Prognosen und Umfragen vor den Wahlen in den USA: Wer wird Präsident?

  • Wie vor jeder großen Wahl veröffentlichen Meinungsforschungsinstitute Prognosen zum Ausgang der Wahl zum Präsidenten der USA im November.
  • Doch die vergangenen Wahlen haben gezeigt: Ein Sieger lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.
  • Wen sehen aktuelle Umfragen und Prognosen vorn – und wo liegen ihre Grenzen?
Tammo Kohlwes
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Washington. Die Zahlen lesen sich auf den ersten Blick eindeutig: Mit rund 300 Wahlmännern kann Demokrat Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl in den USA im November rechnen, Republikaner und Amtsinhaber Donald Trump nur mit 100. So oder ähnlich sehen viele Prognosen für den Ausgang der Wahl im November aus. Die Zahlen legen die Vermutung nahe: Die Wahl ist nur noch eine Formalität.

Vergangene Wahlen – vor allem die bisher letzte 2016 – haben jedoch gezeigt: Umfragen und Prognosen haben vor allem in den Vereinigten Staaten nur eine begrenzte Aussagekraft. Noch am Tag der Wahl überboten sich die Meinungsforschungsinstitute der USA mit Wahrscheinlichkeiten, dass Hillary Clinton für die Demokraten einen hohen Sieg über Donald Trump davontragen würde – der Ausgang war bekanntlich ein anderer.

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Warum ist das Wahlergebnis schwierig vorherzusagen?

Dass ein Sieger so schwierig vorherzusagen ist, hat verschiedene Gründe. Zum einen basieren viele Prognosen auf Umfragen, die wiederum nur eine Momentaufnahme aus dem möglichen Wahlverhalten der Menschen sind. Auch in Deutschland lagen die Meinungsforschungsinstitute bei der Bundestagswahl 2017 teils mehrere Prozentpunkte pro Partei daneben.

Zum anderen macht das US-amerikanische Wahlsystem Vorhersagen noch schwieriger: Ein Kandidat, der insgesamt mehr Stimmen erhält, erringt nicht unbedingt auch die Mehrheit der Wahlmänner.

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Denn es macht keinen Unterschied, ob ein Staat mit deutlicher oder knapper Mehrheit an einen Kandidaten geht: In beiden Fällen gehen die je nach Bevölkerung des Bundesstaats unterschiedlich vielen Wahlmänner an ihn. 2016 wählten fast drei Millionen mehr Menschen Clinton als Trump – Clinton kam am Ende auf 227, Trump auf 304 Wahlmänner.

Biden 2020 wie Clinton 2016

Auch 2020 sehen fast alle Meinungsforschungsinstitute der USA rund drei Monate vor der Wahl im November einen deutlichen Favoriten auf den Wahlsieg: Joe Biden. Zwischen 270 und 330 Wahlmänner sagen Institute wie Sabato’s Crystal Ball, Cook Political Report, Politico und Predict It voraus. Stimmen wie die des deutsch-amerikanischen Politikwissenschaftlers Helmut Norpoth, die eine Wiederwahl Donald Trumps vorhersagen, sind deutlich in der Minderheit.

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Wer richtig liegt, dürfte sich erst in der Nacht nach der Wahl am 3. November zeigen.

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