheerende Folgen

Bei den gegenseitigen Angriffen waren 232 Menschen im Gazastreifen und 12 Menschen in Israel gestorben. Vor allem in dem ohnehin verarmten Küstenstreifen am Mittelmeer gab es durch israelische Bombardierungen enorme Schäden an Wohnhäusern und der Infrastruktur.

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RND/dpa/AP

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