• Startseite
  • Politik
  • Venezolanisches Kriegsschiff “Naiguata” rammt deutsches Kreuzfahrtschiff und sinkt

Venezolanisches Marineboot rammt deutschen Kreuzfahrer – und sinkt

  • Ein Kriegsschiff der Marine Venezuelas soll ein deutsches Kreuzfahrtschiff beschossen und gerammt haben.
  • Das Patrouillenboot ist anschließend offenbar vor der Karibikinsel Tortuga gesunken.
  • Während dieses Dramas steigen die Spannungen in der Region: Die USA schicken Militär, um Drogenlieferungen abzufangen.
|
Anzeige
Anzeige

Caracas. Offenbar um es von seinem Kurs abzubringen, hat ein Militärboot der venezolanischen Marine das unter portugiesischer Flagge fahrende deutsche Kreuzfahrtschiff “RCGS Resolute” angeschossen und gerammt. Das teilte die Hamburger Reederei Columbia Cruise Service (CCS) mit. Demnach sei das Patrouillenboot “Naiguata” nach der Aktion gesunken.

Die Aktion ereignete sich nach Reedereiangaben in den frühen Morgenstunden des 30. März 2020 (Ortszeit) in internationalen Gewässern, etwa 13,3 Seemeilen von der Insel Tortuga entfernt. An Bord waren 32 Besatzungsmitglieder und keine Passagiere.

Das Schiff soll sich auf einer Leerfahrt zum Zielort Willemstad (Curaçao) befunden und routinemäßige Motorwartungen durchgeführt haben. Kurz nach Mitternacht habe sich das venezolanische Marineschiff genähert und die Schiffsführung der “RCGS Resolute” aufgefordert, ihm nach Puerto Moreno auf die Insel Margarita zu folgen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Steuerbordbug gerammt

Der Kapitän habe daraufhin die Zentrale verständigt, da es sich hier um eine schwerwiegende Abweichung von der geplanten Schiffsroute gehandelt hätte. In diesem Augenblick seien Schüsse gefallen und das Marineschiff habe den Steuerbordbug der “RCGS Resolute” gerammt. Es sei offensichtlich gewesen, dass das Marineschiff versucht habe, den Kopf des Schiffes in Richtung venezolanische Hoheitsgewässer zu drehen.

Allerdings ist das Kreuzfahrtschiff ein Schiff der sogenannten Eisklasse. Es erlitt nur geringfügige Schäden.

Anzeige

Anders sah es für die Militärs aus. Das Patrouillenboot schlug leck und lief voll Wasser. Es ist offenbar gesunken. “Die ‘RCGS Resolute’ war jederzeit bereit, Unterstützung zu leisten”, teilte die Reederei mit. Sie sei über eine Stunde lang in der Nähe des Einsatzortes geblieben und habe den Vorfall dem Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) in Curaçao gemeldet. “Versuche, mit den Personen an Bord des Marineschiffes Kontakt aufzunehmen, blieben unbeantwortet.”

Anzeige

Nachdem das MRCC die Anweisung erteilt habe, die Passage mit voller Kraft voraus fortzusetzen, und mitgeteilt habe, dass keine weitere Hilfe benötigt würde, setzte das Kreuzfahrtschiff seine Fahrt nach Curaçao fort. Es sei sicher im Hafen von Willemstad vertäut.

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro nannte den Vorfall “einen Akt des Terrorismus und der Piraterie”. Er ordnete eine Untersuchung an. “Wenn es ein Touristenschiff gewesen wäre, hätte es nicht den Anschein gemacht, angreifen zu wollen”, zitieren ihn südamerikanische Medien.

In einer offiziellen Mitteilung der venezolanischen Regierung wurde das portugiesische Schiff als illegal bezeichnet. “Die venezolanischen Staatsbehörden schließen nicht aus, dass es sich um ein Schiff handelt, das Söldner transportierte, um Militärstützpunkte in Venezuela anzugreifen”, heißt es.

Der Vorfall ereignete sich in einer spannungsgeladenen Zeit in der Region. Maduro ist in den USA wegen organisierten Drogenschmuggels angeklagt. Die Amerikaner verschärfen die Gangart gegenüber dem südamerikanischen Land.

Präsident Donald Trump kündigte am Mittwoch (Ortszeit) an, die USA würden mehrere Kriegsschiffe und Überwachungsflugzeuge in die Nähe der venezolanischen Küste entsenden, um Drogenlieferungen aufzuhalten. Es ist eine der größten Militäroperationen der USA in der Region seit der Invasion von Panama 1989, durch die damals Machthaber Manuel Noriega gestürzt wurde.

Anzeige

Maduros Kommunikationsminister Jorge Rodriguez bezeichnete den Militäreinsatz als verzweifelten Versuch der USA, von der “humanitären Krise” durch die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus im eigenen Land abzulenken. Interessant sei auch, dass die US-Regierung gerade jetzt erstmals seit Jahrzehnten versuche, Kokainlieferungen zu stoppen, die ohnehin vor allem aus Kolumbien kämen, einem Verbündeten der USA.

Maduro hatte den USA bereits gedroht, unerbittlich zurückzuschlagen, sollten sie es wagen, mit Unterstützung Kolumbiens in seinem Land einzumarschieren. Trump bezeichnete er als “rassistischen Cowboy”, der nur vorhabe, sich die größten Ölreserven der Welt, jene Venezuelas, zu sichern. Die USA hingegen werfen Maduro vor, sich durch eine illegitime Wahl an der Macht gehalten zu haben. Die USA erkennen ebenso wie Deutschland und Dutzende weitere Staaten Maduros Rivalen Juan Guaidó als Übergangspräsidenten Venezuelas an.

“Das venezolanische Volk leidet weiter extrem wegen Maduro und seiner kriminellen Kontrolle über das Land, und Drogenschmuggler profitieren von dieser Gesetzlosigkeit”, sagte US-Verteidigungsminister Mark Esper bei der Pressekonferenz im Weißen Haus. Die USA hätten bei ihrer Operation in der Karibik und im östlichen Pazifik die Unterstützung von 22 Partnerstaaten.

Durch diese wird die Stärke der Anti-Drogen-Einheiten der USA in der westlichen Hemisphäre nahezu verdoppelt. Teil des Einsatzes sind mehrere Kriegsschiffe der Marine, Awacs-Überwachungsflugzeuge und Spezialeinheiten am Boden, die bisher in dieser Weltregion so gut wie nie aktiv waren.

RND/mit AP

Anzeige
Video
Maduro bezeichnet Trump als “rassistischen Cowboy”
1:24 min
Die USA haben eine Belohnung von bis zu 15 Millionen US-Dollar ausgesetzt für Informationen, die zur Verhaftung von Maduro führen.  © Thoralf Cleven/Reuters
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen