Vorwahlen in Iowa: So kam es zum Chaos bei den US-Demokraten

  • Der Start in die US-Vorwahlen lief für die US-Demokraten chaotisch.
  • Die Bekanntgabe der Ergebnisse verzögert sich um Stunden.
  • Schuld ist eine hastig programmierte App, die die Abstimmung erleichtern sollte.
Pauline Rabe
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Die erste Vorwahl der Demokraten im US-Präsidentschaftsrennen hat mit einer Panne begonnen: Bei der Auszählung der Stimmen kam es zu massiven Problemen, wodurch sich die Bekanntgabe der Wahlergebnisse um Stunden verzögert. Die Partei kann die Resultate erst im Laufe des Dienstags veröffentlichen. Schuld ist eine neue App, die das komplizierte Verfahren des Caucus vereinfachen sollte. Diese aber funktionierte kaum.

US-Medienberichten zufolge hätten einige Wahlhelfer die App weder downloaden noch sich einloggen können. Die Demokratische Partei begründete die Verzögerung mit „Qualitätskontrollen“. Bei drei Datensätzen seien „Ungereimtheiten“ aufgetreten. Neben dem technischen System zur Erfassung der Resultate gab es demnach auch Fotos der Abstimmungsergebnisse sowie schriftliche Unterlagen. Ein Hackerangriff wurde von den Demokraten ausgeschlossen.

Für den Fall, dass die App nicht richtig funktionieren würde, sollten die Wahlhelfer die Ergebnisse per Telefon durchsagen. Doch auch das funktionierte kaum bis gar nicht. Die Leitung soll ständig besetzt gewesen sein, sagte der Demokrat Tom Courtney dem Hörfunknetzwerk National Public Radio.

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Neues System bei Vorwahl

Neu in diesem Jahr ist, dass die Gemeinden erstmals drei verschiedene Resultate übermitteln mussten. Bisher wurden nur die Endresultate bekannt gegeben, nicht aber die Zwischenergebnisse. Gefordert wurde das neue System von Bernie Sanders, nachdem die Vorwahlen 2016 zwischen ihm und Hillary Clinton sehr knapp ausgingen. Die drei Zahlen sollen nun besser abbilden, wie viele Wähler sich genau für einen Kandidaten entschieden haben.

Um die Auszählung und Übermittlung all der unterschiedlichen Ergebnisse zu beschleunigen, wurde im Vorfeld der Wahl eine App gebaut, die alle Zahlen der 1700 Caucus-Orte sammeln sollte.

Ein Teilnehmer des Iowa-Caucus hält einen Stimmzettel in der Hand. © Quelle: Sue Dorfman/ZUMA Wire/dpa
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Sicherheitsexperten aber hatten bereits zuvor bemängelt, dass die App zu hastig programmiert worden sei. Wie die „New York Times“ berichtet, soll die App kurzfristig in den vergangenen zwei Monaten entwickelt worden sein. Die US-Behörde für Cybersicherheit und Infrastruktursicherheit habe das Programm weder evaluiert noch abgenommen, sagte deren Direktor Christopher C. Krebs gegenüber der Zeitung.

Kritik kommt auch von den lokalen Vorwahlveranstaltern. Offenbar hatte es keine Schulungen zu der App gegeben, wie die „Washington Post“ schreibt.

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Demokraten nennen Programmierfehler als Grund

Inzwischen machten die Demokraten einen Programmierfehler für das Chaos verantwortlich. Die bisherigen Untersuchungen hätten ergeben, dass es bei der Eingabe der Daten aus den einzelnen Bezirken über eine App keine Probleme gegeben habe, hieß es am Dienstag in einer neuen Stellungnahme der Partei, über die US-Medien übereinstimmend berichteten. Schwierigkeiten seien aber bei der Meldung dieser Daten aufgetreten. Hintergrund sei ein Programmierfehler, der inzwischen behoben sei.

Die über die App eingegebenen und gesammelten Daten an sich seien jedoch korrekt und gültig, hieß es weiter. Die Auswertung laufe aber noch. Ziel sei es, die Ergebnisse "so schnell wie möglich" im Laufe des Dienstages zu veröffentlichen, erklärte die Partei - ohne aber einen genauen Zeitplan zu nennen. An erster Stelle stehe, die Integrität und Genauigkeit der Abläufe sicherzustellen.

Technologiefirma Shadow entwickelte App

Entwickelt wurde die App von der Technologiefirma Shadow im Auftrag der Demokratischen Partei. Diese investierte rund 60.000 Dollar Ende vergangenen Jahres in die Entwicklung.

Die Demokraten hatten US-Medienberichten zufolge zunächst versucht, den Namen der Firma geheim zu halten. Wer Shadow führt, wird auf dessen Website nicht angegeben.

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Die Demokraten werden sich weiter mit den technischen Schwierigkeiten beschäftigen müssen, denn Iowa ist nicht der einzige Bundesstaat, bei dem die Resultate der Vorwahl mittels einer App der Firma übermittelt werden sollen. Bei den demokratischen Caucus-Versammlungen in Nevada in zwei Wochen soll das ebenfalls geschehen.

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Rod Sullivan und Melissa Fath sind seit über 20 Jahren verheiratet. Beide sind Demokraten und leben im US-Bundesstaat Iowa.  © Pauline Rabe/AFP

mit dpa

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