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Himars, Panzerhaubitzen und Co.

Was haben westliche Waffen der Ukraine bisher gebracht?

Ein Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars (High Mobility Artillery Rocket System) fährt während eines Kampftrainings in der Hochwüste des Yakima-Training-Centers in Washington.

Ein Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars (High Mobility Artillery Rocket System) fährt während eines Kampftrainings in der Hochwüste des Yakima-Training-Centers in Washington.

„Himars“, ruft der ukrainische Sänger und Oberst Taras Borovok in seinem neusten Song, der auf dem Youtube-Kanal der ukrainischen Landstreitkräfte veröffentlicht wurde. Darin feiert er den gleichnamigen Mehrfachraketenwerfer aus den USA, mit denen die ukrainischen Streitkräfte den russischen Truppen empfindliche Gegenschläge zufügen konnten.

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Mindestens 20 russische Waffendepots haben die ukrainischen Streitkräfte mithilfe des Himars-Systems bereits zerstört, so Beobachter. Längst sind die US-Raketenwerfer zum Symbol für erfolgreiche Gegenangriffe geworden – sogar Tassen mit einem Bild des Waffensystems gibt es. Derzeit verfügt die Ukraine über acht Himars-Raketenwerfern aus den USA, in Kürze werden es zwölf, und bald sollen noch weitere Systeme von Deutschland und Norwegen dazukommen.

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„Die Kombination aus westlichen Waffenlieferungen, Aufklärungsinformationen und der Taktik haben dazu geführt, dass die Ukraine die russischen Angriffe aufhalten konnte“, erklärt Markus Reisner, Oberst des Generalstabsdienstes beim österreichischen Bundesheer. „Jetzt helfen die schweren Waffen, dass die Ukraine Zeit gewinnen und sich konsolidieren oder sogar Gegenangriffe beginnen kann“, sagt er im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Dort, wo die Ukraine westliche Waffen einsetzt, kann sie das Blatt immer häufiger wenden. Im Süden der Ukraine musste Russland seine Verteidigungsposten in den besetzten Gebieten verstärken, um eine Rückeroberung zu verhindern. Fotos und Satellitenbilder zeigen, wie die Stellungen in Mariupol, Saporischschja und Cherson mit Hunderten Soldaten und Ausrüstung aufgestockt werden. Unabhängig überprüfen lässt sich dies nicht. Bei lokalen Gefechten gerät Russland aber immer wieder in Bedrängnis und muss sich stellenweise ins Hinterland zurückziehen. Experten schreiben diesen Erfolg auch den Himars-Raketenwerfern zu.

„Finde ich zynisch“: Militärexperte widerspricht Forderungen nach Ende von Waffenlieferungen

Brigadier Philipp Eder, der die Abteilung Militärstrategie beim österreichischen Bundesheer leitet, plädiert für weitere Waffenlieferungen an die Ukraine.

„Diese Raketen zerstören russische Munitionsvorräte der Artillerie sowie taktische Hauptquartiere mit hochrangigen russischen Offizieren“, so der australische Militärstratege Mick Ryan. „Sogar Luftverteidigungssysteme haben sich als anfällig für diese Raketen erwiesen.“ Wenn die Ukraine auch weiterhin Russlands taktische Hauptquartiere zerstören kann, werde dies laut Ryan Auswirkungen auf die Organisation groß angelegter russischer Operationen haben.

Deutschland hat laut Analyse des „Ukraine Support Trackers“ des Kiel-Instituts für Weltwirtschaft bisher Waffen im Wert von 290 Millionen Euro an die Ukraine geliefert. Damit liegt die Bundesrepublik auf Platz sechs der größten Waffenlieferer, hinter Norwegen, Kanada, Großbritannien, Polen und den USA. Doch die Waffen aus dem Westen reichen laut Oberst Reisner nicht. „Die westlichen Waffenlieferungen decken nur 10 bis 15 Prozent des Bedarfs der Ukraine“, erklärt er. Wenn Waffen geliefert werden, dann kommen die nur Stück für Stück in der Ukraine an, so Reisner, und müssten erst gesammelt werden, um sinnvoll im Verbund eingesetzt zu werden. „Das passiert aber nur zu einem geringen Teil, weil schwere Waffen so dringend gebraucht werden.“ Für einen wirklich durchschlagenden Erfolg sei der Umfang der Waffenlieferungen zu gering.

