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Vom Kanzlerkreis bis Olympia: ein Blick auf die 299 Wahlkreise in Deutschland

  • In den aktuellen Umfragen hat die SPD erstmals seit Jahren die Union überholt.
  • Auch die Verteilung der Direktmandate dürfte sich deutlich ändern – und würde längst nicht nur zwischen CDU/CSU und SPD entschieden.
  • Ein Blick auf einige überraschende Prognosen für die 299 Wahlkreise der Bundesrepublik.
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Berlin. Was sich für das bundesweite Ergebnis in den Umfragen zeigt, spiegelt sich zunehmend auch in den insgesamt 299 Wahlkreisen in Deutschland wider: Die SPD hat der Union in vielen Teilen Deutschlands den Rang abgelaufen. Bei den Zweitstimmen sind die Sozialdemokraten in der aktuellen Projektion der Plattform election.de in 133 Wahlkreisen stärkste Kraft, die Union nur noch in 102 Gebieten im Süden. In Sachsen und Thüringen führt die AfD. Die FDP gehe – wie schon 2017 – leer aus.

Außerdem zeichnet sich ab, dass in vielen Wahlkreisen das Ergebnis zwischen Union, SPD und Grünen so knapp sein wird, dass schon 25 Prozent der Erststimmen – oder sogar weniger – für den Gewinn des Direktmandats reichen werden.

Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren gab es nur zwei Wahlkreise, in denen das der Fall war. In diesem Jahr sind es schon 22, alle davon liegen in Ostdeutschland oder Berlin, wie aus einer datengestützten Erststimmenprognose von election.de hervorgeht.

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Eine Folge: Gingen früher die allermeisten Direktmandate entweder an Union oder SPD, können nun auch Grüne und AfD bei den Erststimmen mit etlichen Wahlkreisgewinnen rechnen: Nach aktuellem Umfragestand würden CDU/CSU auf 153 Direktmandate kommen. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichne die Union damit einen Einbruch von 78 Wahlkreisen.

SPD erwartet Anstieg der Direktmandate

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Die SPD könnte sich über einen Anstieg von 58 auf 106 Direktmandate freuen. Besondere Brisanz ist dabei in Potsdam zu erwarten. Der Wahlkreis 61 in Brandenburgs Landeshauptstadt ist aus politischer Sicht mit viel Prominenz bestückt. Hier tritt die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gegen ihren Kontrahenten von der SPD, Olaf Scholz, an. Laut Prognosen hat der Sozialdemokrat aktuell klar die Nase vorn: Mit der Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent werde Scholz den Wahlkreis gewinnen.

Auch bei einem anderen mit Spannung erwarteten Duell hat die SPD Siegeschancen: Im Wahlkreis 196 in Südthüringen, wo der einstige Olympiasieger Frank Ullrich für die SPD gegen den umstrittenen Ex-Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen (CDU) kandidiert, sieht election.de den ehemaligen Biathleten im Vorteil (Siegeswahrscheinlichkeit: 79 Prozent).

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Wahl-ABC: Briefwahl, Direktmandat, Wahlleiter
1:18 min
Die Wahl ist weit mehr als nur zwei Kreuze auf dem Stimmzettel. Was ist ein Direktmandat?  © dpa

Der Umschwung von Schwarz zu Rot ist im Nordosten der Republik besonders deutlich zu erkennen: In den Landkreisen Schwerin, Ludwigslust-Parchim I und II und Rostock II, die bislang von CDU-Abgeordneten vertreten werden, holt sich die SPD laut Prognosen von election.de in diesem Jahr die Direktmandate. Am deutlichsten fällt das Ergebnis mit einer Wahrscheinlichkeit von 93 Prozent in Ludwigslust-Parchim II aus.

Dennoch: Auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) wollte der SPD-Parteivorstand keine genauen Angaben zu Wahlkreiszielen machen. „Jeder Wahlkreis kann gewonnen werden“, heißt es aus Parteikreisen. Dabei werde vor allem auf die persönlichen Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern gesetzt. „Insgesamt haben unsere Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer schon an fast 1,9 Millionen Haustüren geklingelt und geklopft.“

CSU-Wahlkreise können an Grüne gehen

Auch die Grünen dürfen mit starkem Wachstum rechnen – von nur einem Wahlkreis bei der Bundestagswahl 2017 auf derzeit 18. Zwölf davon liegen im Süden der Republik. So muss in Bayern die CSU laut Prognosen gleich fünf Wahlkreise an die Grünen abtreten.

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Die größten Chancen auf ein Direktmandat hat die Partei im Wahlkreis München West/Mitte (Wahrscheinlichkeit: 74 Prozent). Der Grünen-Wirtschaftsexperte Dieter Janecek tritt hier gegen den CSU-Abgeordneten Stephan Pilsinger an.

Im Wahlkreis München Süd stehen die Chancen gut, dass die stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen, Jamila Schäfer, der CSU das Direktmandat abnimmt. Auch im Rest der Landeshauptstadt haben die Grünen nach Erststimmen aktuell die Nase vorn.

In Berlin konnten die Grünen vor vier Jahren allein den Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg/Prenzlauer Berg Ost gewinnen – in diesem Jahr könnten es gleich zwei weitere werden.

Das restliche Feld in der Hauptstadt ist bunt gemischt: Im östlichen Teil hat die Linkspartei klar die Nase vorn – auch in Treptow-Köpenick, wo Linken-Kandidat Gregor Gysi sein Direktmandat gegen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein verteidigen muss, die für die CDU antritt. Nach aktuellen Prognosen stehen seine Chancen gut.

AfD kann vor allem im Osten zulegen

Die AfD würde von drei auf 16 Direktmandate zulegen – der größte Teil davon im Osten: Neben Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo die AfD laut Prognose in fünf Wahlkreisen führt, liegt der Fokus vor allem auf Sachsen. Hier sind elf Direktmandate möglich – vor allem in Görlitz, Bautzen und der Sächsischen Schweiz.

„Wir sind guter Dinge, dort unsere Position verteidigen zu können oder sogar noch hinzuzugewinnen“, sagte AfD-Sprecher Peter Rohling dem RND. Die Partei hoffe zudem auf „das ein oder andere Direktmandat in Thüringen“. Es gebe momentan einen starken Stimmungsumschwung in den Umfragen, von dem auch die AfD profitiere.

Grüne und linke Exklaven in Sachsen sind die Großstädte Dresden und Leipzig: Im Wahlkreis Leipzig II hat die Linkspartei eine 56-prozentige Wahrscheinlichkeit, die meisten Erststimmen zu bekommen – die Grünen liegen direkt dahinter mit 28 Prozent. Im Wahlkreis Dresden I liefern sich Linke (37 Prozent) und AfD (32) ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen.

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