Klimawandel: Plötzlich ein brennendes Thema im US-Wahlkampf

  • Das Feuerinferno im Westen und die Hurrikans im Süden der USA rücken plötzlich den Klimawandel in den Fokus des amerikanischen Wahlkampfs.
  • Während Präsident Donald Trump nur spöttelt, versprechen die Demokraten ein 2-Billionen-Dollar-Programm.
  • Herausforderer Joe Biden nennt Trump einen Klimabrandstifter.
|
Anzeige
Anzeige

Der Zwischenstopp im Katastrophengebiet dauerte gerade mal anderthalb Stunden, und an neuen Erkenntnissen war Donald Trump sichtbar nicht interessiert. “Es wird anfangen, kühler zu werden. Schauen Sie einfach zu“, riet er spöttelnd dem kalifornischen Umweltminister Wade Crowfoot, dessen Bundesstaat von katastrophalen Waldbränden heimgesucht wird. “Ich wünschte, die Wissenschaft würde Ihnen zustimmen“, konterte dieser. “Ich denke nicht, dass die Wissenschaft es wirklich weiß“, wiegelte der Präsident ab.

Donald Trump hält die von Menschen verursachte globale Erderwärmung für ein Märchen und das derzeitige Feuerinferno im Westen der USA allenfalls für eine Ablenkung von seiner Präsidentschaftskampagne. Doch die wochenlangen Waldbrände, die ein Gebiet von der Größe von Rheinland-Pfalz verwüstet und Hunderttausende Menschen in die Flucht trieben, und auch die Hurrikans, die immer häufiger die Golfküste im Südosten terrorisieren, rücken den Klimawandel plötzlich in den Fokus eines Wahlkampfes, der sich bislang ganz um die Corona-Pandemie, die Wirtschaft und die Innere Sicherheit zu drehen schien.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

“Ereignisse, die uns sonst einmal in jeder Generation heimsuchten, passieren nun jedes Jahr“, sagte der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden: “Die unbestreitbare, zunehmende, sträfliche Realität“ der Klimawandels erfordere “handeln, nicht leugnen“. Biden hatte kurz vor Trumps Besuch in Kalifornien eine Pressekonferenz angesetzt, die er ganz dem Thema widmete. Zwar wollte er den Präsidenten, den er einen Klimabrandstifter nannte, nicht persönlich für die Häufung von Naturkatastrophen verantwortlich machen, warnte aber: “Wenn er eine zweite Amtszeit bekommt, werden diese höllischen Ereignisse noch häufiger, noch zerstörerischer und noch tödlicher werden.“

Anzeige

Drei Wochen lang hatte Trump zu den Waldbränden in Kalifornien, Oregon und Washington komplett geschwiegen. Einen Reporter, der sich erkundigte, warum er das Katastrophengebiet nicht früher besuchte, rüffelte er am Montag für diese “widerwärtige Frage“. Die Feuer führt der Präsident allein auf schlechtes Forstmanagement zurück: Abgestorbene Bäume seien nicht aus dem Wald entfernt worden und würden nach einer Trockenperiode nun wie Streichhölzer brennen. Für die Versäumnisse macht er den demokratisch regierten Bundesstaat Kalifornien verantwortlich.

Trump hat zahlreiche Umweltgesetze gekippt

Anzeige

Experten räumen ein, dass die mangelnde Waldbewirtschaftung die Brände beschleunigt. Allerdings wies der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom darauf hin, dass nur 3 Prozent des Landes unter Kontrolle seines Staates stehen. 57 Prozent gehören dem Bund. Vor allem aber ist sich die überwiegende Zahl der Wissenschaftler einig, dass der Klimawandel Extremwetter wie die Rekordhitzeperiode und Starkwinde befördert, die den zerstörerischen Flammen derzeit Nahrung geben. “Alles, was wir in der Vergangenheit unterlassen haben, rächt sich nun in der Gegenwart“, sagte der Umweltforscher und Buchautor Char Miller der “Washington Post”.

Video
Video-Blog zur US-Wahl: Staaten in Flammen
4:54 min
Die Waldbrände im Westen der USA heizen den Wahlkampf an. Wie Trump und Biden damit umgehen, analysiert RND-Korrespondent Karl Doemens in seinem Video-Blog.  © RND

Tatsächlich hat Trump in seiner Amtszeit frühere Umweltgesetze aggressiv zurückgenommen. Unter anderem lockerte er die Energieeffizienzstandards für Autos, hob die Grenzwerte für Emissionen von Kraftwerken an, kippte die Widerspruchsmöglichkeiten von Bürgern gegen umweltschädliche Vorhaben in ihrer Nachbarschaft, erlaubte das Off-Shore-Drilling und öffnete vorher gesperrte Gegenden in Nationalparks für die Öl- und Gas-Erkundung. “Trump leitet ein Zerstörungsrennen gegen unsere Umwelt, das stoppen muss“, sagte der ehemalige kalifornische Gouverneur Jerry Brown, ein Pionier der amerikanischen Umweltgesetzgebung.

“Wir müssen als Nation handeln“, forderte Biden. Er versprach ein 2-Billionen-Dollar Programm für den Umstieg auf erneuerbare Energien, den Bau von 500.000 Ladestationen für Elektroautos und die Senkung des CO₂-Ausstoßes auf null im Energiesektor bis 2035. Noch weitreichendere und umstrittenere Forderungen im Green New Deal der Parteilinken erwähnte der Präsidentschaftskandidat jedoch nicht.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen