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  • USA: Obama und Harris in Virginia im Wahlkampf-Endspurt – Trump als Joker

Wahlkampf-Endspurt mit Harris und Obama in Virginia – doch der heimliche Joker heißt Trump

  • Bei den Gouverneurs­wahlen in Virginia in zehn Tagen steht auch die Agenda von Joe Biden auf dem Spiel.
  • Eine geringe Wahlbeteiligung in dem Bundesstaat droht die Demokraten um den sicher geglaubten Sieg zu bringen.
  • Nun mobilisieren sie ein Großaufgebot an Politprominenz von Kamala Harris bis Barack Obama – doch die größten Hoffnungen setzen sie auf Donald Trump.
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Dumfries. Aus seiner Überzeugung macht Odie Butler keinen Hehl. Mitten auf die Maske vor seinem Mund hat der Afroamerikaner einen blauen „Terry“-Sticker geklebt. Terry ist der Vorname des demokratischen Kandidaten bei der Gouverneurswahl in Virginia am 2. November. „Diese Wahl ist wirklich wichtig“, sagt Butler. „Die Agenda von Präsident Biden steht auf dem Spiel.“

Gemeinsam mit seiner Frau Jacky ist der Mitarbeiter des Veteranen­ministeriums an diesem lauen Spätsommer­abend zu einer Wahlkundgebung in seiner Heimatstadt Dumfries rund 30 Meilen südwestlich von Washington gekommen. Kandidat Terry McAuliffe wird erwartet und als Ehrengast Vizepräsidentin Kamala Harris. Rund 600 Menschen drängen sich auf einem Platz neben dem örtlichen Feuerwehrhaus. Der Speckgürtel der Hauptstadt ist demokratisches Kernland: Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung haben hier im vorigen Jahr für Joe Biden gestimmt.

Wollen auf jeden Fall ihre Stimme für die Demokraten abgeben: Odie und Jacky Butler bei der Kundgebung in Dumfries. © Quelle: Karl Doemens
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„Fuck Biden!“ kann man im Süden Virginias lesen

Doch der Eindruck täuscht. Ein Jahr nach den Präsidentschafts­wahlen müssen die Demokraten im Bundesstaat Virginia, der seit 2009 von ihnen regiert wird, ernsthaft einen fatalen Rückschlag fürchten. Zwar herrscht im dicht besiedelten Norden, der dank des Zuzugs von Menschen aus der Hauptstadt auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum stetig wächst, eine liberale Stimmung.

Doch weiter im Süden und im ländlichen Raum, wo eindrucksvolle Herrenhäuser mit Säulen­portalen an die Südstaaten­vergangenheit erinnern, dominieren die Republikaner. Hier wird das Recht auf die eigene Waffe hochgeschätzt und der Staat skeptisch beäugt. „Trump won“ (Trump hat gewonnen) kann man da auf Schildern am Straßenrand lesen und „Fuck Biden!“.

Aktuelle Umfragen, denen zufolge der republikanische Herausforderer Glenn Youngkin seit August vier Punkte zugelegt hat und inzwischen gleichauf mit dem demokratischen Gouverneurs­kandidaten McAuliffe liegt, haben daher in Washington die Alarmglocken läuten lassen.

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Die Beliebtheits­werte des Präsidenten sind abgestürzt, sein gewaltiges Investitionspaket steckt im innerparteilichen Grabenkampf fest, und immer lauter meldet sich sein Vorgänger Donald Trump zu Wort. Sollte das geschichts­trächtige Virginia bei der Wahl in zehn Tagen verloren gehen, wäre dies nach Einschätzung vieler Beobachterinnen und Beobachter ein katastrophaler Auftakt für das Zwischenwahljahr 2022, in dem die Parlaments­mehrheit zu fallen droht.

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„Bürger von Virginia, Ihr habt eine große Verantwortung“, mahnt Ex-Präsident Barack Obama seit Neuestem in einem Fernsehspot. „Ihr wählt nicht nur den nächsten Gouverneur, sondern macht auch ein Statement, in welche Richtung wir uns als Land entwickeln!“

Mit einem beispiellosen personellen Kraftakt versuchen die Demokraten, den Kurs auf Mitte-links zu halten. First Lady Jill Biden war schon vor Ort. Obama tritt am Samstag in der Landeshauptstadt Richmond auf. Und Präsident Biden wird am Dienstag bei einer Kundgebung im Norden des Bundesstaats reden.

Ein Geburtstags­ständchen für Kamala

Als seine Stellvertreterin Kamala Harris am Donnerstag­abend die Bühne in Dumfries betritt, erntet sie neben dem üblichen Applaus erst einmal ein Happy-Birthday-Ständchen des Publikums. Am Vortag ist die Politikerin 57 Jahre alt geworden. Harris lächelt. Doch in Feierlaune ist sie nicht: „Wir dürfen uns nicht sicher sein“, mahnt sie. „Diese Wahl erfordert mehr als eure Stimme. Sie erfordert Arbeit!“

Was die Politikerin meint, bereitet den Wahlstrateginnen und ‑strategen der Demokraten arge Kopfschmerzen. Sie fürchten weniger die Stärke von Youngkin, einem millionenschweren Investmentbanker, der sich als „moderater“ Trump-Anhänger gibt, als die Apathie der eigenen Basis. Angesichts der täglichen Meldungen über innerparteiliche Streitigkeiten in Washington, der ausbleibenden politischen Erfolge und der steigenden Inflation wirkt die Mobilisierung bislang bedenklich niedrig. Auch die Stimmung in Dumfries ist freundlich, aber keineswegs euphorisch.

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„Ich möchte nicht, dass Ihr die nächsten zehn Tage schlaft“, mahnt Kandidat McAuliffe eindringlich das Publikum. „Ich brauche euch.“ Der Demokrat wirbt für bessere Bildungschancen, ein schnelleres Internet und den Ausbau der Gesundheits­fürsorge. Doch sein stärkstes Argument ist ein dunkler Schatten namens Trump.

„Ich rede mit jedem vernünftigen Republikaner“, sagt er. „Aber Youngkin ist kein vernünftiger Republikaner. Er ist ein Möchtegern-Trump!“ Der Republikaner werde in Virginia ein Abtreibungs­verbot nach texanischem Vorbild einführen, die Corona-Bekämpfung mit Masken- und Impfpflichten hintertreiben und Trumps Verschwörungs­lügen verbreiten.

„Buh!“, antwortet die Menge jedes Mal empört. Das gemeinsame Feindbild scheint das Publikum zu elektrisieren.

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„Ich will nicht, dass hier ein Mann wie Trump an die Macht kommt“, sagt auch Odie Butler. Er und seine Frau sind daher fest entschlossen, ihre Stimme am 2. November für McAuliffe abzugeben. Auch all ihre Freunde würden zur Wahl gehen. „Der Fehler von 2016, als viele mit Hillary Clinton rechneten und plötzlich ein anderer Präsident war, wird sich nicht wiederholen“, wischt Butler alle Zweifel beiseite. „Virginia wird demokratisch bleiben.“

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