Vergewaltigungsvorwurf: Juristische Schlappe für Trump

  • Die Autorin E. Jean Carroll wirft dem US-Präsidenten vor, sie in den 1990er Jahren vergewaltigt zu haben.
  • Weil Trump sie mehrmals als Lügnerin bezeichnet hatte, reichte sie eine Verleumdungsklage ein.
  • Trumps Anwälte wollten dagegen mit einem juristischen Manöver vorgehen - und scheiterten damit krachend.
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Washington. US-Präsident Donald Trump ist in einem Fall um einen Vergewaltigungsvorwurf einer Autorin mit einem juristischen Manöver gescheitert. Ein Bundesrichter wies am Dienstag einen Antrag des Justizministeriums ab, wonach die Vereinigten Staaten als beklagte Partei fungieren sollten und nicht Trump als Privatperson.

Die Kolumnistin E. Jean Carroll wirft dem Präsidenten vor, sie in den 1990er Jahren in einem Kaufhaus in Manhattan vergewaltigt zu haben. Sie hat eine Verleumdungsklage gegen Trump eingereicht, weil er sie als Lügnerin darstellte.

Für ihren ungewöhnlichen Schachzug beriefen sich Regierungsanwälte auf ein Gesetz, das Bundesbeamte vor privaten Klagen für Taten schützt, die sie im Rahmen ihrer Beschäftigung begangen haben. Denn Trump habe in seiner Reaktion auf die Klage von Carroll beweisen müssen, dass er seinem Amt körperlich und geistig gewachsen sei, so das Argument des Justizministeriums.

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Laut Klage wurde sie im Kaufhaus vergewaltigt

Doch befand Bezirksrichter Lewis Kaplan nun, dass das Gesetz nicht für einen Präsidenten gelte. Und selbst wenn doch, würde sich Trump mit seinen öffentlichen Dementis des Vergewaltigungsvorwurf außerhalb des Rahmens seiner Amtsausübung bewegen. Carrolls Anwälte ergänzten, dass es „nur in einer übergeschnappten Welt irgendwie präsidial“ sei, wenn Trump eine Frau verleumde, an der er sich vergangen habe.

Carroll schrieb lange Zeit Ratgeberkolumnen für die US-Version des Magazins „Elle“. Laut ihrer Klage sollen sie und Trump sich im Herbst 1995 oder im Frühling 1996 zufällig in einem Kaufhaus begegnet sein und einander erkannt haben. Sie hätten erst über ein durchsichtiges Kleidungsstück geplaudert und seien dann zu einer Umkleidekabine gegangen, als Trump sie gegen die Wand gedrückt und sie vergewaltigt habe.

Trump warf Carroll vor, „total zu lügen“, um den Verkauf ihrer Memoiren anzukurbeln. Er kenne sie gar nicht. Allerdings sind er und Carroll auf einem Foto von 1987 mit ihren damaligen Partnern zu sehen. Trump sagte dazu, das Bild sei entstanden, als er Schlange gestanden habe. Neben nicht näher beziffertem Schadenersatz und einem Widerruf von Trumps Äußerungen verlangt Carroll eine DNA-Probe vom Präsidenten. So könne ermittelt werden, ob sie zu Genmaterial passe, das auf einem Kleid gefunden wurde, das sie während des angeblichen Übergriffs getragen habe.

RND/AP

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