US-Wahl 2020: Wann und wie wählen die USA ihren Präsidenten?

  • Am 3. November 2020 findet in den USA die Präsidentschaftswahl statt - Donald Trump strebt seine zweite Amtszeit an.
  • Wer wählt wann, und wen? Für Außenstehende ist das US-Wahlsystem mitunter verwirrend.
  • Wir erklären, wie die amerikanische Präsidentschaftswahl funktioniert und was die wichtigsten Termine sind.
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Washington. 2020 findet in den USA eine Präsidentschaftswahl statt. Wegen der Corona-Pandemie ist in diesem Wahljahr jedoch einiges anders. So zogen sich die Vorwahlen vereinzelt noch bis in den August hinein. Auch die Parteitage der Republikaner und Demokraten wurden wegen Corona verschoben.

Welche Termine sind wichtig, was sagen die Umfragen vor der Wahl und wie läuft die US-Wahl ab? Die wichtigsten Informationen zur Präsidentschaftswahl in den USA in der Übersicht.

US-Wahl 2020: Das Wichtigste in Kürze

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  • Die Präsidentschaftswahl in den USA findet am Dienstag, 3. November 2020 statt.
  • US-Präsident Donald Trump bewirbt sich für eine zweite Amtszeit, sein Herausforderer ist der demokratische Ex-Vizepräsident Joe Biden. Vor der Wahl messen sich beide in mehreren TV-Duellen.
  • Die Wahl in den USA wird durch mehrere heftige Unruhen, ausgelöst durch brutale Polizeieinsätze, bei denen Schwarze Bürger ums Leben kamen, überschattet.
  • Auch die Corona-Pandemie wirbelt den Wahlkampf in diesem Jahr durcheinander. Mehrere Bundesstaaten mussten ihre Vorwahltermine verschieben. Zudem rechnen Beobachter mit deutlich mehr Briefwählern als sonst.
  • Was sagen Umfragen vor der Wahl? Wie sind die politischen Lager verteilt? Hier informieren wir fortlaufend über aktuelle Zahlen und zeigen Grafiken zur US-Präsidentschaftswahl 2020.


US-Wahl 2020: Wann finden TV-Duelle statt?

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Vor der Wahl am 3. November liefern sich die beiden Anwärter auf das Präsidentenamt noch mehrere TV-Duelle. Das erste ist für den 29. September 2020 angesetzt und soll in der Universität von Notre Dame im Bundesstaat Indiana stattfinden. Danach messen sich Trump und sein Herausforderer noch zweimal, einmal am 15. Oktober (Universität von Michigan in Ann Arbor, Michigan) und ein drittes Mal kurz vor der Wahl, am 22. Oktober (Nashville, Tennessee).

Auch die beiden potenziellen Vize-Präsidenten (”running mate”) haben sich ein TV-Duell am 7. Oktober in der Universität von Utah in Salt Lake City geliefert.

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Die TV-Duelle vor der Wahl im Überblick:

  • 29.09.2020: Erstes TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden
  • 07.10.2020: TV-Duell der Vize-Präsidenten
  • 15.10.2020: Zweites TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden
  • 22.10.2020: Drittes TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden

Ablauf der US-Wahl 2020: Wann ist die Amtseinführung?

Die Amtseinführung des US-Präsidenten fällt seit 1933 auf den 20. Januar, die Amtszeit des neuen Präsidenten beginnt laut amerikanischer Verfassung an diesem Tag um 12 Uhr mittags.

Die Termine der US-Wahl 2020 in der Übersicht:

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  • 03.11.2020 - 04.11.2020: Election Day
  • 14.12.2020: Das Electoral College wählt Präsidenten und Vizepräsidenten
  • 06.01.2021: Auszählung der Stimmen der Wahlmänner und -frauen
  • 20.01.2021: Amtseinführung in Washington, D.C. (Inauguration Day)

Wie funktioniert die US-Präsidentschaftswahl?

Das US-Wahlsystem ist kompliziert und für Außenstehende oft nur schwer zu durchblicken. Prinzipiell handelt es sich bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl um eine indirekte Wahl und einen mehrstufigen Prozess. Grundsätzlich gilt: Der US-Präsident wird jeweils für eine vierjährige Amtszeit gewählt, eine Wiederwahl ist maximal einmal möglich.

Am “election day”, dem offiziellen Wahltag, werden lediglich die Wahlmänner und -frauen für das sogenannte Electoral College gewählt. Das Wahlkollegium besteht aus derzeit 538 Mitgliedern, die aus den 50 Bundesstaaten und Bundesdistrikten entsandt werden. Die Wahlleute des Electoral College wählen den Präsidenten und Vizepräsidenten 41 Tage nach der offiziellen Wahl. Dabei sind sie nur in 24 Bundesstaaten frei in ihrer Entscheidung und können entgegen der “popular vote”, also der Mehrheit in ihrem Bundesstaat, abstimmen. In der Praxis passiert das aber nur sehr selten.

