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Ansturm auf Sparangebot

Verkaufsstart 9-Euro-Ticket: „Verkehrsunternehmen könnten in die Bredouille geraten“

Viele Verkehrsbetriebe haben den Vorverkauf für das 9-Euro-Ticket aufgenommen. Ab dem 1. Juni gilt der Spartarif für den Nahverkehr dann bundesweit.

Berlin. Am Montagmorgen hat die Deutsche Bahn den Verkauf des bundesweit geltenden 9-Euro-Tickets gestartet. Die Nachfrage ist riesig und sorgte zeitweise für überlastete Server. Auch regionale Verkehrsunternehmen berichten von sechsstelligen Verkaufszahlen. Um ebenjene Verkehrsunternehmen sorgt sich jetzt aber ausgerechnet der Fahrgastverband Pro Bahn, der sonst eigentlich die Interessen der Passagiere vertritt. Denn die Branche muss sowohl das erwartet große Fahrgastaufkommen bewältigen als auch tiefer in die Tasche greifen.

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Ist Autofahren heilbar? Warum das 9‑Euro-Ticket das Land verändern könnte

Für kleines Geld in Bus und Bahn durch Deutschland: Das 9-Euro-Ticket kommt. Die Bundesregierung will mehr Menschen von den Vorzügen des öffentlichen Nahverkehrs überzeugen. Das Problem ist nur: Der ÖPNV hat zurzeit wenig Vorzüge. Trotzdem kann die Lockaktion das Land verändern, glaubt RND-Autor Imre Grimm.

„Wir haben da Verständnis für die Unternehmen. Die können ja auch nicht eben die Bahnhöfe ausbauen, um längere Züge fahren lassen zu können. Und durch die finanzielle Mehrbelastung könnten die Unternehmen auch in die Bredouille geraten“, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende Andreas Schröder dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Nicht der Preis ist entscheidend

So mahnt Pro Bahn etwa die kurzfristige politische Entscheidung pro Billigticket an. Denn erst am vergangenen Freitag hatte der Bundesrat abschließend über die Entlastungsmaßnahme entschieden. „Mehr Planungszeit ist nötig, um Fahrpläne und Kapazitätsangebot auf das 9-Euro-Angebot zu optimieren“, sagte Schröder. Außerdem dürfe das Angebot nicht über andere Probleme hinwegtäuschen: „Noch besser sind dauerhafte Verbesserungen durch langfristige Investitionen in die Qualität des Angebots.“ So müsse mehr in Sachen Pünktlichkeit, Sauberkeit und Sicherheit getan werden. „Denn ich glaube nicht, dass für viele Menschen nur der Preis ausschlaggebend ist“, so der stellvertretende Fahrgastverbands-Chef. Das 9-Euro-Ticket sei aber dennoch eine einmalige Chance, für Bus und Bahn neue Fahrgäste zu gewinnen, die es bestmöglich zu nutzen gilt.

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Wie viele 9-Euro-Tickets bundesweit bereits verkauft wurden, ist derzeit noch unklar, genau Zahlen lägen dazu bislang nicht vor, erklärte der Verband deutscher Verkehrsunternehmen auf RND-Anfrage. Der Verband gehe aber natürlich von einem erhöhten Fahrgastaufkommen durch das ermäßigte Ticket aus. Grund zur Panik sieht Verbandspräsident Ingo Wortmann jedoch nicht. In den Großstädten und Ballungsräumen läge die aktuelle Auslastung bei 80 Prozent der Prä-Covid-Zeit, insgesamt sei die Branche zu 70 Prozent ausgelastet. „Zur Nachfragespitze, die wir vor der Pandemie hatten, haben wir also durchaus noch etwas Luft.“

Definitiv nicht wirtschaftlich

Ganz ohne Sorge ist Wortmann allerdings auch nicht. Denn wo sich Verbraucher freuen, bedeutet die Entlastungsmaßnahme Belastung für die Verkehrsunternehmen: „Wirtschaftlich ist das aus Sicht der Branche definitiv nicht. Das heißt, dass wir ab September wieder zu den ursprünglichen Ticketpreisen und Rahmenbedingungen im Nahverkehr zurückkehren müssen, denn auch bei uns in den Unternehmen steigen die Kosten“, sagte Wortmann dem RND.

Deutsche Bahn verkauft 200.000 in den ersten Stunden

„Wir erleben gerade einen historisch großen Zugriff auf unsere Vertriebssysteme“, sagte DB-Regio-Chef Jörg Sandvoß auf einer Pressekonferenz am Montagmittag. Bis zu diesem Zeitpunkt habe die Deutsche Bahn schon 200.000 9-Euro-Tickets an die gewillten Nahverkehrskunden bringen können. „Das Ticket hat offensichtlich einen Nerv getroffen. Die Kunden wollen das Ticket“, verkündete Sandvoß freudig.

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Was genau auf den Nahverkehr der Deutschen Bahn zukommt, vermochte Sandvoß jedoch nicht abzuschätzen: „Wir haben keinen blassen Schimmer. Wir wissen es nicht. So etwas gab es noch nie. Wir wissen nicht, wie viele Tickets es werden und wie viele Fahrgäste es werden. Jede Prognose, die ich abgeben würde, wäre falsch, und deshalb sind wir alle total gespannt, was auf uns zukommt“, sagte der Vorstandsvorsitzende der DB-Regio.

Fakt ist aber, dass die Deutsche Bahn vorsichtshalber alles auf die Schiene schickt, was der Fuhrpark hergibt. So sollen ab dem 1. Juni 50 zusätzliche Züge, die sonst als Reserve zurückgehalten werden, den Nahverkehr verstärken. Das seien nach Angaben von Sandvoß und der Deutschen Bahn 250 Fahrten und 60.000 Sitzplätze mehr pro Tag. Auch 700 zusätzliche Service- und Sicherheitsmitarbeiter sollen dann im Einsatz sein.

Große Nachfrage in Hamburg und Berlin

Auch bei den regionalen Anbietern ist die Nachfrage groß. Die Berliner Verkehrsbetriebe hatten bereits am Freitag kurz nach dem Bundesratsentscheid pro 9-Euro-Ticket mit dem Verkauf begonnen, hieß es von Unternehmensseite auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Bis Sonntagnacht gingen in der Hauptstadt insgesamt 130.000 Fahrkarten über die reale und virtuelle Ladentheke. Im Norden der Republik verkaufte der Hamburger Verkehrsverbund im gleichen Zeitraum 126.500 Tickets. In München begann der Verkauf erst am Montag, am ersten Tag wurden rund 20.000 Fahrkarten verkauft.

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