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Holocaust geleugnet: Richterin stoppt Plädoyer des Halle-Attentäters

  • Die Verteidigung des Synagogen-Attentäters von Halle hält ihren Mandanten für zumindest vermindert schuldfähig.
  • Die völlige soziale Isolation habe Stephan B. in den Rechtsextremismus abdriften lassen.
  • Hans-Dieter Weber sprach sich gegen eine Sicherungsverwahrung aus.
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Magdeburg. Der Angeklagte im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle hat seinen Schlussvortrag nach wenigen Minuten abgebrochen. In seinen letzten Worten leugnete der Mann am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht (OLG) Naumburg nach etwa drei Minuten seines Vortrags erneut den Holocaust.

Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens unterbrach den Angeklagten. „Das ist eine Straftat, dafür soll er noch mal sitzen“, rief Nebenklage-Anwalt Alexander Hoffmann in den Saal. „Ich hatte Ihnen das erklärt, Sie dürfen das nicht wiederholen“, sagte Mertens dem Angeklagten, der schon mehrmals den Holocaust geleugnet hatte.

Daraufhin brach der Angeklagte seinen Vortrag ab. Schon vorher hatte er im Prozess den Holocaust geleugnet.

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Seine Verteidigung hatte zuvor ausdrücklich das faire Verfahren gelobt und den Opfern und Hinterbliebenen tiefes Mitgefühl ausgesprochen. Die Verteidigung des Synagogen-Attentäters von Halle hält ihren Mandanten für zumindest vermindert schuldfähig.

Die völlige soziale Isolation habe Stephan B. in den Rechtsextremismus abdriften lassen, sagte Verteidiger Hans-Dieter Weber am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Naumburg, das aus Sicherheits- und Platzgründen im Magdeburger Landgericht verhandelt.

Aus Geltungssucht habe sich B. in der Internetgemeinschaft bewähren wollen.

Weber forderte kein konkretes Strafmaß, sondern ein gerechtes Urteil. Zudem sprach er sich gegen eine Sicherungsverwahrung aus.

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Der Verteidiger hält den Anschlag auf die Synagoge nicht für einen strafbaren Mordversuch an den 51 Gottesdienst-Besuchern: „Der Tatplan scheiterte, als er vor verschlossener Tür stand.“ Weber sprach von einem schwierigen Verfahren, aber es habe sich nicht um seinen schwierigsten Mandanten gehandelt. B. sei stets höflich und freundlich aufgetreten, auch wenn er seine Gesinnung in keiner Weise teile.

B. hatte am 9. Oktober 2019 aus einer antisemitischen und rassistischen Motivation heraus versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, um dort ein Blutbad anzurichten. Zu dem Zeitpunkt hielten sich dort 51 Menschen auf, um den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur zu feiern. B. scheiterte an der Tür zum Gelände, erschoss dann die 40-jährige Jana L. auf der Straße und den 20-jährigen Kevin S. in einem Döner-Imbiss und verletzte weitere Menschen.

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Neue Tür für die Synagoge von Halle
2:15 min
Die alte Tür der Synagoge hatte am 9. Oktober 2019 mehrere Menschenleben gerettet.  © Reuters

In dem seit Juli laufenden Prozess wurden 86 Zeugen und acht Sachverständige gehört. Ein Urteil wird für den 21. Dezember erwartet.

RND/cle/dpa/epd

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