Bis die Stimmen des Electoral College ausgezählt sind, vergehen weitere Wochen, sodass das Wahlergebnis streng genommen erst bis zu zwei Monate nach der Wahl offiziell feststeht. Auszählungen in der Wahlnacht erlauben jedoch eine frühzeitige Ergebnisverkündung.

Wahlrecht: Wer darf in den USA wählen?

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In den USA sind etwa 219 Millionen Staatsbürger wahlberechtigt, das heißt mindestens 18 Jahre alt und nicht vorbestraft. Anders als in Deutschland werden in den USA keine Wahlbenachrichtigungen verschickt. Wer wählen will, muss sich vorab registrieren lassen. Die Termine und Regeln, die hierfür gelten, unterscheiden sich von Bundesstaat zu Bundesstaat. Durch die Hürde, die Bürgern durch die Registrierung auferlegt wird, weisen US-Präsidentschaftswahlen mit rund 55 Prozent eine vergleichsweise niedrige Wahlbeteiligung auf.

Nicht wahlberechtigt sind Bewohner von Außengebieten wie Puerto Rico, Guam oder den Amerikanischen Jungferninseln, sowie Häftlinge und ehemalige Gefängnisinsassen, denen das Wahlrecht aberkannt wurde.

Was sind gebundene und ungebundene Delegierte?

Bei den Vorwahlen entscheiden die US-Bürger indirekt, wen sie ins Rennen um das Präsidentenamt schicken. Das heißt, sie bestimmen Delegierte ihres Bundesstaates, die dann auf dem Parteitag ihrer Partei (Democratic beziehungsweise Republican National Convention genannt) den jeweiligen Präsidentschaftskandidaten wählen. Von den sogenannten gebundenen Delegierten wird erwartet, dass sie entsprechend des Wähler- und Parteiwillens ihres Heimatstaates abstimmen.

Was hat es mit Superdelegierten auf sich?

Zusätzlich zu den gebundenen gibt es in beiden Parteien auch noch ungebundene Delegierte. Der Begriff "Superdelegierte" hat sich dabei vor allem bei der demokratischen Partei etabliert, wenngleich er inzwischen auch für ungebundene Delegierte der republikanischen Partei benutzt wird.

Superdelegierte sind hochrangige Parteimitglieder, also meist gegenwärtige oder frühere Amtsinhaber und Parteiführer. Sie sind frei, ihren eigenen Favoriten zu wählen und gelten deshalb als ungebunden. In der demokratischen Partei machen Superdelegierte knapp 15 Prozent aller Parteitagsdelegierten aus. Bei den Republikanern gelten die drei Parteiobersten eines Staates oder Gebietes als ungebundene Delegierte.

Primary und Caucus - wie funktionieren die Vorwahlen in den USA?

Das Wahlverfahren der Vorwahlen in den USA ist komplex. In einem mehrstufigen Prozess, der sich über mehrere Monate erstreckt, stimmen die politischen Parteien über ihren Kandidaten für die anstehende Präsidentschaftswahl ab. 2020 findet diese am 3. November statt.

Zu diesem Zweck werden in allen 50 Bundesstaaten, in Washington und in den Außengebieten der USA Wahlen (die sogenannten Primaries) oder Versammlungen (die sogenannten Caucuses) abgehalten. Es wird zwischen offenen und geschlossenen Primaries unterschieden. Zudem gibt es in manchen Staaten sowohl Primaries als auch Caucuses.

Was ist der "Super Tuesday"?

Beim sogenannten Super Tuesday handelt es sich um einen Termin, an dem in gleich mehreren Bundesstaaten und Territorien der USA Vorwahlen abgehalten werden. Der Super Tuesday im Vorwahlkampf der Präsidentschaftswahl 2020 fand am 3. März 2020 statt, als in 14 Staaten und Amerikanisch-Samoa Vorwahlen abgehalten wurden. Auch die im Ausland lebenden US-Bürger waren am 3. März zur Stimmabgabe aufgerufen.

Wann finden die Vorwahlen in den USA statt?

Die Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl in den USA finden in der Regel im Wahljahr zwischen Januar und Juni statt. Wann genau, regelt jeder Staat beziehungsweise jede Verwaltungszone selbst. Traditionell halten die Bundesstaaten Iowa und New Hampshire als erstes Vorwahlen ab.

