Vielen Briten steht ein Realitätsschock bevor

  • Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU ist endgültig vollzogen.
  • Die Konsequenzen werden die Briten erst jetzt richtig zu spüren bekommen.
  • Grund zur Selbstgefälligkeit hat die EU deshalb aber noch lange nicht, kommentiert Christian Burmeister.
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Brüssel. „Lasst das Licht an. Wir kommen bald wieder, Europa!“, schrieb die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon kurz vor dem Jahreswechsel kämpferisch auf Twitter.

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Großbritannien vollzieht Brexit
1:29 min
Nach 48 Jahren gehört das Land nun nicht mehr dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion an.  © Reuters

Der britische Regierungschef Boris Johnson hingegen feierte den Bruch des Vereinigten Königreichs mit der EU, der mit dem 1. Januar endgültig vollzogen ist, ausgiebig. Bald schon könnte die Stimmungslage aber ganz anders aussehen.

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Denn nun wird der Brexit auf der Insel seine volle Wirkung entfalten. Und viele Briten dürften erstaunt feststellen, dass oftmals das Gegenteil dessen eintritt, was die Brexit-Fans ihnen ursprünglich versprochen hatten. Ein Realitätsschock steht bevor, nicht ganz unähnlich dem, was viele Trump-Fans in den USA gerade durchleben.

Die europäische Bürokratie – jetzt wird sie erst wirklich greifbar werden

Besonders gut greifbar dürfte dies für die meisten Briten bei einem scheinbar nebensächlichen Thema werden: Die europäische Bürokratie in Brüssel war jahrzehntelang das Schreckgespenst der Austrittfans, von dem es sich zu befreien galt.

Wenn britische Studenten künftig im Ausland studieren, Arbeitnehmer irgendwo auf dem Kontinent Jobs annehmen oder einfache Bürger in der EU Urlaub machen wollen, werden sie schnell feststellen, was nervtötende Bürokratie tatsächlich bedeutet. Selbst britische Experten sind sich zudem sicher, dass die Wirtschaft auf der Insel schrumpfen wird.

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Und die Unabhängigkeitsbewegung gewinnt nicht nur in Schottland, sondern erstmals sogar in Wales an Kraft. Die von Johnson versprochene „nationale Erfüllung“ durch den Brexit könnte sich also schon bald als nationaler Albtraum entpuppen. Statt “die Kontrolle zurückzugewinnen” könnte London die Kontrolle rasch verlieren. Johnsons Bluff droht aufzufliegen.

Die EU hat aber keinen Grund, der Selbstverstümmelung des Königreichs selbstgefällig zuzusehen. Sie steht vor ihren ganz eigenen Herausforderungen.

Soll die Union mittelfristig die Erfolgsgeschichte bleiben, die sie bisher war, muss sie sich nun weiterentwickeln. Die Briten stehen nicht mehr auf der Bremse, es gibt also keine Ausreden mehr.

Wirkliche Visionen dafür sind bisher aber leider Mangelware.

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