Kretschmer und Verschwörungstheoretiker: Warum begibt er sich auf dieses Niveau?

  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sucht im Zuge der Corona-Krise das Gespräch mit Bürgern.
  • Das ist prinzipiell nicht falsch.
  • Allerdings sollte er sich nicht auf das Niveau von Aluhutträgern hinabbegeben, findet Markus Decker.
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Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich zuletzt zweimal unters Volk gemischt. Zunächst tauchte er im Freizeitdress ohne Maske und Einhaltung von Abstandsregeln in Dresden auf und stellte sich Wutbürgern.

Wenige Tage später folgte ein Besuch in Pirna, wo sich dem CDU-Politiker – jetzt mit Anzug, Krawatte und Mundschutz – ein Mann mit Aluhut aufdrängte. Auch ihm wollten die Corona-Einschränkungen partout nicht einleuchten.

Man muss Kretschmer Respekt zollen – einerseits. Er ging auch schon im Landtagswahlkampf dahin, wo es wehtut, wo Zorn aufbrandete, etwa wegen der Flüchtlingspolitik, und wo andere Ministerpräsidenten nicht sichtbar sind – zumindest nicht öffentlich. Im Zweifel ist es sicher besser, mit Menschen zu reden, als es nicht zu tun.

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Andererseits bewegt sich Kretschmer in einem Grenzbereich. Der Mann in Pirna trug neben dem Aluhut ein T-Shirt mit der Pegida-Parole “Wir sind das Volk” und einen Aufkleber mit der Verschwörungstheoretikerformel “Gib Gates keine Chance”. Zudem ist auf dem Video zu sehen, dass er Kretschmer teilweise gar nicht zuhörte und einen, der ihm widersprach, mit den Worten “Was bist’n du für ein Vollidiot?” anfuhr.

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Auf so ein Niveau sollte sich ein Regierungschef nicht hinabbegeben. Es setzt die falschen Anreize, weil der Eindruck entsteht, man müsse nur krudes Zeug reden, um gehört zu werden. Und es überblendet völlig, dass das Vertrauen in Politik und Medien im Zuge der Corona-Krise eher zu- als abgenommen hat und die Zahl der Protestler überschaubar ist.

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Wenn Politiker jetzt irgendwo hingehen sollten, dann dorthin, wo durch die Krise konkrete Probleme entstehen: bei alleinerziehenden Müttern, Hotelbesitzern oder Kulturschaffenden. Das wäre gerecht und angemessen. Ein Beitrag zur Stärkung der Demokratie wäre es obendrein.

RND

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