• Startseite
  • Politik
  • Verwirrung um Impfstoff: Länder berichten von Lieferausfällen, Bund verspricht Nachschub

Verwirrung um Impfstoff: Länder berichten von Lieferausfällen, Bund verspricht Nachschub

  • Der gerade noch von Gesundheitsminister Jens Spahn gelobte Impfstart in Deutschland gerät bereits ins Stocken.
  • Die nächste Lieferung des Corona-Impfstoffes fällt nach Angaben vieler Bundesländer aus.
  • Das Gesundheitsministerium widerspricht nur indirekt und verspricht nun schnellere Hilfe.
Anzeige
Anzeige

Berlin. Am Mittwoch berichteten gleich mehrere Bundesländer von Lieferengpässen beim Corona-Impfstoff der Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer. Laut einem Medienbericht sollte Deutschland bis zum 11. Januar keine weiteren Lieferungen von Dosen erhalten, so das Portal Business Insider unter Berufung auf einen internen Bericht des Bundesgesundheitsministeriums.

Der Bund reagiert am Mittwochnachmittag und lenkt nach dem wachsenden öffentlichen Druck ein. „Die heutige Lieferung deckt nach den Planungen von Biontech auch die 1. Januarwoche ab. Wir haben mit Biontech vereinbaren können, dass die nächste Lieferung – wie ursprünglich geplant – bereits nächste Woche, am 8.1.2021, erfolgen wird. Danach erfolgt die nächste Lieferung am 18.1.2021 und ab dann vorerst wöchentlich montags. Dabei werden anfangs circa 670.000 Dosen pro Woche geliefert“, sagte ein Sprecher des Ministeriums gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Zuvor hatte unter anderem die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) über die Ausfälle geklagt. „Das bringt uns jetzt in sehr große Schwierigkeiten, da wir aufbauend auf diese Zusagen unsere Planungen gemacht haben”, sagte die Senatorin. „Ich bin sauer. Die Knappheit des Impfstoffs bleibt ein Problem für den Impfstart in Deutschland.” Berlin hätte eigentlich ab dem 4. Januar 29.250 weitere Impfdosen erhalten sollen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige
Die Pandemie und wir In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Auch die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) bestätigte am Mittwoch in Mainz, dass die für das Bundesland angekündigten rund 34.000 Dosen des Impfstoffs in der ersten Januarwoche ersatzlos gestrichen worden seien. Gründe dafür habe das Bundesgesundheitsministerium zunächst nicht genannt.

Auch Bayern, Brandenburg, Sachsen und Schleswig-Holstein vermeldeten bereits Lieferausfälle.

Dem Bericht des Business Insider zufolge sollten am 11. Januar insgesamt 668.000 Impfstoffdosen an die Bundesländer ausgeliefert werden. Das Gesundheitsministerium kündigte am Mittwoch jedoch kurzerhand an, „wie ursprünglich geplant – doch bereits nächste Woche, am 8. Januar 2021“ die Impfstoffdosen zu liefern. Das sei mit Biontech so vereinbart worden.

Anzeige
Video
Nach Impfstart: Rufe nach schnellerer Produktion
2:00 min
Nach dem Start der Corona-Impfungen gibt es Forderungen nach einem höheren Tempo bei der Impfstoffproduktion.  © dpa

SPD-Generalsekretär kritisiert Impfstart-„Chaos“

Anzeige

Erst am Mittwochvormittag hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Start der Corona-Impfungen in Deutschland gelobt. „Die größte Impfkampagne unserer Geschichte ist erfolgreich angelaufen. Das ist das Ergebnis eines beispiellosen Teamworks“, sagte Spahn bei einer Pressekonferenz in Berlin.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kritisierte die Organisation des Corona-Impfstarts in Deutschland hingegen und warf Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Versäumnisse vor. „Das Chaos rund um den Impfstart finde ich sehr ärgerlich“, sagte Klingbeil der „Rheinischen Post“. Spahn spreche von etwas föderalem Durcheinander und zeige mit dem Finger auf die Bundesländer. „Der Minister selbst hatte Monate Zeit, den geplanten Impfstart vorzubereiten. Hierzu hat er ausreichende Kompetenzen bekommen.“

Es sei die Aufgabe des Bundesgesundheitsministers, für eine reibungslose Organisation zu sorgen, sagte Klingbeil. „Wenn jetzt der Eindruck entsteht, der Staat habe diese Aufgabe nicht im Griff, steigert das nicht gerade das Vertrauen in das Impfen.“

Auch Baden-Württemberg klagt über Impfstoffmangel

Kritik am Bund wurde auch in Baden-Württemberg laut. Dort gibt es laut Medienberichten zunehmend Beschwerden über die Anmeldung zur Corona-Impfung. Die Rufnummer zur telefonischen Anmeldung soll demnach zum Teil über längere Zeit nicht erreichbar gewesen sein, die Anmeldung über das Onlineportal überfordert insbesondere viele Senioren. Dass es am Telefon zu langen Wartezeiten kommen könne, sei bekannt, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Stuttgart am Mittwoch mit. Dies liege unter anderem am hohen Anrufaufkommen.

Hauptproblem bei der Vergabe der Impftermine sei jedoch der Mangel an Impfstoff. Hier gebe es „leider deutlich weniger, als uns der Bund zunächst in Aussicht gestellt hatte“, so der Sprecher. Es könnten nur so viele Termine vergeben werden, wie Impfdosen vorhanden seien. Die zentralen Impfzentren haben bislang Termine für die nächsten sechs Wochen in die Terminvergabe eingepflegt. Doch diese seien bereits weitgehend vergeben, hieß es am Mittwoch. Ab Mitte Januar sollen die Termine der rund 50 kommunalen Impfzentren in den Stadt- und Landkreisen hinzukommen. „Wir hoffen, dass sich die Situation in den nächsten Wochen mit weiteren Lieferungen des Impfstoffs etwas entspannt“, so der Ministeriumssprecher.

RND/feh/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen