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Versöhner und Reformer: Das ist der neue Chef der Bischofskonferenz

  • Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben am Dienstag ein klares Signal dafür gegeben, dass sie den derzeitigen Reformprozess weiterführen wollen.
  • Ihr neuer Vorsitzender Georg Bätzing will vermitteln - aber auch verändern.
  • Das hat er bereits als Nachfolger des “Protz-Bischofs” in Limburg bewiesen.
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Mainz. Bisher stand das Bistum Limburg überregional vor allem für die Edelbadewanne des früheren “Protz-Bischofs” Franz-Peter Tebartz-van Elst, doch das dürfte sich jetzt schnell ändern. Am Dienstag erschien der Tebartz-Nachfolger Georg Bätzing vor einer Phalanx von Kameras und wurde als neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vorgestellt. Nach Tebartz-van Elst beerbt er nun auch den bisherigen DBK-Vorsitzenden Reinhard Marx. “Der Wechsel im Amt geht ganz unprätentios”, stellte Bätzing fest: Er habe einfach seine Tasche genommen, der Kardinal sei einen Platz weiter gerückt und er habe als neuer Vorsitzender dessen Platz eingenommen.

Mit dieser launig vorgetragenen Bemerkung stellte Bätzing gleich zu Beginn unter Beweis, was ihm von vielen nachgesagt wird: Der Mann hat Humor. Er gilt als bescheiden und zugänglich - das Gegenteil eines Kirchenfürsten. "Ich kenne ihn als jemand, der immer für einen da ist", sagt seine Cousine, die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. "Und das macht ihn so besonders."

“Ein hinhörender, nicht spaltender Bischof”

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Eine "gute Wahl", kommentiert denn auch der als kritisch bekannte Kirchenrechtler Thomas Schüller aus Münster. "Bätzing ist ein hinhörender, nicht spaltender Bischof, der sich entschieden für Reformen einsetzt." Ebenso sieht es der Kirchenexperte Andreas Püttmann: "Das ist eine gute Wahl. Ein Generationswechsel zu einer verbindlichen Persönlichkeit, die sich in Limburg sehr gut bewährt hat."

Es gibt wohl nur ein Spitzenamt in Deutschland, das auf solche Weise besetzt wird der Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz. Offizielle Kandidaten? Bewerbungsreden? Fehlanzeige! Die 68 stimmberechtigten Bischöfe schritten am Dienstag in Mainz einfach zur Wahl und schrieben einen Namen auf ihren Stimmzettel. Von daher hatte es etwas von einer Papstwahl.

Kandidaturen und Diskussionen erübrigen sich, weil die Bischöfe stattdessen auf den Heiligen Geist vertrauen. Bätzing drückte es so aus: "Der liebe Gott spielt halt einfach auch eine Rolle, es ist nicht nur eine Wahl nach demokratischen Gesichtspunkten, sondern es ist auch ein Fingerzeig, wo Gott uns als Bischöfe fordert."

Ein Brückenbauer in Limburg

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Warum haben sich die Bischöfe nun ausgerechnet für den Limburger entschieden? Zum einen ist er ein Brückenbauer, ein Versöhner und Zusammenführer. Das hat er in Limburg bewiesen, wo Tebartz-van Elst verbrannte Erde hinterlassen hatte. Genau die Qualitäten, die Bätzing dort in den vergangenen vier Jahren unter Beweis gestellt hat, sind nun auch in der tief gespaltenen Bischofskonferenz gefragt. Bätzing gab am Montag offen zu, dass die Meinungen in dem Gremium "sehr disparat sind und auseinanderklaffen". Nach sechs Jahren Marx, der eher Durchboxer als Moderator war, setzten viele Bischöfe wohl bewusst auf Veränderung.

Bätzing gilt aber nicht nur als guter Vermittler, sondern auch als überzeugter Reformer. Das ist von großer Bedeutung, weil sich die katholische Kirche in Deutschland mitten in einem Erneuerungsprozess befindet: Als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal hat sie sich auf einen Synodalen Weg gemacht. In einer Synodalversammlung, die Ende Januar erstmals in Frankfurt am Main zusammentrat, beraten die deutschen Bischöfe dabei regelmäßig auf Augenhöhe mit ganz normalen Gläubigen, den sogenannten Laien. Es geht um alle brisanten Themen der Kirche: den Umgang mit Macht, die überkommene Sexualmoral, die stark benachteiligten Frauen - die keine Priester werden dürfen - und den Zölibat, die vorgeschriebene Ehelosigkeit der Geistlichen.

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Kirche brauche Veränderung

Bätzing bekannte sich am Montag sehr klar zu diesem Weg: "Dafür stehe ich ganz und gar", sagte er. Die Kirche brauche Veränderungen. Bätzing ist hier auch nicht als Schönredner aufgefallen. Der Leiter der katholischen Karl-Rahner-Akademie, Norbert Bauer, sagt über ihn: "Als Verantwortlicher für Forum "Sexualität" beim Synodalen Weg hat Bischof Bätzing betont, wie groß der Dissens in diesen Fragen ist. Er hat keine Einigkeit behauptet, wo es keine gibt. Das könnte eine gute Voraussetzung sein, den Dialog innerhalb der Kirche in Deutschland kontrovers und konstruktiv weiterzuführen."

Ist der freundliche Bätzing aber auch hart genug für den Job? Ebenso wie ein Landespolitiker, der nach Berlin wechselt, braucht jetzt auch der Limburger härtere Bandagen. In den vergangenen Jahren ist es zum Beispiel mehrfach so gewesen, dass die Traditionalisten, die in der Bischofskonferenz klar in der Minderheit sind, Abstimmungsergebnisse nicht einfach akzeptierten. Stattdessen fuhren sie nach Rom und versuchten dort, den Papst auf ihre Seite zu ziehen. Das hat Marx enorm geärgert. Von der römischen Kurie - der Zentralverwaltung im Vatikan - wird der deutsche Reformprozess höchst misstrauisch verfolgt.

Bätzing sagte am Montag, er wisse, dass für den Job "ein starkes emotionales Gerüst vonnöten" sei. Kirchenkenner Schüller zweifelt nicht daran, dass der Neue damit ausgestattet ist: "Er ist Westerwälder und lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen."

RND/dpa

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