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US-Republikaner besorgt über Impfskepsis in eigener Wählerschaft

  • Der republikanischen Partei in den USA bereitet die Impfskepsis innerhalb ihrer Wählerschaft Sorgen.
  • Demokraten lassen sich Umfragen zufolge häufiger impfen als Republikaner.
  • Mediziner haben sich nun im US-Kongress zusammengetan, um für die Corona-Impfung zu werben.
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Washington. Mediziner unter den Republikanern im US-Kongress haben sich in Sachen Corona zusammengetan – für einen Appell an Impfskeptiker.

Denn Anhänger der Partei verweigern sich Umfragen zufolge eher der schützenden Spritze. Mit weißem Arztkittel und Stethoskop wendet sich daher Larry Bucshon an die Zuschauer: Lasst euch gegen Corona impfen, lautet die Botschaft des Herzchirurgen aus Indiana.

Zugleich ist Bucshon Abgeordneter der Republikaner im US-Repräsentantenhaus – und der Appell stark politisch.

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„Medizin und Wissenschaft und Krankheit, das sollte nicht politisch sein“, sagt Bucshons Arztkollege Brad Wenstrup, Kongressabgeordneter der Republikaner aus Ohio. „Aber es war Wahljahr.“ Und dabei sei auch das Impfen zum politischen Thema geworden.

Langsames Impfen

Offensichtlich ist, dass das Impfen bislang in US-Staaten mit mehrheitlich republikanischer Wählerschaft tendenziell langsamer vorangeht als in solchen mit demokratischer Gesinnung.

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Aus der Parteiführung der Republikaner mehren sich die Aufrufe an die Anhänger, sich die schützende Spritze geben zu lassen. Doktor Bucshon und seine Fachkollegen im Kongress unterstützen das nun mit einem gemeinsamen Video.

Die Impfung sei der beste Weg, die Einschränkungen der Freiheiten aufzuheben, betont Bucshon in dem Appell. Die Behörden hätten ihren Job in Rekordzeit erledigt, seien aber bei den Impfstoffen keinesfalls Kompromisse eingegangen, was die Sicherheit angehe, unterstreicht Michael Burgess aus Texas in dem Video.

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Schlusslicht bei der Impfquote ist derzeit Mississippi. Weniger als 31 Prozent der Bevölkerung dort haben bislang mindestens eine Dosis erhalten. Davor liegen laut einer AP-Analyse von Daten der Gesundheitsbehörden Alabama, Louisiana, Idaho und Wyoming – allesamt Staaten, die in Präsidentschaftswahlen zuverlässig republikanisch votieren.

Demokraten lassen sich häufiger impfen

Demgegenüber stimmen die Wählerinnen und Wähler in den fünf Staaten mit dem größten Impffortschritt mehrheitlich für die Demokraten. Vorne liegt New Hampshire mit mindestens einer Impfdosis bei rund 60 Prozent der Einwohnerschaft, gefolgt von Massachusetts, Vermont, Connecticut und Maine.

Auf die Frage, ob sie sich sicher oder wahrscheinlich nicht impfen lassen, antworten entsprechend Republikaner eher mit Ja als Demokraten. In einer im Februar veröffentlichten Umfrage von AP und dem Meinungsforschungsinstitut Norc lehnten 44 Prozent der republikanisch gesinnten Befragten eine Impfung ab, bei den Anhängern der Demokraten waren es 17 Prozent.

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Vor allem Männer mit republikanischer Einstellung verweigern sich den Umfragen zufolge einer Corona-Impfung. Dem hat der Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, bereits vor einigen Wochen einen indirekten Aufruf entgegengesetzt: „Ich kann als republikanischer Mann sagen, dass ich die Impfung angenommen habe, sobald ich an der Reihe war.“

Donald Trump ließ sich impfen

Selbst der aus dem Präsidentenamt gewählte Donald Trump ließ bei Fox News durchklingen, dass er bereit wäre, ein Impf-Appell-Video aufzunehmen.

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In seiner Regierungszeit legte Trump zwar den Grund für die große Impfkampagne und ließ sich selbst impfen, doch nutzte er die Pandemie mehr als einmal für politische Seitenschläge: So nannte er Lockdown-Maßnahmen überzogen oder machte sich über das Maskentragen seines damaligen Herausforderers Joe Biden lustig.

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Neben der politischen Gesinnung machen Experten auch das Alter als Faktor für die Impfbereitschaft aus. Demnach lehnen Jüngere öfter die Impfung ab, weil sie sich weniger gefährdet sehen, selbst wenn sie sich infizieren würden.

In West Virginia versucht Gouverneur Jim Justice, ein Republikaner, daher, Einwohner zwischen 16 und 35 mit einem Sparbrief im Wert von 100 Dollar zur Impfung zu locken. Er reagiert damit auf ein Stocken der Impfkampagne in seinem Staat: Anfangs lag West Virginia weit vorn, inzwischen geht die Impfrate zurück.

Politik beim Impfen beiseite lassen

Am besten sei es, die Politik beiseitezulassen, wenn man Impfskeptiker überzeugen will, rät der republikanische Meinungsforscher Frank Luntz seinen Parteifreunden.

Den Menschen sollte der Nutzen der Impfung eher von Medizinern ans Herz gelegt werden als von Politikern, sagt er. Viele Skeptiker ließen sich eher ansprechen, wenn ihnen nicht nur die Vorteile für sich selbst, sondern für ihre Familien und Freunde klargemacht würden.

Wenn das Thema politisiert werde, sei das Ziel der Herdenimmunität nicht zu schaffen, ist die Prognose des Forschers. Vielmehr müssten die Erfolge beider Seiten – die schnelle Beschaffung der Impfstoffe unter der Regierung Trump und die effektive Verteilung unter der Regierung Biden – hervorgehoben und anerkannt werden.

Experten gehen davon aus, dass mindestens 70 Prozent der Bevölkerung immun sein müssen, um das Virus zu stoppen.

Wenn das Problem der stockenden Impfungen in Teilen des Landes nicht gelöst werde, könnte das Coronavirus zu einem neuen Schlag ausholen, fürchtet die Gesundheitsexpertin Kavita Patel, ehemalige Mitarbeiterin in der Regierung von Präsident Barack Obama.

„Wir könnten im Winter oder Herbst hier mit einer ganz anderen, beängstigenden Version der Pandemie sitzen“, sagt Patel: „Mit einer, die angeheizt wird von einer Kombination von Varianten und Leuten, die sich nicht impfen lassen wollen.“

RND/dpa

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