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Verbot von Therapien gegen Homosexualität – warum erst jetzt?

  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Behandlungen gegen Homosexualität per Gesetz verbieten.
  • Der CDU-Politiker will Verstöße mit hohen Bußgeldern oder bis zu einem Jahr Haft ahnden.
  • Dieses Gesetz war lange überfällig, kommentiert Rasmus Buchsteiner.
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Berlin. Man muss sich nur einmal diese Erfahrungsberichte durchlesen. Sie handeln von dubiosen, selbst ernannten Therapeuten, die Homosexualität verdammen, zur Krankheit erklären und „Heilung“ versprechen. Sie berichten von Scham und Schuldgefühlen, die Schwulen und Lesben eingeredet werden. Sie dokumentieren krudes Religionsverständnis, Bevormundung, Zerrüttung, Zwang und innere Konflikte, nicht selten auch Depressionen und Suizidgedanken.

Das alles ist schaurig, geradezu zum Verzweifeln. Es wirkt wie Mittelalter – und nicht wie 2019. Die Frage ist also nicht, ob es richtig ist, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn diese scheußlichen Therapien, die nachweislich großes Leid mit sich bringen, per Gesetz verbieten möchte. Die Frage ist vielmehr, warum das in einer aufgeklärten Gesellschaft wie der unseren nicht schon längst geschehen ist.

„Lange überfällig“

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Es ist die Folge einer Politik, die nicht wissen wollte, wozu diese angeblichen Therapien führen. Dieser Gesetzentwurf und die in ihm enthaltenen Strafvorschriften waren lange überfällig.

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Zu wünschen wäre sicherlich ein Komplettverbot gewesen. Dass es nicht im Entwurf steht, ist die Folge einer Abwägung des Gesundheitsministers. Natürlich ist der Gesetzgeber immer gehalten, verhältnismäßig zu handeln, nicht ins Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen einzugreifen, wo dies nicht unbedingt geboten ist. Nur was bedeutet das alles beim Thema Konversionstherapien? Wo endet die Fürsorgeverpflichtung des Staates? Und wo beginnt die Verantwortung des Individuums? Die Frage, ob tatsächlich der Nachweis erbracht werden kann, dass ein 16-Jähriger oder eine 16-Jährige die seelischen Folgen einer solchen Therapie überblickt, bevor er oder sie die Einwilligung erteilt, sollte im Gesetzgebungsverfahren noch einmal gründlich beleuchtet werden.

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