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Vorstand Otte zu den Austritten aus der Werteunion: „Das sind verletzte Eitelkeiten“

  • Nach der Wahl des Ökonomen Max Otte zum Vorsitzenden der Werteunion treten immer mehr Mitglieder von ihren Posten zurück oder verlassen den Bundesverband.
  • Der Bundeschef selbst zeigt sich davon nicht beunruhigt.
  • Er gehe davon aus, dass die Werteunion gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen werde.
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Berlin/Stuttgart. Die ultrakonservative Werteunion zeigt nach der umstrittenen Wahl des Ökonomen Max Otte zum neuen Bundeschef immer stärkere Auflösungserscheinungen. Nach den Landesvorständen in Hessen und Rheinland-Pfalz trat auch in Baden-Württemberg fast die gesamte Führung aus Protest gegen Ottes Kurs zurück.

Die bayerische Werteunion verließ nach Angaben ihrer Vorsitzenden den Bundesverband und gründete eine neue Plattform unter dem Namen „Konservativer Aufbruch für Werte und Freiheit“. Auch der bisherige Landesvorstand im Südwesten plant, ein neues Netzwerk zu gründen. Die Verbände werfen Otte vor, die Werteunion nach rechts rücken und zur AfD hin öffnen zu wollen. Der 56-jährige Otte reagierte gelassen und geht davon aus, dass die Werteunion gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen wird.

Otte gibt sich unbesorgt

Der Ökonom sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich möchte das richtigstellen: Weder der Landesverband in Bayern noch der in Baden-Württemberg ist ausgetreten. Es sind Vorstände und Funktionäre ausgetreten.“ Es handele sich um „Hinterzimmerpolitiker, die meine Wahl nicht anerkennen wollen. Das sind verletzte Eitelkeiten.“

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Rechtlich gesehen gehörten die Mitglieder zum Bundesverband und nicht zu den Landesverbänden. Otte sagte, Ein- und Austritte hielten sich die Waage, die Mitgliederzahl liege bei über 4000.

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Die Werteunion sieht sich als Vertretung der konservativen Strömung in der Union, ist aber keine offizielle Parteigliederung. Die CDU hat insgesamt rund 400.000 Mitglieder, rund 140.000 sind es bei der CSU.

Otte war Ende Mai im Amt des Vorsitzenden der Werteunion auf den Heidelberger Alexander Mitsch gefolgt, der vorher seinen Rückzug angekündigt hatte. Innerhalb der Werteunion löste die knappe Wahl Ottes zum neuen Vorsitzenden großen Streit aus, die bayerische Landesvorsitzende Juliane Ried war seine Gegenkandidatin gewesen.

Ried hielt Otte vor: „Er will nicht einsehen, dass er die Werteunion gespalten hat.“ Nach den Worten des baden-württembergischen Vize-Chefs Oliver Kämpf löst sich die Werteunion langsam auf. „Die Werteunion ist wie ein totes Pferd, von dem man absteigen muss.“

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In Baden-Württemberg kündigten elf von zwölf Vorstandsmitgliedern dem Bundesvorstand ihren Rückzug zum kommenden Freitag an. In dem Schreiben heißt es, es gebe eine „Annäherung an völkische und nationalistische Themen“.

Otte widersprach: „Das ist unterste Schublade. Ich weise das entschieden zurück und lasse rechtliche Schritte dagegen prüfen.“ Er betonte: „Ich stehe loyal zur CDU, ich habe nie an einen Austritt gedacht.“ Der Ökonom lobte den Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet, dieser stehe „für einen rheinischen Kapitalismus, die soziale Marktwirtschaft“.

Otte hatte 2017 in einem Interview angekündigt, er wolle bei der Bundestagswahl die AfD wählen - auch wegen des Kurses von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Der Fondsmanager war bis Januar 2021 Kuratoriumsvorsitzender der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung gewesen.

Nun sagte er mit Blick auf die Bundestagswahl: „Es ist nicht Aufgabe der Werteunion, Wahlkampf für die CDU zu machen.“ Otte erklärte, er sehe „das Ausmaß der Corona-Auflagen sehr, sehr kritisch.“ Er habe früher auf Querdenker-Demos gesprochen. „Jetzt als Vorsitzender würde ich das nicht mehr tun.“

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Der frühere Vize-Chef der Werteunion und Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt, Ingo Gondro, sagte der dpa: „Der derzeitige Zustand der Werteunion beschämt mich sehr.“ Ihn störe vor allem die Nähe zu den sogenannten Querdenkern und Corona-Leugnern. „Wenn ich feststelle, dass sich das weiter in die Richtung entwickelt, werde ich auch austreten.“

RND/dpa

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