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Truppenabzug zum 11. September: Afghanistan ist nicht mehr von Interesse

  • Die westlichen Truppen sollen Afghanistan nach 20 Jahren Krieg verlassen.
  • Dabei wurden alle politischen Ziele seit 2001 verfehlt.
  • Der Abzug zeigt: Das Land ist einfach nicht mehr wichtig genug, kommentiert Markus Decker.
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Die Entscheidung ist nicht mehr überraschend, der Zeitpunkt hingegen sehr wohl. Die USA wollen ihre Truppen zum 11. September aus Afghanistan abziehen, dem 20. Jahrestag des monströsen Angriffs islamistischer Terroristen auf das World Trade Center von New York. Der Abzug sei nicht an Bedingungen geknüpft, weil das nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre dazu führe, für immer in Afghanistan zu bleiben, sagte ein Vertreter der Administration von Präsident Joe Biden. Die Anmerkung spricht für sich.

In Afghanistan hat der Westen sein Ziel dreimal verfehlt. Er hat dem geschundenen Land kein demokratisches System implantieren können – und Menschenrechte nur sehr bedingt. Ja, die Verhältnisse sind nach zwei Jahrzehnten so desolat, dass Afghanen fliehen, auch zu uns. Das herunter gestutzte Ziel, die afghanischen Sicherheitskräfte so zu ertüchtigen, dass sie sich gegen die Taliban wehren können, wurde ebenfalls verfehlt. Letztere kontrollieren wieder weite Teile des Territoriums.

Nun geben die USA offenbar auch das letzte Ziel auf: eine Übereinkunft zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung. Am Ende dürfte nur noch eine kleine Einheit der US-Armee in Afghanistan oder einem Nachbarland stationiert bleiben, um zu verhindern, dass von dort erneut Terror in die Welt getragen wird.

Der Westen zieht freilich nicht zuletzt deshalb aus Afghanistan ab, weil sich die geopolitische Lage seit 2001 stark verändert hat. Der Konflikt mit Russland spitzt sich – siehe Ukraine – ebenso zu wie jener mit China, das seinerzeit bloß nach ökonomischer Dominanz strebte, nicht nach politischer oder militärischer. Washington und Berlin widmen sich den heute wesentlichen Krisenherden. Afghanistan ist keiner mehr.

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