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Die vierte Welle rollt: Hälfte der Krankenhauspatienten ist jünger als 48 Jahre

  • Während in Deutschland die vierte Welle an Fahrt aufnimmt, warnen die Mediziner davor, dass mehr junge Menschen im Krankenhaus behandelt werden müssen.
  • Sie appellieren an die Menschen, sich impfen zu lassen.
  • Mit Blick auf mögliche Einschränkungen sagte Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft: „Wir haben es in der Hand.“
Antea Obinja
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Berlin. Während laut dem Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland die vierte Corona-Welle läuft, warnen Intensivmediziner und -medizinerinnen und Hausärzte und -ärztinnen davor, dass sich bereits heute vor allem junge und ungeimpfte Menschen infizieren.

„Wir sehen eine ganz klare Verschiebung in der Altersstruktur der Infizierten”, sagte Uwe Janssens, Präsidiumsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Nur 13 Prozent der hospitalisierten Patienten sind über 80, rund 40 Prozent gehören inzwischen zur Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen.”

RKI: Höchste wöchentliche Sieben-Tage-Inzidenzen bei 20- bis 24-Jährigen

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Auch im jüngsten RKI-Wochenbericht heißt es, dass inzwischen vor allem jüngere Menschen betroffen seien. Das RKI unterteilte in ihrer wöchentlichen Übersicht zur Sieben-Tage-Inzidenz die infizierten Menschen in Gruppen, die jeweils fünf Altersstufen umfassen. Das Ergebnis: In der Kalenderwoche 32 vom 9. August bis zum 15. August 2021 verzeichnete das RKI in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen mit 94 die höchste Inzidenz. Auch in den Altersgruppen der unter 20-Jährigen ermittelte das RKI verhältnismäßig hohe Inzidenzen zwischen 31 und 87. Bei den 25- bis 34-Jährigen wurden eine Sieben-Tage-Inzidenzen zwischen 54 und 69 ermittelt. Zum Vergleich: In den Altersgruppen der 60 bis 89 Jahre alten Menschen in Deutschland lagen die Werte zwischen 6 und 12.

„Damit zeigt sich nun deutlich der Beginn der vierten Welle, die insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung an Fahrt aufnimmt.” Auch aus dieser Gruppe kommen Covid-19-Patienten in die Krankenhäuser.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) betonte am Freitag: „Die aktuellen Zahlen des RKI machen deutlich, dass es aktuell vorwiegend jüngere und nicht geimpfte Personen sind, die sich infizieren und dann auch im Krankenhaus behandelt werden müssen. Lag der Median der hospitalisierten Patienten in der zweiten Welle noch bei 77 Jahren, liegt er nun bei 48 Jahren. Das heißt, die Hälfte der Krankenhauspatienten ist nun jünger als 48 Jahre.” Die aktuellen Zahlen zeigten aber auch, dass die hohe Impfquote bei den über 60-Jährigen sehr gut wirke und die Menschen vor schweren Verläufen schütze, so die DIVI und die DKG.

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Laut RKI-Wochenbericht mussten 351 Menschen im Alter zwischen 35 und 59 Jahren in der Woche vom 9. August bis zum 15. August 2021 im Krankenhaus behandelt werden – der Höchstwert im Vergleich der Altersgruppen. Die zweitmeisten Hospitalisierungen (244) ermittelte das RKI unter den 15 bis 29 Jahre alten Corona-Patientinnen und -Patienten. In beiden Altersgruppen gab es somit mehr Krankenhausfälle als bei den 60 bis 79 Jahre (203 Krankenhausaufenthalte) sowie den über 80 Jahre alten Menschen (115 Krankenhausaufenthalte). In den Altersstufen der 0- bis vierjährigen mussten 43 Kinder und Säuglinge in einer Klinik behandelt werden und somit mehr als doppelt so viele wie in der Woche zuvor (20 Menschen). Die niedrigste Zahl der Krankenhausfälle (29) verzeichnete das RKI unter den fünf bis 14 Jahre alten Kindern und Jugendlichen.

Experten betonen hohe Wichtigkeit der Impfung

„Gleichzeitig sehen wir, dass jüngere Menschen ohne Impfschutz ein reales Risiko haben, sehr schwer zu erkranken. Wir appellieren deshalb dringend an alle Bürgerinnen und Bürger, sich impfen zu lassen”, sagte DKG-Chef Gerald Gaß. Es brauche mehr Informationen und mehr niedrigschwellige Impfangebote.

Ähnlich äußerte sich Divi-Mitglied Janssens: „Wir müssen jetzt so viel impfen wie möglich.” Es sei wichtig, denjenigen, die sich noch nicht dafür entschieden hätten, die Ängste im persönlichen Gespräch zu nehmen. Hier seien die Hausärzte und -ärztinnen gefragt.

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Der Hausärzteverband äußerte sich am Freitag positiv dazu: „In den kinderärztlichen Praxen und solchen, die Impfungen für Jugendliche anbieten, nimmt das Impftempo zu”, erklärte Verbandschef Ulrich Weigeldt. „Das erfolgt nicht nur aus medizinischen Gründen, sondern auch aus sozialem Gruppendruck”, betonte er.

Mit Blick auf mögliche Einschränkungen im Herbst sagte DKG-Chef Gaß: „Wir haben es selbst in der Hand, deutliche Einschränkungen im öffentlichen Leben im Herbst und Winter zu vermeiden. Aktuell sind wir noch von einer Überlastung des Gesundheitssystems entfernt und bei weiter steigender Impfquote bin ich auch sehr zuversichtlich, dass eine solche Überlastung nicht eintreten wird.“

Auch der Hausärzteverband betonte: „Wir sehen keinen Grund für zusätzliche Beschränkungen, zumal die Belastung des Gesundheitswesens und der Krankenhäuser nicht wesentlich über das normale Maß hinausgeht.” Weigeldt kündigte an, dass der Verband der Empfehlung der Ständigen Impfkommission folgen werde, wonach alte und gefährdete Menschen sechs Monate nach ihrer zweiten Impfung eine Auffrischung bekommen sollen.

Insgesamt haben derzeit rund 64 Prozent der Menschen in Deutschland mindestens eine Corona-Impfung bekommen. Mehr als 58 Prozent sind vollständig geimpft. Der Anstieg der Inzidenzen hat aber bereits Folgen: Der zuletzt abnehmende Trend von Covid-19-Patienten und -Patientinnen in Kliniken setzt sich laut RKI zurzeit nicht fort. Die Zahlen befänden sich noch auf niedrigem Niveau, stiegen aber sichtbar an – auch bei jungen Erwachsenen.

mit dpa

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