Ende der Einreisesperre: Amerika öffnet sich der Realität

  • Mehr als anderthalb Jahre haben die USA Besucher aus Europa wegen der vermeintlichen Corona-Gefahr ausgesperrt.
  • Tatsächlich war die Regelung menschlich schwer belastend, inkonsequent und angesichts der tatsächlichen Infektionslage zunehmend widersinnig.
  • Die nun verkündete Umwandlung des Travel Ban in eine strikte Impfpflicht für Reisende ist daher überfällig, kommentiert Karl Doemens.
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Washington. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Die jüngste Welle der Corona-Pandemie hat die ganze Welt erwischt. Doch die Vereinigten Staaten von Amerika sind besonders dramatisch betroffen. Rund 150.000 US-Bürger infizieren sich dort jeden Tag mit dem Virus.

Der Inzidenzwert ist doppelt so hoch und die Immunisierungsquote mit gerade mal 54 Prozent deutlich niedriger als in Europa.

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Trotzdem hat die Biden-Regierung monatelang an der Einreisesperre für Reisende aus Europa festgehalten, die Ex-Präsident Donald Trump im März 2020 aus politischen Gründen verhängte. Der Travel Ban traf keineswegs nur Touristen, sondern auch viele Europäer, die mit bestimmten Visa in Amerika leben und seit nunmehr anderthalb Jahren ihre Familien und Freunde auf dem alten Kontinent nicht sehen konnten.

Vor allem diese Personen und die deutschen Unternehmen in den USA, die auf personellen Austausch angewiesen sind, werden aufatmen, wenn das Einreiseverbot im November nun endlich fällt.

Kein Grund für überstürzten Florida-Urlaub

Epidemiologisch machte die Beschränkung seit Langem schon keinen Sinn mehr. Nicht nur ist das Corona-Risiko in den USA deutlich höher als in Europa. Vor allem konnte man die Restriktion durch einen zweiwöchigen Zwischenstopp beispielsweise in der Türkei oder Mexiko umgehen. Für diese und viele andere Länder gibt es nämlich keine Einreisebeschränkungen.

Eine Eindämmung des Virus scheint alleine durch eine strikte kombinierte Impf- und Testpflicht für Reisende möglich, wie sie Washington nun von November an plant. Aus humanitären Gründen ist der nun verkündete Schritt mehr als überfällig.

Ob deutsche Urlauber ihn gleich zum Anlass für einen riskanten Weihnachtstrip in Hochrisikogebiete wie Mississippi oder Florida nehmen sollten, wo viele Intensivstationen überfüllt sind, steht auf einem anderen Blatt.

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