Waffenlager für Rechtsradikale: alte Kameraden

  • Durch Zufall deckten Ermittler in Österreich ein riesiges Waffenlager auf.
  • Damit sollte eine rechtsradikale Miliz in Süddeutschland aufgebaut werden. Der Drahtzieher Peter B. soll einschlägig vorbestraft sein.
  • Die Grünen fordern nun Aufklärung im Bundestag.
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München. Durch Zufall deckten Ermittler in Österreich ein riesiges Waffenlager auf. Den Ermittlern sei ein „massiver Schlag“ gegen die rechte Szene gelungen, erklärte der österreichische Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Samstag. Mit den Waffen sollte „möglicherweise eine rechtsradikale Miliz“ in Deutschland aufgebaut werden.

Eine Drogenlieferung aus Deutschland im Oktober habe die Polizei zu dem Netzwerk geführt, teilten die österreichischen Ermittler mit. Mit Erlösen aus dem Drogenhandel seien die gefundenen Waffen gekauft worden. Der Hauptverdächtige sei ein 53-jähriger vorbestrafter Österreicher, der mit mehreren Mittätern den Handel aufgezogen haben soll.

Nach RND-Informationen heißt der Mann Peter B. und ist bereits seit den 1990er-Jahren einschlägig bekannt. Durch B.s Strafakten ziehen sich Verurteilungen wegen „nationalsozialistischer Wiederbetätigung“, Drogen- und Waffenhandels. Er pflegt zudem Verbindung zu Rockerkreisen.

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Die Waffen sollen vom Balkan stammen und mit Drogengeld gekauft worden sein.

Die deutschen Grünen fordern nun Aufklärung im Bundestag. „Die erneut zutage getretene Militanz von Rechtsextremisten in Deutschland und Österreich ist in hohem Maße besorgniserregend“, sagte Fraktionsvize Konstantin von Notz dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

„Es steht der Verdacht im Raum, dass die rechtsextremistischen und -terroristischen Netzwerke von heute solche sind, die seit Jahrzehnten im Verborgenen bestehen. Sie rüsten weiter auf. Die Sicherheitsbehörden müssen diese Strukturen gemeinsam rückhaltlos aufklären, und zwar im Hinblick auf aktuelle Bedrohungen, aber auch bezüglich der Klärung zurückliegender Straftaten.“

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Notz kündigte an, die Razzia in Österreich und die Bezüge nach Deutschland am Mittwoch im Bundestags-Innenausschuss und im Parlamentarischen Kontrollgremium besprechen zu wollen.

Seehofer zeigte sich „schockiert“

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Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sei über die Ermittlungen informiert und habe sich im Gespräch mit Nehammer „zutiefst schockiert“ gezeigt, hieß es aus Österreich. „Die Behörden stehen im engsten Kontakt“, bestätigte eine Sprecherin des Innenministeriums am Samstag. „Wir nehmen die Situation sehr ernst. Die Tat und die Tathintergründe müssen jetzt restlos aufgeklärt werden.“

Nach Angaben der österreichischen Behörden wurden über 70 automatische und halb automatische Schusswaffen, Handgranaten, Wehrmachtsgegenstände wie Säbel und Helme sowie Munition im sechsstelligen Bereich sichergestellt. Bei den Waffen handelt es sich laut dem österreichischen Landespolizeipräsidenten Gerhard Pürstl um einen der „größten Funde der letzten Jahrzehnte“.

Bei einer Hausdurchsuchung am Mittwoch stellten die Ermittler nach eigenen Angaben Maschinenpistolen und Sturmgewehre samt Munition sicher. Bei einer weiteren Durchsuchung am Donnerstag sei ein Container mit Waffen, Munition und Sprengstoff gefunden worden. In einer Lagerhalle in Niederösterreich hätten die Ermittler am Freitag dann noch einmal rund 100.000 Schuss Munition und zahlreiche Langwaffen entdeckt.

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„Alles, was wir sichergestellt haben, würde hier gar nicht hineinpassen“, sagte Pürstl während der Pressekonferenz. Es handele sich um „schweres Gerät, mit dem man sehr, sehr viel Schaden anrichten“ könne, so Pürstl weiter.

RND/dpa/jps

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