Joe Bidens Kampagne: Auf leisen Sohlen

  • Ohne Rücksicht auf Corona-Restriktionen macht US-Präsident Donald Trump mit einem dröhnenden Wahlkampf auf sich aufmerksam.
  • Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden ist deutlich zurückhaltender.
  • Dafür gibt es gute Gründe, aber etwas mehr Präsenz müsste schon sein, kommentiert Karl Doemens.
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Es ist wie beim Hase und dem Igel. Eigentlich wollten die US-Demokraten ihren Parteitag im Bundesstaat Wisconsin abhalten. Doch von der politischen Prominenz war in Milwaukee nichts zu sehen. Stattdessen hielt Donald Trump eine Kundgebung ab. Und auch nach den Unruhen von Kenosha war der Präsident schnell vor Ort. Sein Herausforderer Joe Biden kam zwei Tage später. Am Montag nun bequemte sich Trump in das von Waldbränden verwüstete Kalifornien. Die aus Los Angeles stammende demokratische Vizepräsidentenkandidatin Kamala Harris schaffte es tatsächlich, ihren Besuch auf Dienstag zu terminieren.

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Video-Blog zur US-Wahl: Staaten in Flammen
4:54 min
Die Waldbrände im Westen der USA heizen den Wahlkampf an. Wie Trump und Biden damit umgehen, analysiert RND-Korrespondent Karl Doemens in seinem Video-Blog.  © RND

Zwar liegen Biden und Harris in den Umfragen zur Präsidentschaftswahl in sieben Wochen weiter vorne. Doch was Fernsehbilder und mediale Präsenz angeht, dominiert der Amtsinhaber das Feld auf eine beunruhigende Weise, während die Herausforderer mit halber Kraft zu fahren scheinen. Immerhin verlässt Biden nun häufiger sein Haus in Delaware und hält sehr passable Reden. Harris aber machte seit ihrer Nominierung nur einmal Schlagzeilen – als sie in sportlichen Chucks-Schuhen zum Hosenanzug einem Charterflieger entstieg.

Hardcore-Trumpisten werden ihre Stimme abgeben

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Die Zurückhaltung der Demokraten hat gute Gründe: Anders als Trump, der mit seinen prall gefüllten, lauten Kundgebungen geltende Gesetze bricht und die Gesundheit der Teilnehmer gefährdet, will das Herausfordererteam in der Corona-Pandemie durch verantwortliches Handeln Führungsstärke beweisen. Auch möchte Biden nicht durch mögliche eigene Fehltritte von den Ungeheuerlichkeiten des Amtsinhabers ablenken.

Doch diese Leisetreterstrategie birgt erhebliche Risiken: So sehr Trump nämlich im linksliberalen Lager abstößt, so sehr mobilisiert er seine eigene Basis. Die Hardcore-Trumpisten sind eine Minderheit, aber sie werden ihre Stimmen abgeben. Ganz ohne Enthusiasmus droht auf der anderen Seite die Gefahr, dass ein gefährlich großer Teil der schweigenden Mehrheit den 3. November am Ende verschläft.

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