Vorwahlen in Florida: Kommt nun das Aus für Bernie Sanders?

  • Vor den nächsten Vorwahlen der US-Demokraten steigt die Spannung.
  • Das Augenmerk liegt vor allem auf dem Swing State Florida.
  • Hier könnte am Dienstag eine wichtige Entscheidung fallen.
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Florida war nie als Ort der Stabilität bekannt, erst recht nicht in der Politik. Dennoch haben viele Demokraten hier nun Stabilität im Sinn, wenn sie ankündigen, bei der Vorwahl für Joe Biden statt Bernie Sanders stimmen zu wollen.

"Ich finde einige von Sanders' Ideen gut, aber er ist ein bisschen zu extrem für mich", sagt die 76-jährige Jeanne Hilburn, eine pensionierte Lehrerin aus einem Vorort von Tampa. "Viele Demokraten sind wie ich – wir wollen Stabilität."

Auf ihren Heimatstaat Florida richtet sich nun die Aufmerksamkeit, wenn hier am Dienstag ebenso wie in Ohio, Illinois und Arizona Vorwahlen stattfinden.

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Denn das Rennen um die demokratische Präsidentschaftsnominierung tritt in die vorletzte Phase ein: Der Wahlkampf von Senator Sanders steht kurz vor dem Kollaps, während sein Rivale, der frühere US-Vizepräsident Biden, im Aufwind ist.

Florida hat hohes Prestige

Florida verfügt über 219 Delegierte und damit mehr als alle anderen Staaten, in denen in der kommenden Woche gewählt wird.

Nur wenige US-Staaten haben bei Vorwahlen ein so hohes Prestige wie Florida. Es zählt seit 30 Jahren zu den begehrtesten Swing States, die zwischen Demokraten und Republikanern traditionell hart umkämpft sind.

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Für Präsident Donald Trump ist der Sunshine State besonders wichtig. Denn ohne die Stimmen von dort wäre eine Wiederwahl für ihn so gut wie unerreichbar.

Bidens Berater bauen auf Sieg

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Auch Bidens Berater bauen auf einen ausschlaggebenden Sieg in Florida. Denn dieser würde das Signal aussenden, dass Biden bessere Chancen hat, den Staat zu gewinnen und eine zweite Amtszeit Trumps zu verhindern.

2016 hatte der heutige Präsident hier seine Gegnerin Hillary Clinton um 1,2 Prozentpunkte geschlagen.

"Florida ist wie immer entscheidend für das Gesamtergebnis", sagt Nikki Fried, demokratischer Agrarminister des Staates und Biden-Unterstützer. "Wir sind der ultimative Swing State."

Der Rückhalt für Sanders war in Florida schon vor vier Jahren schwach. In der Vorwahl 2016 hatte er gegen Clinton fast im Verhältnis von zwei zu eins verloren. In diesem Jahr verärgerte Sanders den großen Wählerblock der Kubanoamerikaner, indem er Fidel Castro für die Umsetzung eines Alphabetisierungs-Programms in dem kommunistischen Land lobte.

Gruppen schließen sich zusammen

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"Es gibt nichts Positives zu sagen über die Zustände in Kuba", sagt Xavier Suarez, der erste von der Karibikinsel stammende Bürgermeister von Miami. "Wenn er das nicht versteht, ist es schwer vorstellbar, dass er überhaupt Stimmen bekommt."

Port Canavera in Florida. © Quelle: imago images/ZUMA Wire

Viele Demokraten aus Florida blicken daher schon über die Vorwahl hinaus auf November. Mehrere Gruppen haben sich zusammengeschlossen, um Wahlberechtigte dazu zu bewegen, sich zu registrieren und wählen zu gehen.

Eine der vier Organisationen, "Organizing Together 2020", wird von Agrarminister Fried geleitet. Die Gruppe will Mitarbeiter anheuern, Wähler registrieren, Freiwillige schulen und nach dem Parteitag im Juli alles an die Partei übergeben.

Corona könnte Wähler fernhalten

Eine weitere Gruppe ist der Sammelfonds “For Our Future”, der vor allem aus dem Wahlkampfapparat von Mike Bloomberg besteht.

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Eine hohe Beteiligung an der Vorwahl in Florida könnte die Demokraten hoffnungsvoll stimmen. Angesichts der hohen Zahl an Unabhängigen in dem Staat wäre es allerdings schwierig, Schlüsse für November zu ziehen.

Sicher könnte auch die Coronavirus-Pandemie einige Wähler von den Urnen fernhalten und so die Aussagekraft des Ergebnisses mindern.

Die Demokraten wissen um die Schwierigkeit, hier Wähler zu beeinflussen. Etwa 3,6 Millionen der insgesamt 13,6 Millionen Wähler in Florida sind als Unabhängige eingetragen. An der Vorwahl am Dienstag dürfen sie daher nicht teilnehmen, wohl aber an der allgemeinen Wahl.

Sehr konservativ oder sehr progressiv

"Florida ist ein interessanter Staat", sagt auch Rick Kriseman, der demokratische Bürgermeister der Stadt St. Petersburg in Florida. "Je nach Ort können wir sehr konservativ oder sehr progressiv sein."

Daneben gebe es auch starke gemäßigte und unabhängige Regionen. “Ich glaube, Biden wird bei den Demokraten und Unabhängigen hier gut abschneiden”, glaubt Kriseman. “Und bei Republikanern, die nach einer Alternative zu Präsident Trump suchen.”

Der frühe Vizepräsident Joe Biden. © Quelle: imago images/UPI Photo

Die wichtige Wählergruppe der Latinos ist den Demokraten indes alles andere als sicher. Vor allem von den fast zwei Millionen Einwohnern, die aus Kuba, Venezuela und Nicaragua mit ihren autoritären sozialistischen Regimen stammen, sind viele nicht gut auf linksgerichtete Politiker zu sprechen.

Umfragen zufolge bezeichnet sich ein Drittel der Kubanoamerikaner als Demokraten. Eine Mehrheit von 56 Prozent zeigt sich aber demnach mit der Amtsführung von Trump zufrieden.

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Joe Biden gewinnt in Missouri, Mississippi und Michigan
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Damit liegt er im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur nun deutlich vor Bernie Sanders.  © Reuters

Nächste Herausforderung von Biden

Falls Biden nominiert wird, würde auf ihn direkt die nächste Herausforderung warten: Er müsste die leidenschaftlichen Anhänger von Sanders auf seine Seite ziehen. Einige werden Biden womöglich die Gefolgschaft verweigern.

Der 24-jährige Student und Sanders-Unterstützer Nick Mora von der Florida International University will seinen Favoriten noch nicht aufgeben. "Sagen wir einfach, dass Joe Biden nicht dieselben politischen Vorschläge macht wie Bernie", sagt er. "Ich habe das Gefühl, dass die progressive Bewegung niedergedrückt wird."

Wenn die Mehrheit in Florida für Biden stimme, könne er nicht mehr viel dagegen tun. “Deshalb versuchen wir weiter, bis zum Ende zu kämpfen”, sagt Mora.

RND/cle/AP

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