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RKI-Chef Wieler warnt vor „fulminantem Verlauf“ der vierten Welle

  • In Deutschland stockt die Impfkampagne, gleichzeitig steigen die Corona-Infektionszahlen.
  • In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Instituts über den Stand der Impfkampagne berichtet.
  • Wieler warnte vor einem „fulminanten Verlauf“ der vierten Welle und brach eine Lanze für Kinder und Jugendliche.
1:54 min
Jens Spahn äußert sich dankbar, dass es momentan nicht zu großen Überlastungen im Gesundheitswesen kommt, merkt jedoch trotzdem an, dass die Zahl der Ungeimpften noch viel zu groß sei. Wieler gibt preis, dass schon jetzt die Zahl der Covid-19-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, steigt, und die Intensivbetten-Belegung durch Covid-19-Patienten sich in den letzten beiden Wochen fast verdoppelt hat.  © Reuters
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Berlin. Während die Corona-Infektionszahlen in Deutschland steigen, stockt die Impfkampagne. Das liegt aber nicht nur an Impfgegnern, sondern auch an vielen Unentschlossenen. In einer Pressekonferenz haben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler über den Stand der Impfkampagne informiert.

„Nutzen Sie die Chance, lassen Sie sich impfen“, war der Appell von Gesundheitsminister Jens Spahn. Er unterstrich, dass das gemeinsame Ziel nun sein müsse, die Impfquoten zu erhöhen – um sich und andere zu schützen. „Jede einzelne Impfung entscheidet, wie sicher wir durch den Herbst kommen“, sagte Spahn. „Was wir derzeit sehen, ist eine Pandemie der Ungeimpften.“

Spahn: Einfache Gelegenheit zum impfen fehlte

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An Informationen zum Impfen sei in den letzten Wochen und Monaten niemand vorbeigekommen, sagte Spahn. Doch es habe aus seiner Sicht an der einfachen Gelegenheit gefehlt, sich impfen zu lassen – auf dem Spielplatz, auf dem Sportplatz oder beim Einkaufen. Die gemeinsame Impfwoche soll diese Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen bei Impfen nun noch einmal bündeln.

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RKI-Chef Lothar Wieler warnte, dass die vierte Welle einen „fulminanten Verlauf“ nehmen könnte, wenn die Impfquoten nicht steige. Die Betroffenen auf den Intensivstationen würden immer jünger – und das liege laut Wieler vor allem daran, dass sich einige Menschen nicht impfen lassen. Wer sich jetzt nicht impfen lasse, der werde sich auf absehbare Zeit infizieren, nehme einen schweren Verlauf und Spätfolgen in Kauf.

Gleichzeitig brach Wieler eine Lanze für Kinder und Jugendliche. Zwar seien Impfstoffe in der Entwicklung, aber bisher könnten unter Zwölfjährige weiterhin nicht geimpft werden. „Deshalb ist es in unserer Pflicht, uns impfen zu lassen und die Vorsichtsmaßnahmen in Kitas und Schulen aufrechtzuerhalten. So können wir den Einschlag des Virus in diese Altersgruppe verringern“, sagte Wieler. Dem stimmte auch der Gesundheitsminister zu: „Kinder mussten in den vergangenen Monaten auf viel verzichten und dazu sollten sich die Impfmuffel auch einmal zwei Gedanken machen“, sagte Spahn.

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66 Prozent sind bereits geimpft

Zu Fragen nach einem möglichen erneuten Lockdown, die ihm oft gestellt würden, sagte Spahn: „Die Debatte muss doch andersherum gehen: Wir haben das Mittel in der Hand, uns zurück in Freiheit und Normalität zu impfen“. Man sei schon ein ganzes Stück vorangekommen, „aber wir müssen eben noch einige, viele weitere überzeugen, diesen Weg mit uns zu gehen.“

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66 Prozent der Bevölkerung sind Spahns Angaben zufolge mindestens einmal geimpft, 61,6 Prozent hätten vollen Impfschutz, wie der Minister auf Twitter schrieb. Deutschland ist nach seiner Einschätzung im Vergleich zu anderen Ländern besser durch die vergangenen eineinhalb Jahre der Pandemie gekommen. „Das Vereinigte Königreich hat auf die Bevölkerung bezogen mehr als doppelt so viele Todesfälle wie Deutschland“, sagte er.

Der Handelsverband unterstützt die Impfkampagne der Bundesregierung mit Plakaten und Informationen unter dem Motto „Leben statt Lockdown“. So sollen täglich Millionen von Kundinnen und Kunden erreicht werden.

Die Bundesregierung will mit einer bundesweiten Aktionswoche vom kommenden Montag an Schwung in die Impfungen bringen. Gemeinsam mit den Ländern ruft sie dazu auf, an möglichst vielen Orten einfach wahrzunehmende Angebote zu machen – etwa in Sportvereinen, bei der Freiwilligen Feuerwehr, in Apotheken oder Mehrgenerationenhäusern – mit dem Motto: „Hier wird geimpft“. Auf der Internetseite www.hierwirdgeimpft.de sollen Impfangebote zu finden sein.

Bisher sind in Deutschland 61,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, 65,9 Prozent haben mindestens eine Impfung. Um die vierte Welle der Pandemie noch abzuflachen, wird eine Impfquote von 80 bis 90 Prozent als nötig erachtet.

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Der Direktor der Virologie am Universitätsklinikum Essen warnte vor einer Überlastung der Intensivstationen. „Wir machen uns langsam das Gesundheitssystem kaputt“, sagte Ulf Dittmer der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). In seiner Klinik liege die Zahl der Kranken mit schweren Symptomen bei 23. Davon seien 20 ungeimpft, der Jüngste sei 20 Jahre alt.

RND/dpa/ag

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