Vorbild Spanien: Wer nicht Nein sagt, spendet Leben

Jeden Tag sterben drei Menschen, weil sie kein passendes Spenderorgan bekommen haben. Dabei ist die Bereitschaft der Deutschen zu spenden sehr hoch – zumindest theoretisch. Eine grundsätzliche Änderung im Transplantationsgesetz könnte viele Leben retten. Ein Kommentar zum Tag der Organspende.

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Hannover. Es kann jeden treffen. Ein verschleppter Infekt kann das Herz zerstören, Bluthochdruck und Diabetes die Niere. Und es kann schnell gehen. Plötzlich kann den Patienten nur noch ein Spenderorgan vor dem drohenden Tod retten. Derzeit warten 10 000 Menschen in Deutschland auf Niere, Herz oder Lunge. Drei von ihnen sterben täglich, weil sie das passende Organ nicht rechtzeitig finden. 2017 gab es 797 Spender – 60 weniger als noch im Vorjahr. Ein neuer Negativrekord. Und ein Rekord, auf den Deutschland nicht stolz sein kann.

Es ist Zeit, das Transplantationsgesetz zu überarbeiten. Es reicht nicht mehr, den Menschen ins Gewissen zu reden und zu hoffen, dass sie dann endlich einen Organspende-Ausweis ausfüllen, wie es Gesundheitsminister Jens Spahn zum Tag der Organspende am 2. Juni getan hat.

Die Deutschen müssen sich bislang bewusst für die Organspende entscheiden. Das nennt sich Entscheidungslösung. Die Krankenkassen müssen Versicherte ab 16 Jahre alle zwei Jahre über die Organspende informieren. Für etwa 60 Millionen Euro verschicken sie Broschüren, Infomaterial und Ausweise. Doch bei den meisten Deutschen landet das direkt im Müll. Nur 36 Prozent der Erwachsenen besitzen tatsächlich einen Organspendeausweis.

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Die Mehrheit ist bereit zu spenden

Dabei sagen laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 84 Prozent, dass sie einer Organspende nach ihrem Tod „eher positiv“ gegenüber stehen. Die Bereitschaft zu spenden, ist also da. Und trotzdem gibt es in Deutschland nur zehn Spender pro eine Million Einwohner.

Besser sieht es in Spanien aus: Dort gibt es mit 46,9 Spendern pro eine Million Einwohner die höchste Organspende-Rate in Europa. Grund ist das „spanische Modell“: Jeder volljährige Bürger ist automatisch Spender, wenn er nicht ausdrücklich Nein gesagt hat. Auch Italien, Österreich, Frankreich, Luxemburg, Schweden und Norwegen verfahren nach dieser Widerspruchslösung. Die Niederlande haben erst im Februar für dieses System gestimmt.

Warum kann sich Deutschland also nicht ein Beispiel an seinen Nachbarländern nehmen? So müsste nicht mehr die Mehrheit der Spender aktiv werden, sondern die Wenigen, die nicht bereit sind zu spenden. Denn dass täglich Menschen wegen fehlender Organe sterben, obwohl die große Mehrheit zum Spenden bereit ist, ist nicht mehr hinnehmbar.

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Von Saskia Hassink