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Verkürzte Sommerferien? Schäuble-Vorschlag stößt auf Ablehnung

  • Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat in einem Interview eine Verkürzung der Sommerferien wegen der Corona-Krise ins Spiel gebracht.
  • In den Bildungsministerien der Bundesländer stößt der Vorschlag vor allem auf Ablehnung.
  • Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) spricht von einer “Diskussion zur Unzeit”.
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Berlin. Die Bildungsministerien mehrerer Bundesländer und die Lehrergewerkschaft GEW haben Wolfgang Schäubles Vorschlag, die diesjährigen Sommerferien zu verkürzen, eine Absage erteilt. “Das ist eine Diskussion zur Unzeit”, sagte Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Freitag. “Diesen Vorschlag können wir im Moment nicht gebrauchen. Derzeit arbeiten Ministerien, Träger und Lehrkräfte unter Hochdruck daran, dass die Schulen ab dem 4. Mai schrittweise wieder öffnen können.” Ab einem gewissen Zeitpunkt lasse sich erkennen, ob Schülerinnen und Schüler Lerndefizite haben. “Auf diese muss dann im neuen Schuljahr reagiert werden.” Ähnlich hatte sich zuvor auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, geäußert.

Der bayerische Bildungsminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in München: “Ich persönlich möchte an die Ferien nicht rangehen. Wichtig ist es, sich um die anliegenden Aufgaben zu kümmern und Eltern und Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu unterstützen.”

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Die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) versicherte ebenfalls, es gebe im NRW-Schulministerium keine Erwägungen, die Ferien zu verkürzen. “In NRW gibt es ein ordentliches Abitur und termingerechte Ferien. Das ist die Rückkehr zur verantwortungsvollen Normalität”, sagte Gebauer. Eine Änderung der bestehenden Regelung sei ohnehin nicht ohne Weiteres möglich. “Diese müsste von den Ländern in der Kultusministerkonferenz (KMK) vereinbart werden.”

Planungssicherheit für Schüler, Lehrer und Unternehmen

Auch Schleswig-Holstein will nicht am Ferienzeitplan rütteln. Eine Verkürzung oder eine Verschiebung der Ferien stehe für das Bildungsministerium derzeit nicht zur Debatte, sagte ein Ressortsprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich äußerte sich auch Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Schüler, Lehrer und Unternehmen brauchten Planungssicherheit. Zwar werde über freiwillige Angebote diskutiert. “Aber eine generelle Verkürzung oder Verschiebung steht nicht an”, so der Minister.

Tullners Chef, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), hat sich dagegen offen für eine Verkürzung der Sommerferien gezeigt. “Es gibt gute Argumente, die dafür sprechen”, sagte er am Freitag der “Mitteldeutschen Zeitung”. Derzeit könne er zwar nicht vorhersagen, was passiere, ausschließen könne er eine Verkürzung jedoch nicht. Er halte diese für “in Teilen geboten”.

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Auch KMK-Vorsitzende lehnt Schäuble-Vorstoß ab

Auf Ablehnung stieß Schäubles Vorstoß auch bei der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), die derzeit außerdem Vorsitzende der Kultusministerkonferenz ist. “Für Rheinland-Pfalz steht eine Verkürzung der Sommerferien derzeit nicht zur Diskussion”, sagte Hubig. In der Kultusministerkonferenz (KMK) gehe es jetzt darum, wie der Wiedereinstieg an den Schulen stufenweise gestaltet werde, sagte die KMK-Vorsitzende. Es sei Sache der einzelnen Bundesländer, die Frage kürzerer Sommerferien für sich zu klären – “gerade auch, weil die Ferienzeiten unterschiedlich sind”.

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Schäuble warf in einem Interview der Zeitung “Augsburger Allgemeine” die Frage auf, “die Schulferien in der Sommerzeit etwas zu verkürzen”. Ein solcher Schritt böte Schülern die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen. Auch sei es im Moment “unklar, wann und wie man im Sommer verreisen kann“. Daher könne er diejenigen verstehen, “die sich fragen, wie sie da noch sechs Wochen Sommerferien organisieren sollen”.

RND/feh/dpa

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