Aufgrund der Corona-Pandemie haben mehrere Bundesstaaten und Territorien die Vorwahlen in diesem Jahr verschoben. Die letzte Vorwahl zur Präsidentschaftswahl 2020 fand in Connecticut am 11. August statt.

Wann bestimmen die Parteien ihre Präsidentschaftskandidaten?

Bis die beiden Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl offiziell feststehen, vergehen mehrere Monate, in denen sich die Bewerber zunächst innerhalb ihrer eigenen Wählerschaft gegen die Mitkonkurrenten aus der eigenen Partei behaupten müssen.

Auf zwei Parteitagen, dieses Jahr im August, bestimmen die Demokratische und Republikanische Partei schließlich ihren offiziellen Präsidentschaftskandidaten für die US-Wahl.

  • 17. bis 20. August 2020: Auf dem Parteitag der Demokratischen Partei (”Democratic National Convention”, DNC) in Milwaukee bestimmen die Delegierten ihren Präsidentschaftskandidaten. Wegen des Coronavirus haben die Demokraten ihren Nominierungsparteitag in diesem Jahr verschoben.
  • 24. bis 27. August 2020: Die Republikaner bestimmen ihren Kandidaten offiziell auf der Republican National Convention (RNC). Die Partei musste ihren Veranstaltungsort von Charlotte, North Carolina nach Jacksonville, Florida verlegen, da in der ursprünglichen Arena die Corona-Abstandsregeln des Bundesstaates nicht eingehalten werden konnten.

Welche Rolle spielen Spenden im Vorwahlkampf?

In den USA ist es nicht unüblich, dass Bewerber ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl bereits bis zu zwei Jahre im Voraus bekanntgeben. Ein wesentlicher Grund dafür sind steuerliche Vorschriften. Größere Spenden und Ausgaben für den Wahlkampf sind in den USA erst nach Abgabe einer offiziellen Kandidaturerklärung erlaubt. Je früher diese eingereicht wird, desto mehr Zeit bleibt den Kandidaten, Geld einzutreiben und dieses für die kostspielige Kampagne auszugeben.

Was sind Super-Pacs?

Längst haben die enormen Spendengelder, die im US-Wahlkampf zusammenkommen, eine Debatte darüber ausgelöst, wie fair der Wahlprozess in den USA tatsächlich ist. Eine besondere Rolle kommt dabei den sogenannten Super-Pacs (Political Action Commitee) zu, die zwar formal unabhängig sind, faktisch aber enge Verflechtungen zu Kandidaten pflegen.

Über diese Lobby-Gruppen kommen Spendenbeiträge zusammen, die weit über den gesetzlichen Begrenzungen liegen und durch die sich ein Kandidat indirekt unterstützen oder bekämpfen lässt. Recherchen der Washington Post haben ergeben, dass durch Super-Pacs im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2016 kandidatenübergreifend mehr als eine Milliarde Dollar für Kampagnen gesammelt wurden.

US-Wahl 2020: Breites Kandidatenfeld bei Demokraten

Zumindest bei den Republikanern war die Kandidatenfrage schnell geklärt: Als amtierender Präsident war klar, dass Donald Trump ins Rennen um eine zweite Amtszeit gehen würde - mehrere Skandale und selbst ein Amtsenthebungsverfahren konnten die Partei nicht dazu bewegen, eine Alternative zum umstrittenen US-Präsidenten aufzustellen. Zwar gab es mit William Weld, Joe Walsh und Mark Sanford zwischenzeitlich Gegenkandidaten aus der Republikanischen Partei - keiner konnte jedoch genügend Wählerstimmen hinter sich versammeln, um eine ernsthafte Gefahr für Trump darzustellen.

Bei den Demokraten gab es dagegen ein breites Bewerberfeld. Zwischenzeitlich hatten sich bei den Demokraten knapp 30 Kandidaten als Anwärter für das Präsidentenamt in Stellung gebracht. Aussichtsreichste Kandidaten waren Ex-Vizepräsident Joe Biden und der, dem linken Parteiflügel angehörende Bernie Sanders. Bis zum Super Tuesday konnten sich auch Pete Buttigieg, Elizabeth Warren und Michael Bloomberg Chancen auf eine Kandidatur ausmalen. Nachdem Sanders seine Bewerbung im April zurückzog, stand Biden als letzter Bewerber quasi als Präsidentschaftskandidat der Demokraten fest. Seine formelle Nominierung erfolgte auf dem virtuellen Parteitag der Demokraten am 18. August.

  • Kandidat der Republikaner bei der US-Wahl 2020: Donald J. Trump
  • Kandidat der Demokraten bei der US-Wahl 2020: Joseph R. Biden Jr.
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