Bolsonaro drückt „Amigo“ Trump die Daumen: Wie Lateinamerika auf die US-Wahl blickt

  • Argentinien ist indifferent, Mexiko unentschieden zur US-Wahl.
  • Nicht ganz Lateinamerika wünscht sich eine Niederlage des US-Präsidenten.
  • Brasiliens Präsident ist fest an der Seite seines Amtskollegen.
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Mexiko-Stadt. Wenn Jair Bolsonaro über sein Verhältnis zu Donald Trump befragt wird, hellt sich sein sonst oft mürrisches Gesicht auf. „Ich bin sein größter Fan und will, dass er wiedergewählt wird“, sagt der ultrarechte brasilianische Präsident über seinen besten „Amigo“ auf dem amerikanischen Kontinent. Der Polterer im Weißen Haus ist Bolsonaros engster Verbündeter, sein Bruder im Geiste und im Handeln. Die beiden Riesenreiche des Kontinents werden von rechtspopulistischen Narzissten gesteuert.

Joe Biden jedenfalls, der demokratische Herausforderer von Trump, hat in Brasilien keine Lobby. Spätestens seit er in der TV-Debatte mit Trump Ende September Sanktionen gegen die Regierung in Brasília wegen ihrer Amazonaspolitik gefordert hat, ist er bei Bolsonaro durchgefallen.

Experten: Bolsonaro unterwirft sich Trump

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„Trump und ich haben uns in den vergangenen Jahren dreimal getroffen, ich kann ihn immer anrufen, wenn mir etwas auf den Nägeln brennt“, brüstet sich Bolsonaro gerne. Brasilien sei heute einer der größten Verbündeten der USA außerhalb der Nato, behauptet er. „Unsere Beziehungen werden sich in den kommenden Jahren noch deutlich vertiefen.“ Vor allem auf ökonomischem Gebiet könne es noch mehr Annäherung und noch mehr Austausch geben, betont Bolsonaro. Der US-Staatschef hat seinem südamerikanischen Gegenüber immerhin einen Freihandelsvertrag in Aussicht gestellt, der aber kaum Chancen hat, umgesetzt zu werden. Zum einen werden sich die Demokraten im Kongress dagegen sperren, zum anderen setzen ja beide Länder traditionell auf Zölle, zum Beispiel bei Zucker.

Aber Experten und weite Teile der Bevölkerung empfinden Bolsonaros Außenpolitik gegenüber den USA als unterwürfig. Das widerspricht vollständig der Tradition des Landes und war nicht einmal so, als die Militärs 1964 mit Unterstützung aus Washington die Macht in dem größten südamerikanischen Land übernahmen.

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Auch unter Biden würden sich beide Länder kaum entzweien

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Sollte Trump gewinnen, wird dieser die Allianz mit Brasilien noch ausbauen, sagen Experten voraus. Aber selbst mit einem künftigen US-Präsidenten Biden werde der Pragmatismus die Oberhand behalten, vermutet der Politologe Oliver Stuenkel vom Thinktank Fundaçao Getúlio Vargas. Denn beide Regierungen würden die gegenseitigen unternehmerischen und Handelsinteressen bewahren wollen. Die USA sind nach China der größte Importeur brasilianischer Waren. Und aus geopolitischer Sicht ist Brasília ein wichtiger Akteur, um Chinas Einfluss in Lateinamerika zu verlangsamen.

Biden werde eine „pragmatische Position“ zu Brasilien und Bolsonaro einnehmen, betont Stuenkel. Das Problem sei aber die Unberechenbarkeit von Bolsonaro. „Man kann vermuten, dass er zu Biden auf einen ähnlich konfrontativen Kurs geht wie zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.“ Vor allem in der Klima- und Umweltpolitik hat sich Brasilien unter Bolsonaro ja zu einem weltweit geächteten Staat entwickelt, was sich auch an der zunehmenden Abneigung der Europäischen Union widerspiegelt, das EU-Mercosur-Abkommen zu ratifizieren. Und Biden hat schon klargemacht, dass seine Klimapolitik eine ganz andere als die von Trump sein wird.

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Argentinien, der andere große Akteur im Süden Amerikas, hat sich nach Jahren der nahen Anbindung unter dem rechten Staatschef Mauricio Macri an die USA und den von Washington dominierten Internationalen Finanzorganisationen nun unter Präsident Alberto Fernández zu einem zurückhaltenderen Kurs entschieden. Der linksliberale Peronist legt sich nicht mit Trump an, kommentiert dessen Politik kaum. Aber Trump hat sich in seiner Amtszeit für Argentinien auch kaum interessiert.

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Trump vor dicht gedrängtem Publikum in Pennsylvania
1:06 min
Es sind noch gut drei Wochen bis zur US-Wahl und viele Menschen nutzen bereits die Möglichkeit der Briefwahl.  © Reuters

Mexikos kompliziertes Verhältnis zu Trump

Ganz anders als für Mexiko, das Land, das in Trumps Wahlkampf vor vier Jahren für übelste Beleidigungen und Vorwürfe herhalten musste. Mexikaner seien Vergewaltiger, Drogenhändler und Kriminelle und für alles Übel in den USA verantwortlich. Und er versprach, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen – und dass die Mexikaner dafür zahlen müssten.

Vier Jahre später äußert Trump sich lobend über Linkspräsident Andrés Manuel López Obrador, der mit fast biblischem Gleichmut alle Demütigungen und Forderungen Trumps ertragen hat. Mexiko stoppt mit Tausenden Nationalgardisten die zentralamerikanischen Migranten, vor allem damit die USA keine Strafzölle auf mexikanische Produkte erheben. Die Vereinigten Staaten sind die wirtschaftliche Lebensader Mexikos. 80 Prozent seiner Exporte liefert Mexiko in die USA.

Zähneknirschend hat Mexiko einem runderneuerten Nafta-Freihandelsabkommen zugestimmt, das die Produktion in dem lateinamerikanischen Land verteuert. Während sich López Obrador kaum zur Wiederwahl Trumps äußert, sprechen sich die mexikanischen Unternehmer trotz allem für eine zweite Amtszeit des Republikaners aus. Die sehr konservative ökonomische Elite Mexikos traut den Demokraten nicht und hält sie für Protektionisten.

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