US-Wahlen: König Trump will sich selbst krönen

  • In den Umfragen für die US-Präsidentschaftswahl liegt Joe Biden klar vorn.
  • Doch Präsident Donald Trump will eine mögliche Niederlage nicht akzeptieren und am Abend vorzeitig Fakten schaffen.
  • Dabei kommt ihm das komplexe amerikanische Wahlrecht scheinbar zugute – doch sein Versuch, die Briefstimmen zu verwerfen, verstößt gegen geltendes Recht.
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Washington. Eine Niederlage hält er für undenkbar. Gut 17 Stunden lang ist Donald Trump am Sonntag kreuz und quer durchs Land gehetzt, vom eisig kalten Michigan zum schwülwarmen Florida. Fünf weitere Kundgebungen standen am Montag auf seinem Programm.

„Eine große rote (republikanische, Anmerkung d. Red.) Welle baut sich auf“, behauptet er. „Schaut euch diese Massen an!“, ruft er seinen aufgekratzten Anhängern zu: „Das sind die echten Umfragen.“

Die Zahlen der Meinungsforscher sehen nämlich anders aus. Sie sagen für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen am Dienstag einen Sieg des demokratischen Herausforderers Joe Biden voraus.

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Doch das will Trump offenbar nicht akzeptieren: „Wir sind nicht so weit gegangen, um unser Land wieder dem Washingtoner Sumpf zu überlassen“, kündigt er vielsagend an. Und nicht nur das: Nach einem Bericht der Nachrichtenseite Axios hat er Vertrauten gesagt, dass er sich am Wahlabend vorzeitig zum Sieger ausrufen will, selbst wenn das Ergebnis noch völlig offen ist.

Die Taktik würde zum Charakter des einstigen Reality-TV-Stars und Baulöwen passen, der mit Angebereien und Lügen groß geworden ist. Und sie wäre der Auftakt zum Versuch einer gigantischen Wahlmanipulation. Seit Tagen nämlich insistiert Trump entgegen der Gesetzeslage, dass nur die Stimmen gewertet werden dürften, die am Wahlabend ausgezählt sind.

Alles andere wäre „eine furchtbare Sache“, warnt er. „Wir schicken dann sofort unsere Anwälte los.“ Selbst die Demokraten würden erwarten, dass Trump am Wahlabend vorn liegt, behauptet sein Sprecher Jason Miller: „Und dann werden sie versuchen, ihm den Sieg zu stehlen.“

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Das klingt abenteuerlich, folgt aber einem eiskalten Kalkül: „Trump und seine Apparatschiks wissen genau, was sie machen. Sie bereiten die Fälschung der Wahl vor“, warnt der konservative Kolumnist Bill Kristol. Dabei könnte ihnen das komplexe amerikanische Wahlsystem helfen.

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Jeder Bundesstaat hat nämlich andere Vorschriften, in welcher Form eine Briefwahl zugelassen und bis wann die eingehenden Stimmen ausgezählt sein müssen. Teilweise haben die Behörden dazu bis zu einer Woche Zeit, sofern der Umschlag den Poststempel des Wahltags trägt.

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Das US-Wahlsystem und seine Tücken
2:33 min
Am 3. November wird der nächste US-Präsident gewählt - aber das Wahlsystem bringt einige Schlupflöcher mit sich.  © RND

Wegen des enormen Ansturms bei der Briefwahl in diesem Jahr wird in Staaten wie Pennsylvania, die eine Öffnung der Wahlbriefe erst am Wahltag erlauben, mit deutlichen Verzögerungen gerechnet.

Zunächst werden die physisch abgegebenen Stimmen gemeldet. Weil viele Demokraten aus Sorge vor der Corona-Pandemie ihre Stimme schriftlich abgegeben haben, halten es Beobachter für gut möglich, dass Trump in dem strategisch wichtigen Swing State in den ersten Stunden vorn liegt.

Das könnte er nutzen, um sich vorzeitig zum Sieger zu erklären und seine Anhänger im Land zu Demonstrationen aufzurufen.

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„Selbst wenn Trump in Pennsylvania am Dienstabend 20 oder 25 Punkte vorn liegt, kann Biden dort immer noch mit einem Vorsprung von fünf bis sieben Punkten gewinnen“, mahnt Patrick Murray, der oberste Meinungsforscher an der renommierten Monmouth Universität.

Genau das erwartet der Demoskop als Ergebnis – unter einer Voraussetzung: „Falls alle diese Stimmzettel ausgezählt werden.“ Biden dürfte nämlich bei den Briefstimmen deutlich vorn liegen. Das Trump-Lager wird daher alle Hebel in Bewegung setzen, diese Voten zu diskreditieren und ihre Wertung zu verhindern.

Die Schicksalswahl Der Newsletter mit Hintergründen und Analysen zur Präsidentschaftswahl in den USA.

Nach geltendem Recht werden die Wahlergebnisse freilich von den Regierungen der Bundesstaaten zertifiziert. Je nach Mehrheit schicken die Staaten dann Wahlleute zum Electoral College, das am 14. Dezember den neuen Präsidenten wählen soll.

In dem von Real Clear Politics ermittelten Durchschnitt aller nationalen Umfragen liegt Joe Biden derzeit 6,9 Punkte vor Trump. Aussagekräftiger ist jedoch der Blick auf die Bundesstaaten. Nach einer Aufstellung des konservativen „Wall Street Journal“ sind Biden hier 226 und Trump 125 Wahlleute sicher. Die Mehrheit liegt bei 270.

Biden führt in allen Umfragen in Pennsylvania, Wisconsin und Michigan. Kann er sich diese drei Staaten (oder beispielsweise Michigan und Florida) sichern, hätte er die Wahl gewonnen.

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