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  • Vergiftung von Alexej Nawalny: Laut Bericht acht russische Geheimagenten beteiligt

Bericht: Mutmaßlich acht russische Geheimagenten an Nawalnys Vergiftung beteiligt

  • Der russische Kremlkritiker Alexej Nawalny wurde im August mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet.
  • Recherchen von unter anderem „Spiegel“ und „CNN“ zufolge waren wahrscheinlich acht Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB an dem Anschlag beteiligt.
  • Zwei der FSB-Mitarbeiter sollen zudem Einheiten angehören, die bereits in der Vergangenheit mit Giftmorden in Verbindung gebracht wurden.
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Berlin. Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny wurde möglicherweise durch Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB vergiftet. Das berichtet der „Spiegel” unter Berufung auf gemeinsame Recherchen mit den Investigativplattformen Bellingcat und The Insider sowie dem US-Nachrichtensender CNN. Dem Bericht zufolge machten die Medien mindestens acht FSB-Mitarbeiter ausfindig, die wahrscheinlich an der Operation teilnahmen. Auf eine Anfrage des „Spiegels” antworteten die Betreffenden nicht.

Alexej Nawalny wurde im August Opfer eines Anschlags mit dem Nervengift Nowitschok. Nachdem er während eines Fluges aus Sibirien Richtung Moskau zusammengebrochen war, wurde er zur Behandlung in die Berliner Charité gebracht.

Nawalny seit Jahren unter Beobachtung

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Der „Spiegel” und seine Partner werteten unter anderem Mobilfunkverbindungen, GPS- und Standortdaten von FSB-Mitarbeitern aus und kamen zu dem Ergebnis, dass die Agenten Nawalny offenbar bereits seit 2017 observieren. Die Auswertung von Passagierlisten russischer Fluglinien habe ergeben, dass die Agenten immer wieder zu Nawalnys Reisezielen flogen, wo sie ihn wahrscheinlich beobachteten.

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Charité: Nawalny aus stationärer Behandlung entlassen
1:03 min
Im Fall „Nawalny“: Laut Krankenhausmitteilung ist Kreml-Kritiker Alexej Nawalny am Dienstag aus der stationären Behandlung in Charité entlassen worden.  © Reuters

Zwei der FSB-Mitarbeiter gehören den Recherchen zufolge Einheiten an, die in der Vergangenheit mit Giftmorden in Verbindung gebracht wurden. Einer von ihnen soll regelmäßig mit Laboren kommuniziert haben, die mit dem Nowitschok-Programm Russlands in Verbindung stehen.

Laut Bericht wurde im Vorfeld von Nawalnys Flugreise im August zudem reger Telefonverkehr zwischen den FSB-Mitarbeitern festgestellt. Außerdem sei das Handy eines der Agenten in der Nähe von Nawalnys Hotel im sibirischen Tomsk geortet worden. Nawalny selbst hatte gegenüber dem „Spiegel” von auffälligen Zwischenfällen in der Hotelbar am Abend vor seiner Abreise berichtet – unter anderem habe der Barkeeper ihm sein gewünschtes Getränk verwehrt, ihm aber einen anderen georderten Drink serviert.

Wie der „Spiegel” weiter berichtet, wurden weitere Telefonverbindungen zwischen den Agenten unmittelbar nach Nawalnys Verlassen der Bar festgestellt werden. Während des Fluges am nächsten Tag brach Nawalny zusammen.

Dem Bericht zufolge gibt es auch Hinweise darauf, dass es bereits mehrere Giftanschläge auf Nawalny und seine Frau gegeben hat.

Russland weist Verwicklung in Nawalnys Vergiftung immer wieder zurück

Russland wies mehrmals eine Verwicklung in den Fall zurück und betonte, dass alle staatlichen Nowitschok-Bestände vernichtet worden seien, das Rezept aber längst auch im Westen bekannt sei. Der Fall hat die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau erheblich belastet.

Kremlchef Wladimir Putin hatte erst am Donnerstag gesagt, er sehe noch keine Voraussetzungen für Ermittlungen in Russland. Moskau wolle erst ermitteln, wenn es Beweise für ein Verbrechen gebe. Bislang seien sie aber nicht aus dem Ausland vorgelegt worden, meinte Putin. “Auch wenn eine Person fast gestorben ist, heißt das nicht, dass man in jeden Fall ein Strafverfahren eröffnen muss.”

RND/lhen



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