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US-Wirtschaft bricht ein: Schwarzer Donnerstag für die Welt

  • Donald Trump führt die USA in die größte Krise seit Jahrhunderten – vor den Augen einer sprachlos gewordenen Welt.
  • Als wäre der Kollaps der Wirtschaft nicht schlimm genug, zündelt Trump mit seiner Idee der Verschiebung der Wahl auch noch am Demokratieprinzip.
  • Diese Tendenzen bedrohen alle und jeden – auch jene, die eben noch von Europa aus mit dem Finger auf Washington gezeigt haben. Ein Kommentar von Matthias Koch.
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Minus 32,9 Prozent – keine andere moderne Gesellschaft meldete fürs vergangene Quartal einen solchen ökonomischen Absturz in der Viruskrise. In Europa fielen erste spontane Reaktionen noch höhnisch aus: Offenbar gelte wohl auch beim Absturz der Wirtschaft: America first.

Tatsächlich aber blicken wir bei den amerikanischen Wirtschaftsdaten nicht auf die eine oder andere fallende Kurve, sondern auf einen platzenden Ballon.

Die Krise, die sich da entfaltet, ist viel zu groß, als dass man von Europa aus ungerührt mit dem Finger darauf zeigen könnte. Wenn die US-Wirtschaft zum Stehen kommt, wird dies auch die europäische, vor allem die exportstarke deutsche Wirtschaft nach unten ziehen.

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Noch bedrückender als die Aussicht auf eine Weltwirtschaftskrise ist die leider gleichzeitig wachsende Unsicherheit, ob die amerikanische Demokratie dies alles aushalten wird.

Trump beeilte sich, aus der sich jetzt entfaltenden Krise gleich eine doppelte Krise zu machen. Allen Ernstes bringt er per Twitter die Idee ins Gespräch, die Wahlen zu verschieben – “bis die Menschen ordentlich, sorgenfrei und sicher wählen können”.

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Wer soll entscheiden, wann die Zeit wieder reif ist für eine sorgenfreie Wahl? Trump selbst?

Machen wir uns nichts vor: Die Verfassungskrise in den USA, die von sensiblen Naturen seit Langem befürchtet wurde, ist schon im Gang. Im Weißen Haus sitzt ein Mann, der öffentlich erwägt, auch ohne Wahlen weiter herrschen zu wollen.

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Trump, der seit Jahren nach etwas gesucht hat, was ihm einen Eintrag ins Geschichtsbuch sichert, hat nun eine Sache von wahrhaft historischem Format gefunden. Seit immerhin 1776 gilt in den USA der Grundsatz, dass die Macht einer Regierung sich aus dem Konsens der Regierten ableiten muss. Der 45. Präsident der USA stellt nun, nach 244 Jahren, diesen Grundsatz erstmals in Frage.

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Trump: “Niemand mag mich”
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US-Präsident Donald Trump hat seine gesunkenen Zustimmungswerte in der Corona-Krise beklagt.  © Reuters

Dass Trump sich dieser Erwägung ausgerechnet am Tag der furchtbaren Wirtschaftsdaten zuwendet, hat eine makabre Logik. Noch bis vor Kurzem kursierten Umfragen in den USA, wonach Trump auf dem Feld der Wirtschaftskompetenz, anders als auf allen anderen Feldern, immer noch einen Vorsprung vor Joe Biden hatte. Das aber hat sich nun erledigt. Die neuen Zahlen beweisen: Wer wie Trump die Gefahren der Viruskrise kleinredet, macht die Infektionskurven groß – und schadet damit am Ende der Wirtschaft noch viel mehr. Eine kluge Gesundheitspolitik dagegen hilft auch der Wirtschaft.

Da sich dies inzwischen herumspricht, wächst die Kritik an Trumps Kurs allerorten – sogar unter seinen Parteifreunden, den Republikanern. Die “Swing States”, die Trump 2016 überraschend gewonnen hatte, würden schon heute nicht mehr für ihn stimmen. Auch unter Trumps einst eifrigsten Anhängern, den Nichtakademikern, scheint sich die Stimmung zu drehen. Sie könnte noch mehr kippen, wenn demnächst wie in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts der Geruch der Suppenküchen durch die amerikanischen Metropolen zieht.

Damals allerdings, das war das Glück der Welt, kamen die Amerikaner nicht auf die Idee, nun ihre Demokratie abzuschaffen. Das wiederum macht den 30. Juli 2020 zu einem ganz besonderen Tag, zu einem schwarzen Donnerstag für die ganze Welt.


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