Florida hält Trump die Treue

  • Herausforderer Joe Biden hatte dem Präsidenten ein „Game over“-Szenario vorausgesagt, sollte der einflussreiche Swing State an die Demokraten fallen.
  • Doch Trump erhält die 29 Wahlleutestimmen aus Florida und bleibt im Rennen.
  • Bedanken kann er sich dafür bei den Latinos mit Wurzeln in Kuba.
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Miami. Auf der Großbildleinwand färbt sich Amerika mal rot, mal blau ein. Balken wachsen und schrumpfen wieder. Der Moderator des linksliberalen TV-Senders MSNBC hat bereits die Hemdsärmel aufgekrempelt. Doch die Gäste der Pizzeria im Herzen Miamis schauen gar nicht hin, als er sich in Turnerpose über North Carolina vorbei an Georgia bis runter nach Texas beugt.

Aus den Boxen hämmern tiefe Bässe, die DJane lässt einen Song in den nächsten gleiten. Dabei war doch für diesen Dienstag im Gramps gar keine Clubnacht angekündigt, sondern eine kleine, coronakonforme Wahlparty der US-Demokraten von Miami und ihnen nahestehender Organisationen. Etliche Fernsehkameras wurden deswegen postiert, doch deren Objektive starren ins Leere. Die lokale Führungsriege der Partei lässt sich nicht blicken. Es gibt nicht viel zu feiern.

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Trump verdankt Latinos wohl Wahlsieg in Florida
1:41 min
Während andere Bundesstaaten noch ausgezählt werden meldet Fox News den Sieg von Amtsinhaber Trump im Bundesstaat Florida.  © Reuters
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Wenige Stunden später steht fest: Trump gewinnt Florida mit 51,2 Prozent. Damit holt er 3,4 Prozent mehr als Biden - der Vorsprung ist größer als 2016, als Trump 1,3 Prozentpunkte vor Hillary Clinton lag. Die republikanischen Hochburgen im Norden und Südwesten Floridas sind keineswegs ins Wanken geraten. In den dortigen Rentnerresorts, wo Floridas weiße, gut situierte Senioren zu Hause sind, hat das Coronavirus offensichtlich nicht zu einer Abkehr von Trump geführt.

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Dabei sollte Florida den Erdrutschsieg bringen. Es sollte früh am Abend ein klares Ergebnis liefern, das den Demokraten und dem Land einen langen, kräftezehrenden und weiter polarisierenden Deutungsstreit um den Wahlausgang ersparen würde. Ein „Game over“ hatte Präsidentschaftskandidat Joe Biden dem Amtsinhaber Donald Trump in Aussicht gestellt für den Fall, dass Trump in seiner Wahlheimat verlieren würde.

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Kein „Game over“-Szenario

Doch Florida lieferte nicht, was sich die Demokraten von diesem stets knappen, stets unberechenbaren Swing State erhofft hatten. Trump ist weiter im Spiel. Und Biden verpasst die Abkürzung ins Weiße Haus über Florida mit seinen 29 Stimmen im Wahlleutegremium. Ihm bleibt jetzt nur der mühsamere, langwierige Weg über den Mittleren Westen.

Die Demokraten hatten viel Zeit und noch mehr Geld in Florida investiert. Der frühere US-Präsident Barack Obama war zweimal in Miami, um vor allem die Afroamerikaner zu mobilisieren, zuletzt am Montag. „Ich bin hier, weil ich weiß, dass einige von euch noch nicht gewählt haben“, sagte er da.

Doch offenbar ist es den Demokraten nicht gelungen, unverzichtbare Wählergruppen in ausreichender Zahl von sich und vom Wählen zu überzeugen. Neben den Schwarzen zählen dazu die vielen Wählerinnen und Wähler mit Wurzeln in Mittel- und Südamerika.

So verweisen die Zahlen aus dem Ballungsraum Miami – die Hochburg der US-Demokraten im Sunshine State – auf ein Abrücken der Latinos und Latinas von den Demokraten. Trump erhielt hier deutlich mehr Stimmen als noch vor vier Jahren. Die meisten Latinos und Latinas im Bezirk Miami-Dade sind kubanischer Herkunft – ihre traditionelle Bindung an die Republikaner hat sich unter Trump verstärkt.

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Kubaner feiern Trump

Zu einem Besuch Trumps wenige Tage vor der Wahl strömten sie zu Tausenden mitternachts auf einen Flugplatz, feuerten ihn mit dem Kosenamen „Doni“ an und jubelten vor allem dann besonders laut, wenn Trump Schutz vor dem „Sozialismus“ versprach, den Biden angeblich übers Land bringen wollte.

So wiegen die Zugewinne der Demokraten in Miami jene der Demokraten in den Städten Tampa und Jacksonville auf.

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Trump vs. Biden – die Wahlnacht in Bildern
1:26 min
Donald Trump gegen Joe Bilden – Bilder und Emotionen aus einer der heißesten Wahlen der US-Geschichte.  © RND
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Noch am späten Dienstagnachmittag, kurz vor Schließen der Wahllokale, fuhren üppig beflaggte Autos durch das Kubanerviertel Westchester in Miami. Der Bauarbeiter Peter Rubi hatte bereits ein Dutzend Trump-Flaggen auf die Ladefläche seines Pickups gepflanzt – und schraubte eine weitere an. Er sei registrierter Demokrat, „sogar Gewerkschafter“, betonte er. „Aber ich habe für Trump gestimmt, weil er unsere Jobs zurückholt“, sagte Rubi.


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