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Am meisten haben der Ukraine die etwa 250 Kampfpanzer von Polen und Tschechien geholfen, erklärt der Experte. Sie werden vorrangig im Raum Charkiw und Cherson eingesetzt. Allerdings konnte er bereits Bilder verifizieren, wonach nicht wenige dieser Panzer zerstört oder von Russland erbeutet wurden. Einer der Gründe ist die fehlende Luftüberlegenheit, mit denen diese Panzer hätten geschützt werden können. Doch die Ukraine fliegt nur noch ungefähr 15 bis 20 Maschinen, so Reisner. Zu wenig, um auch nur einen kleinen Bereich des ukrainischen Luftraums zu verteidigen.

„Artillerie Uber“: Ukrainer verbessern Waffensoftware des Westens

Doch die ukrainische Armee hat gelernt, mit dem knappen Material so gut wie möglich auszukommen. Der neuste Clou: In Eigenregie haben ukrainische IT-Experten des Militärs eine Software entwickelt, mit dem sie die zwölf Panzerhaubitzen aus Deutschland und den Niederlanden viel effektiver einsetzen können als die deutsche und niederländische Armee. „Innerhalb einer halben Minute folgt das digitale Kommando und Schüsse fallen“, erklärt der stellvertretende Nato-Generalsekretär David van Weel in einem Interview. Zum Vergleich: Deutschland und die Niederlande brauchen laut van Weel „mindestens 20 Minuten“ dafür. Im Nato-Hauptquartier heißt die Software längst nur noch „Artillerie Uber“.

Die elektronische Kriegsführung hat nach Angaben des Militärexperten Franz-Stefan Gady längst einen so großen Einfluss in der Ukraine, dass sie die Geschwindigkeit von Operationen massiv verlangsamen oder beschleunigen kann. „Derzeit dominiert Russland die elektronische Kriegsführung“, sagt der Experte vom Londoner Institut für strategische Studien dem RND. Doch langfristig spiele die Zeit für die Ukraine. „Allerdings nur wegen der westlichen Unterstützung mit Munition, Waffenlieferungen, militärischen Geheimdienstinformationen, elektronischer Kriegsführung und Feindaufklärung.“

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Bei Wiederaufnahme von Friedensgesprächen: Moskau kündigt härtere Bedingungen an

Russland hat der Ukraine im Fall einer Wiederaufnahme von Friedensgesprächen härtere Bedingungen als zuvor in Aussicht gestellt.

Um die Ukraine von Gegenschlägen abzuhalten, gerät daher auch die elektronische Kriegsführung ins Visier der Russen. „Die Ukraine verliert eine sehr hohe Anzahl an Drohnen und muss auch viele weitere Verluste im Bereich der elektronischen Kriegsführung hinnehmen“, so Gady. Die russischen Streitkräfte können zum Beispiel durch Störsender ukrainische Drohnen ausschalten.

Die Russen setzen aber auch selbst auf Drohnen bei ihren Angriffen. Eine Taktik sei laut Oberst Reisner, die Wälder durch den Raketenbeschuss mittels Kampfhubschrauber (KA-52) und Erdkampfflugzeugen (SU-25) entlang der Front anzuzünden und so die Ukrainer ins offene Gelände zu treiben. „Dort können sie von Drohnen aufgeklärt und von der Artillerie bekämpft werden.“

Was der Ukraine wirklich helfen würde, betont Reisner, sind Fliegerabwehrsysteme, sodass sie ihren Luftraum wieder verteidigen kann. Denn die Russen fliegen immer wieder strategische Luftangriffe auf die Ukraine und zerstören laufend Treibstoffdepots und Werkstätten, in denen Panzer instand gesetzt werden. Deutschland hat zwar zugesagt, das Flugabwehrsystem Iris-T zu liefern. „Aber die Ukraine ist riesig und bräuchte Dutzende dieser Systeme“, so Reisner. Unter dem Schutz der Fliegerabwehr hätte die Ukraine aber eine gute Chance, eine erfolgreiche Gegenoffensive durchzuführen.

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