Von der Leyen muss zeigen, dass sie am Ende den Hut auf hat

  • Die künftige EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat begriffen, dass sich die Zeiten geändert haben.
  • An die Spitze der EU hätten schon längst mehr Frauen gehört, kommentiert Damir Fras.
  • Doch vor dem neuen Team liegen enorme Aufgaben.
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Brüssel. Vier starke Persönlichkeiten werden die Spitze der neuen EU-Kommission bilden. Allen voran Ursula von der Leyen, neben ihr Margrethe Vestager, Frans Timmermans und Valdis Dombrovskis als ihre Super-Stellvertreter für Digitales, Klimaschutz sowie Arbeit und Soziales. Das Personalpaket, das die künftige Präsidentin der EU-Kommission am Dienstag der Öffentlichkeit präsentiert hat, zeigt: Ursula von der Leyen hat begriffen, dass sich die Zeiten geändert haben.

An die Spitze der EU hätten schon längst mehr Frauen gehört. Das wird geschehen. Und eine breitere Leitungsebene als bisher kann angesichts der komplexen Verhältnisse in Europa und der Welt auch nicht schaden. Gut gemacht.

Allerdings: Von der Leyen, Vestager, Timmermans, Dombrovskis – sie müssen es in den nächsten fünf Jahren schaffen, die EU so zu reformieren, dass die sozialen Gegensätze schwinden. Der Kampf gegen den Klimawandel erfordert alle Kraft. Zugleich muss sich Europa dem wirtschaftlichen und politischen Druck der USA von der einen Seite wie Chinas von der anderen Seite erwehren. Dabei ist es völlig unerheblich, wer Präsident in Washington ist. Auch ein Demokrat im Weißen Haus wird die EU in erster Linie als wirtschaftlichen Konkurrenten wahrnehmen.

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EU-Mitgliedsland: Deutschland; Jahrgang: 1958; Partei: Europäische Volkspartei (EVP); war bisher: deutsche Verteidigungsministerin; neuer Job: Präsidentin der EU-Kommission.  @ Quelle: Str/AP/dpa

Das sind Aufgaben, die wahrscheinlich nur ein Vierer-Team an der Spitze der Kommission in Brüssel bewältigen kann. Wenn überhaupt. Von der Leyen muss natürlich zeigen, dass sie am Ende den Hut auf hat. Das wird nicht einfach.

Denn die ehemalige deutsche Verteidigungsministerin ist eine Kompromisskandidatin für den Top-Job. Die Wahl fiel auf von der Leyen, weil sich die Staats- und Regierungschefs partout nicht auf einen der Spitzenkandidaten bei der Europawahl als Nachfolger Jean-Claude Junckers einigen konnten.

Das belastet das Verhältnis von der Leyens zum Europaparlament, das sich gedemütigt fühlt. Das schwächt auch ihre Rolle im Gefüge der EU-Institutionen. Da kann es nur gut sein für die neue Kommissionschefin, wenn sie drei starke Persönlichkeiten an ihrer Seite weiß.