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Vorbereitung auf vierte Welle – Grüne beklagen ungenügende Datenlage

  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Mittwoch angekündigt, sich auf eine mögliche vierte Welle vorzubereiten.
  • Von Oppositionspolitikern und Virologen erhält er für dieses Vorhaben Zuspruch – trotz steigender Impfquote und sinkender Fallzahlen.
  • Die Experten erklären, welche Faktoren weitere Corona-Ausbrüche bewirken könnten.
Anja Semonjek
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Berlin. Die Zahl der Corona-Infektionen sinkt, die der Impfungen steigt rasant. Alles sieht nach einem entspannten Sommer aus. Dennoch hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Vorbereitungen für eine vierte Welle angekündigt.

Bei der Opposition stößt das auf Zustimmung, denn sie sieht noch erhebliche Aufgaben für die Regierung. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie und für wen wir Auffrischimpfungen ab dem Herbst anbieten“, sagte der Grünen-Politiker Janosch Dahmen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Aus wissenschaftlichen Studien wisse man, dass es mitunter auch gegen neue Varianten reiche, mit den schon vorhandenen Impfstoffen aufzufrischen, betonte er. Durch die starke Antwort des Immunsystems werde der Schutz breit verstärkt, so der Mediziner.

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Auffrischimpfung zusammen mit Grippeimmunisierung

Dahmen sagte, bei der Impfpriorisierung sei bisher richtigerweise danach geschaut worden, welche Menschen die größten Risiken für schwere Krankheitsverläufe hätten. „Allerdings wissen wir inzwischen, dass die Impfung bei bestimmten Risikogruppen schlechter wirkt als bei dem Rest der Bevölkerung. Wir sollten nach Indikationsgruppen impfen, also vorrangig Menschen, bei denen die Impfung wahrscheinlich nur kürzer anhält“, regte er an. „Wir sollten die kommende Grippeimpfung nutzen, um den relevanten Risikogruppen gleichzeitig eine Covid-Auffrischimpfung anzubieten“, schlug er vor.

Um eine vierte Welle zu vermeiden, seien zudem präzisere Daten für ein realistisches Lagebild erforderlich. „Das Gesundheitsministerium sollte dringend mehr Daten erheben lassen“, forderte er. Nötig sei zum Beispiel eine systematische Erfassung von Infektionen trotz vollständigen Impfschutzes und eine detaillierten Erhebung darüber, welche Risikogruppen wo noch nicht geimpft seien.

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Lauterbach zu Corona-Entwicklung: Inzidenz wird sich bei 35 einpendeln
0:54 min
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erwartet für die kommende Zeit ein entspannteres Corona-Infektionsgeschehen.  © dpa

Auch die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus lobte eine längerfristige Vorbereitung. „Die Bundesregierung agierte während dieser Pandemie oft unvorbereitet – dadurch sind viele Fehler entstanden. Deshalb ist eine Vorbereitung auf mögliche Mutationen absolut richtig“, sagte sie dem RND. Wenn Spahn sein Versprechen halte und alle Impfwilligen bis September ein Angebot erhielten, sei jedoch keine vierte Welle zu erwarten, meinte sie.

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„Die Impfstoffhersteller können sich nach eigenen Angaben sehr schnell auf neue Mutationen einstellen“, argumentiert Aschenberg-Dugnus. Daher sei es wichtig, sich bereits jetzt ausreichend Impfstoff sowohl für neue Mutationen als auch für Auffrischungsimpfungen zu sichern. Vergangene Fehler bei der Impfstoffbestellung dürften sich nicht wiederholen, mahnte die FDP-Politikerin.

Mutanten bereiten Sorgen

Vor allem Mutanten bereiten Politikern und Wissenschaftlern Sorgen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte dem RND gesagt, im Herbst könnte sich eine neue Virusmutation verbreiten, „die wir bisher noch nicht kennen“.

Zudem sieht Lauterbach durch das Fehlen lokaler Impfdaten eine mögliche Gefahr: „Wir erheben nicht ausreichend gut, wo die Menschen leben, die geimpft werden“, sagte Lauterbach in der ARD. In Orten, wo die Impfquote nicht hoch genug sei, drohten im Herbst Ausbrüche und lokale vierte Wellen, sagte der SPD-Gesundheitsexperte.

Entstehung vierter Welle unklar

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Auch nach Einschätzung des Virologen Hendrik Streeck sollte die Corona-Krise noch nicht für beendet erklärt werden. Es sei jedoch „ganz schwer vorherzusagen“, ob es tatsächlich eine neue Welle geben werde, sagte Streeck dem Fernsehsender n-tv. Je nachdem, wie stark der Impfeffekt sein werde, sei mit erneuten Ausbrüchen zu rechnen. Auf den „Worst Case“ vorbereitet zu sein sei aber allein deshalb zu empfehlen, damit ein neuer Lockdown verhindert werden kann.

Der Virologe Alexander Kekulé ist sich wiederum sicher: „Wir werden im Herbst noch mal eine Welle haben.“ Das Wichtigste sei, diejenigen bis dahin zu impfen, die ein hohes Ansteckungsrisiko hätten und „sich möglicherweise nicht immer ganz vernünftig verhalten“, sagte er im MDR.

Der britische Epidemiologe Neil Ferguson sagte, nötig seien verlässliche Daten, die belegten, wie schnell sich die indische Mutante ausbreite. Wenn diese in ihrer Geschwindigkeit das Impftempo übersteige, könnten die Zahlen erneut bedenklich ansteigen, argumentierte der Wissenschaftler.

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