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  • US Wahl 2020: Trumps prinzipienlose Sekte - Der Parteitag der Republikaner

US-Republikaner – Trumps prinzipienlose Sekte

  • Keine Inhalte, keine gemeinsamen Werte, kein Programm: Bei ihrem Parteitag flüchten sich die Republikaner in eine alternative Wirklichkeit und huldigen einem bizarren Personenkult.
  • Weder die Corona-Krise noch die Polizeigewalt oder die Probleme des Gesundheitswesens werden thematisiert.
  • Doch die Bilder brennender Städte helfen Donald Trump in seinem zynischen Kalkül, kommentiert Karl Doemens.
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Man darf eine eindrucksvolle Inszenierung erwarten, wenn Donald Trump am morgigen Donnerstag mit einer großen Rede vor ein paar Hundert geladenen Gästen (natürlich ohne Masken) und der nächtlichen Kulisse des Weißen Hauses den Parteitag der US-Republikaner beendet. Es wird ein Tabubruch sein wie so viele bei dieser surrealen Veranstaltung: Nie in der jüngeren Geschichte hat ein Präsident seinen parteipolitischen Wahlkampf im offiziellen Amtssitz eröffnet.

Der Verstoß gegen Normen und die Geringschätzung des Rechts sind Markenzeichen des Immobilienmoguls. Trump findet schon lange nichts dabei, im Weißen Haus die Kopfkissen oder die Konserven von befreundeten Unternehmern anzupreisen. Für zwei Videofilmchen auf den Republikaner-Conventions hat er nun im Regierungssitz einen Bankräuber begnadigt und fünf Migranten eingebürgert. Alles ist Show und die amerikanische Präsidentschaft zum Marketingartikel eines Egomanen verkommen.

“Gott, gib ihm weitere vier Jahre!”, betet ein Unterstützer

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Doch nicht nur das Amt hat Trump gekapert, sondern auch seine Partei. Dazu bieten die am Montag eröffneten Conventions drastisches Anschauungsmaterial. Die 1854 im Kampf gegen die Sklaverei gegründeten Republikaner sind unter dem Populisten zu einer Sekte von Opportunisten verkommen, deren einziger gemeinsamer Nenner der Personenkult für den 74-Jährigen ist. “Ich bete jede Nacht: Gott, gib ihm vier weitere Jahre!”, bekannte gleich zu Beginn des Parteitags ein früherer Footballstar. Es folgten zahllose Oden an den Twitter-Pöbler, der mal als “Visionär”, mal als “Hüter Amerikas” und mal als “Leibwächter der westlichen Zivilisation” gepriesen wurde. Sechs Familienmitglieder durften ihren Patriarchen beweihräuchern. Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un hätte seine Freude gehabt.

Wo gemeinsame Werte, Inhalte und ein Programm fehlen, müssen Gefühle bedient werden. Für Trumps weiße, evangelikale Kernwählerschaft auf dem Land sind das vor allem die Furcht vor Gottlosigkeit, dem Kommunismus, der Abtreibung, dem Fremden und der Einschränkung des Waffenrechts. Also werden diese Ängste bei dem Parteitag mit apokalyptischen Schilderungen von Chaos, Anarchie und Freiheitsverlusten bis hin zur faktischen Machtübernahme durch China im Falle eines Wahlsiegs der Demokraten bis an die Schmerzgrenze geschürt. Je finsterer die imaginären Aussichten, je größer der Groll auf die angebliche linke Meinungsdiktatur, desto heller strahlt das Bild des vermeintlichen Erlösers und eines wiederhergestellten Amerikas.

Joe Biden als Schreckgespenst

Dass Donald Trump bereits seit vier Jahren im Amt ist, vor allem die Reichen reicher gemacht hat und die patriotisch verklärten USA unter seiner Verantwortung weltweit führend alleine bei der Zahl der Covid-19-Opfer geworden ist, wird bei dem Parteitag kollektiv ausgeblendet. Die Pandemie, die Wirtschaftskrise, der strukturelle Rassismus der Gesellschaft, die Polizeigewalt, das Versagen des Gesundheitswesens – all das kommt allenfalls am Rande zur Sprache.

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Die Frau des US-Präsidenten hat auf dem Parteitag der Republikaner um Unterstützung für ihren Mann gebeten.  © Reuters

Stattdessen flüchten die Republikaner unter Trumps Führung in eine alternative Realität, in der der Präsident die Corona-Krise glänzend gemeistert hat, die Rückkehr zur Normalität nur von den Demokraten verhindert wird und deren Präsidentschaftskandidat Joe Biden (der tatsächlich die Steuern für Einkommen jenseits von 400.000 Dollar erhöhen will und einen Abbau der Polizei ablehnt) zu einem marxistischen Anarchisten mutiert, der mehr als 80 Prozent der Bürger ihres Geldes berauben und den Rest dem plündernden Mob überlassen will.

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Das mag für Außenstehende bizarr klingen, entfaltet intern aber wie viele von Verlustängsten, Paranoia und Verschwörungserzählungen gespeiste Heilslehren durchaus Wirkung. Plötzlich will nicht mehr Trump der Ukraine den Geldhahn zudrehen, sondern Biden. Nicht die Familie des amtierenden Präsidenten liefert täglich neue Beispiele für Nepotismus und Korruption, sondern die des Herausforderers. Amerika solle zu einem zivilisierten Dialog zurückkehren, fordert ernsthaft Melania Trump und verklärt die ständigen unerhörten Diffamierungen ihres Mannes als Ausdruck einer offenen und authentischen Persönlichkeit. Der Höhepunkt der Perfidität aber wird erreicht, wenn Trump bei jeder Gelegenheit lautstark vor Wahlmanipulationen warnt, die er selber durch gezielte Attacken auf die Institutionen und eine Sabotage der Post vorbereitet.

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Schon nach den ersten Tagen dieses Parteitags ist klar: Donald Trump wird den Wahlkampf nicht mit Argumenten, sondern als Kulturkampf führen. Er wird seine Basis wild aufpeitschen. Es gehe um “Kirche, Arbeit und Schule oder Krawall, Plünderungen und Vandalismus”, hat sein Sohn Donald Junior zugespitzt. Das ist absurd, aber eingängig. Die aktuellen Bilder von brennenden amerikanischen Städten, wo sich nach rassistischer Polizeigewalt neben friedlichem Protest auch zielloser Zerstörungswille entlädt, kommen dem zynischen Kalkül des Präsidenten entgegen. Noch liegen die Demokraten in Umfragen vorne. Aber Trump wird buchstäblich alles tun, um ihren Sieg zu verhindern.

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